Eishockey

Eisbären siegen in Spitzenspiel mit Unterhaltungswert

Der Rekordmeister gewinnt 7:5 gegen Tabellenführer Straubing. Die Bayern sind das bisherige Überrraschungsteam der Saison.

Die Straubing Tigers waren zuletzt im Dezember 2014 Gast der Eisbären

Die Straubing Tigers waren zuletzt im Dezember 2014 Gast der Eisbären

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

Berlin.  Als großer Magnet für die Zuschauer ist Straubing sicher nicht bekannt. Selbst die Tabellenführung in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) macht den Klub auf seinen Auswärtsreisen nicht unbedingt interessanter. So zumindest ließe sich die Zuschauerzahl von 11.210 beim Auftritt der Straubinger beim EHC Eisbären in Berlin deuten.

Ehrlicherweise tragen die Eisbären mit ihren selten inspirierenden Spielen in den vergangenen beiden Jahren ihren Teil der Schuld, dass etwas Platz blieb in der Arena. So richtig viel Unterhaltungswert traute dieser Kombination wohl nicht jeder zu. Mit zwölf Treffern wurde der jedoch im Übermaß geboten.

„Für die Fans war es ein gutes Spiel“

Trainer sehen das gewöhnlich mit etwas anderen Augen. „Für die Fans war das ein gutes Spiel“, sagte Uwe Krupp, Coach der Eisbären. Mit 7:5 (3:2, 2:2, 2:1) setzte sich der EHC durch im Spitzenspiel des Dritten gegen den Überraschungsersten. Damit fügten die Berliner den Niederbayern am vierten Spieltag die erste Niederlage zu. Erster bleibt Straubing dennoch, und die Berliner sind punktgleich Dritter.

Ganz den typischen Straubinger Stil mit vor allem Körpereinsatz und defensiver Einstellung bringen die Tigers unter Larry Mitchell nicht mehr zur Darbietung. „Das ist kein Hau-Ruck-Eishockey. Bei Larry ist immer Struktur drin“, sagt Krupp.

Für den Trainer der Gäste ist es auch nicht so ungewöhnlich wie für Straubing bei der Premiere an der Tabellenspitze, mal etwas im Mittelpunkt zu stehen. Bis ins Finale führte Mitchell 2010 seinen vorherigen Klub, die Augsburger Panther.

Ruhm im Miniformat

Nun, so viel trauen die Fans der Eisbären den Straubingern sicher nicht zu. Sie gaben den Niederbayern mit auf den Weg, dass eine Tabellenführung noch nichts ist, worauf man sich etwas einbilden könnte. „Ihr werdet nie Deutscher Meister“, lautete die Botschaft. Vielleicht behalten sie damit sogar recht. Die Bedingungen in Straubing scheinen einfach nicht für so viel Erfolg gemacht.

Den Ruhm im Miniformat, also der Tabellenführung, den wollen die Straubinger dennoch etwas genießen. Hartnäckig zeigten sie sich in Berlin, unerschütterlich in ihrer Moral – und natürlich selbstbewusst. Wer solche Attribute auf sich vereint, den schockt auch ein Gegentor nach 79 Sekunden nicht.

Florian Busch hatte zur Führung für den EHC getroffen. In Überzahl glich René Röthke aus (7.). Eine Verkettung von Fehlern der Berliner nutzte Connor James sogar zur Führung für die Gäste (13.).

Schöne Kombinationen bei den spielfreudigen Eisbären

Vor den Treffern hatte Straubing unter Druck gestanden, es aber geschafft, diesen aufzulösen. Die Berliner wiederum zeigten sich gefestigt genug, keine Zweifel an sich aufkommen zu lassen trotz der Gegentore.

Sie zogen ihre Linie durch, und die hatte es in sich. Mit großer Laufbereitschaft bewegte sich das Team, dazu strahlte es viel Spielfreude aus, wirkte sicher in den Kombinationen. Selbst wenn die mal etwas künstlerischer wurden. Barry Tallacksons Tor zum 2:2 war eine Augenweide, in schönen Kurven umfuhren erst Micki DuPont und dann Darin Olver die Gegenspieler. Der freigespielte Tallackson ließ noch Torhüter Matt Climie mit einem Haken aussteigen (15.).

Weniger filigran, dafür mit Urgewalt trafen André Rankel (18.) und Frank Hördler jeweils in Überzahl (28.) sowie Constantin Braun (36.). All diese Tore aber gaben dem Spiel keine Richtung. Denn Straubing hatte immer etwas entgegenzusetzen. „Das war etwas anders als erwartet“, sagte Olver.

„Sie machen aus wenig viel“

Erst mit den Treffern von Travis Mulock (53.) und Braun (60.) war Straubing geschlagen. Julian Talbot fand, dass „beide Teams die Fehler des anderen genutzt haben. Es ging hin und her“. Auch bei den Meinungen der Trainer, Krupp sah ein gutes Spiel seines Teams. Mitchells Mannschaft hatte nicht so gespielt, „wie wir uns das vorgestellt haben, aber wir haben in einem schlechteren Spiel Tore erzielen können“.

Obwohl die Chancen dazu rarer waren als beim EHC. „Sie machen aus wenig viel“, sagte Krupp und war froh, dass seine Mannschaft zwei Tage vor dem Sechszehntelfinal-Heimspiel in der Champions League am Dienstag gegen Stavanger etwas mehr zu bieten hatte in dieser furiosen Partie.