Diese Szene war doch gerade erst zu sehen gewesen. Durchdrehend vor Freude rast ein Spieler im Eisbären-Trikot auf die Plexiglasscheibe in der Mercedes-Benz Arena zu und springt dagegen. Zwei Tage zuvor ließ Petr Pohl so seine Gefühle nach seinem ersten Saisontreffer in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) raus. Diesmal verschaffte sich Spencer Machacek auf diese Weise Erleichterung nach den ersten elf Partien ohne Tor. „Das war bloß Zufall. Ich habe da gar nicht weiter drüber nachgedacht“, sagte er. Langsam steht damit nun bald bei jedem der dauerhaft eingesetzten Stürmer des EHC Eisbären ein Treffer in der Statistik. Nur vier sind noch ohne.
Solche Daten nimmt Trainer Uwe Krupp zur Kenntnis, wichtiger ist aber zweifelsohne, dass die Tore ausreichen, um zu gewinnen. Das taten sie in beiden Heimspielen des Wochenendes, nach dem 7:3 gegen Augsburg folgte am Sonntag vor 12.107 Zuschauern ein 5:3 (1:0, 2:0, 2:3) gegen Red Bull München. „Dieses Wochenende war eine gute Leistung gewesen“, sagt Krupp, dessen Mannschaft bei drei Niederlagen zuvor lediglich einmal getroffen hatte. Mit den zwölf Toren in den beiden Heimpartien schoben sich die Berliner in nur zwei Spieltagen von Platz sechs wieder auf Rang eins der Tabelle.
Siege gegen Don Jackson machen besonders Spaß
Erfolge gegen München schmecken etwas besser als solche gegen Augsburg. Zum einen, weil dort viel mehr Geld im Spiel ist. Weil bei den Bayern nur der Titel zählt, weil das Selbstverständnis dort nichts anderes zulässt als riesige Erwartungen. Solchen Teams die Grenzen zu zeigen, macht Spaß – den Gegnern, den Fans. Spiele gegen München sind aber auch deshalb besonders, weil dort mit Don Jackson nun der langjährige Meistertrainer der Eisbären an der Bande steht.
In der vergangenen Spielzeit ging das Duell zwischen beiden Mannschaften mit zwei Siegen für jeden unentschieden aus. Diesmal lagen die Vorteile klar auf Seiten der Berliner. Das machte Jackson zu schaffen, vor allem, weil seine Mannschaft lange brauchte, um in die Partie zu kommen. „Ich bin sauer, wir haben wie so oft schlecht angefangen“, sagte der US-Amerikaner. Das Spiel fing verhalten an, blieb lange ohne nennenswerte Abschlüsse. Meist kamen die Schüsse nicht bis zu den Torhütern durch, denn es wurde sehr konsequent gearbeitet von den Abwehrformationen. Doch ein kurzer Antritt von Machacek brachte etwas Platz. Den Abpraller nach seinem Schuss nutzte Julian Talbot zum Führungstreffer des EHC (7.).
Während die Berliner defensiv ihre Linie halten konnten, bekamen die Münchner zunehmend Schwierigkeiten. So erhielt das Spiel nach und nach eine Richtung. Die Treffer von Machacek (25.) sowie Bruno Gervais in Überzahl (38.), bestätigten die Kräfteverhältnisse auf dem Eis. Lediglich in Überzahl konnten auch die Gäste nach vorn aktiv werden. Dies jedoch so, dass Richie Regehr nach Pass von Mads Christensen den Anschluss herstellte in einer Koproduktion zweier ehemaliger Berliner Profis (44.).
Im letzten Drittel wurde es noch einmal knapp
Zwar zeigten die Münchner ihre Torgefahr erst spät, doch mit dem Treffer änderte sich die Partie. Zu oft mussten die Berliner nun auf die Strafbank, das kostete Kraft und Konzentration. München verschaffte das hingegen noch mehr Auftrieb. Toni Söderholm traf zum 3:2 (49.). „München hat gedrückt und stand fast mit fünf Mann in unserem Drittel“, sagte Stürmer Marcel Noebels. Doch in der entscheidenden Phase konnten die Berliner wieder Ruhe in ihren Aufbau bringen und ihre Positionen besser halten. Micki DuPonts Schuss durch die Beine von Münchens Torhüter Danny aus den Birken war ganz wichtig für die Berliner (55.), die noch einmal den Anschluss durch Maximilian Kastner hinnehmen mussten (59.), aber danach nicht mehr in Bedrängnis gerieten und durch Barry Tallackson in der letzten Sekunde noch ins leere Tor trafen. „Wir haben an diesem Wochenende sechs gute Drittel gespielt“, sagte Noebels. Es war eine perfekte Reaktion auf die vorherigen Spiele.



