Als alles gesagt war, musste Petr Pohl noch etwas loswerden. Vor der Kabine des EHC Eisbären hatte sich die Traube an Leuten, die sich nach Spielen dort einfindet, fast aufgelöst, da lief Markus Flemming vorbei. Pohl sprang schnell hinterher, um ihn nicht zu verpassen. Er packte seine Hand und sagte: „Danke, Markus!“ Flemming lächelte, beim Auseinandergehen sagte Pohl erneut: „Danke.“

Pohl lächelte dabei kaum, dafür war bei ihm eine tief empfundene Befreiung auszumachen. Der Deutsch-Tscheche ist Stürmer, einer von denen, die sich an Toren messen. Doch in den ersten zehn Saisonspielen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gelang dem 29-Jährigen kein einziges. Das machte ihm offenbar so sehr zu schaffen, dass er die Unterstützung von Mentaltrainer Markus Flemming beanspruchen musste, der sich bei den Eisbären um die Psyche der Spieler kümmert.

Dank an den Psychologen

Solche Dinge sind sehr privat, kein Thema für die Öffentlichkeit bei den Berlinern. Doch Flemmings Worte brachten Pohl offenbar in die richtige Bahn. Beim Spiel am Freitag gegen Augsburg lief der Angreifer heiß. Schon früh in der Partie ereilte einen der Eindruck, dass Pohl diesmal nicht ohne Treffer bleiben wird. Seine Vorlage zum 2:2 durch André Rankel prägte eine extreme Entschlossenheit, im Fallen wollte er den Puck unbedingt aufs Tor bringen. Dieser Spielzug drehte die Partie zugunsten der Eisbären. „Ja, das kann sein“, sagte Pohl.

Als er das erzählte, war die Anspannung immer noch nicht verflogen. Pohl bebte innerlich, Hände und Arme bewegten sich hin und her. So als ob er gleich wieder raus aufs Eis müsste und weiterspielen. Ausnutzen, dass es wieder läuft. Dabei hatte er beim 7:3 der Berliner schon zwei Tore vorbereitet und zwei selbst erzielt. „Es war nicht einfach, da will ich gar nicht lügen“, sagte er über die torlose Zeit. Die sechs Vorlagen zuvor, die konnten ihn nicht zufrieden stellen. Topscorer des EHC war er in der Vorsaison, 21 Treffer erzielte er in der Hauptrunde, legte 24 auf. Vor dem Spiel gegen Augsburg war er jedoch fünf Partien komplett ohne Punkt geblieben.

Viel Kreativität

Da hatte sich die Mannschaft allerdings allgemein sehr schwer getan vor dem Tor. Pohl diente gegen Augsburg als gutes Symbol für eine generell verbesserte Einstellung. „Wir hatten mehr Zug zum Tor, das war wichtig“, sagt Kapitän Rankel. Vor allem Pohl stach dabei aber hervor, das tut er oft, weil er besondere Qualitäten besitzt. „Petr ist stark im Eins gegen Eins. Solche Kreativität braucht eine Mannschaft, weil man nicht immer das Gleiche machen kann“, so Rankel.

Pohls Sololäufe im großen Bogen durch das Angriffsdrittel auf der Suche nach einer guten Schussposition sind schon fast legendenreif. Pohl kann sehr elegant spielen, gleichzeitig mit enormer Intensität. „Er hat einen unbändigen Willen“, sagt Trainer Uwe Krupp und räumt auch ein, dass der gebürtige Tscheche dieses Erfolgserlebnis brauchte.

Vielleicht sogar dringend. Pohl ist eher in sich gekehrt, einer, bei dem sich viel anstauen kann, wenn es nicht läuft. „Kluge Leute sagen, dass Sport immer viel mit dem Kopf zu tun hat. Vielleicht hat man das bei mit etwas gemerkt“, sagt der Stürmer, der im Moment der Entladung nach seinem ersten Treffer wild gegen das Plexiglas sprang.

Ruhiger als am Freitag

Rankel freute sich für einen Reihenkollegen: „Er hat das verdient, er arbeitet immer sehr hart.“ Wahrscheinlich kann Pohl nun wieder etwas unbelasteter aufspielen, gelassener in die Spiele gehen. So wie die ganze Mannschaft nach den drei Niederlagen zuvor. Gegen München, einen der Titelfavoriten mit dem ehemaligen EHC-Erfolgstrainer Don Jackson, ist das eine gute Basis beim zweiten Heimspiel des Wochenendes am Sonntag (16.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Egal, wie das ausgeht, Petr Pohl wird danach ruhiger sein als am Freitag.