Eisbären Berlin

Die wilden Jahre sind vorbei

Eisbären-Verteidiger Constantin Braun hat viel durchgemacht in den vergangenen beiden Jahren. Nach langer Pause verändert er nun seinen Stil.

Wieder an Bord: Verteidiger Constantin Braun

Wieder an Bord: Verteidiger Constantin Braun

Foto: dpa Picture-Alliance / nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Mit einem Drink in der Hand kommt Constantin Braun aus der Kabine. Selbstgemixt, sieht aber nicht besonders lecker aus. Ist er wohl auch nicht, wie Braun anmerkt, aber die Proteine helfen bei der Regeneration. Profisportler müssen sich eben intensiv um ihren Körper kümmern.

Besonders liebevoll geht der 27-Jährige mit seinem rechten Fuß um. Jeden Tag um das Training herum eine spezielle Vor- und Nachbereitung, gesondertes Warmmachen, Physio. „Ich muss darauf achten, dass ich das nicht schleifen lasse“, erzählt Braun. Gewissenhaftigkeit ist ihm wichtig bei diesem Thema. Sein Fuß brachte ihm eine elfmonatige Zwangspause ein, fast eine komplette Saison musste der Verteidiger des EHC Eisbären aussetzen. Jetzt, mit dem Start der neuen Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), ist Braun zurückgekehrt.

Schon einen Treffer erzielt

Soweit machte der Fuß gut mit in den ersten beiden Partien. „Aber wir sind nach wie vor vorsichtig“, erzählt Braun vor dem Spiel in Wolfsburg. Er schaut darauf, dass die Durchblutung gut ist, bandagiert das rechte Sprunggelenk, in dem er einen Knorpelschaden erlitten hatte. Die Rückkehr zur Normalität ist noch nicht abgeschlossen, obwohl die Einsätze mehr werden und die Verantwortung auf dem Eis steigt. Bislang fühlte er sich ganz wohl in den Spielen. Nun ja, gegen Nürnberg „habe ich gemerkt, dass der Kopf noch ein bisschen schneller ist als die Hände“. Aber in Iserlohn schoss er gleich ein Tor. „Es läuft besser als erwartet nach so einer langen Pause“, erzählt Braun. Ab und zu spürt er noch etwas Rost in den Knochen, aber in ein paar Wochen sollte auch das vorbei sein und alles funktionieren wie einst.

Obwohl seine gelungene Rückkehr auch damit zu tun hat, dass er nicht mehr alles macht wie früher. Anfangs empfiehlt es sich ohnehin nach so einer Ausfallzeit, sich auf die Details zu besinnen. So macht es auch Braun. „Das Augenmerk liegt auf der Defensive“, sagt er. Der Aufbaupass muss gut kommen, das Stellungsspiel stimmen – alles einfach halten, um sich die Sicherheit zurückzuholen. Braun geht aber noch weiter: „Ich bin dabei, mein Spiel umzustellen.“ Die Eisbären starten mit einem anderen Constantin Braun in die Saison als vor einem Jahr.

Kontrolliert und effektiv statt vogelwild und rastlos

Damals war er der Draufgänger auf dem Eis. Bei fast jedem Wechsel stürmte er über die komplette Eisfläche, rannte rastlos umher, oder wie er sagt: „vogelwild“. Jetzt will er kontrollierter spielen, effektiver, seine Kraft nicht verpulvern. „Ich versuche nun, auf meiner Seite zu bleiben, zu gucken, dass ich einen guten Abstand zum Gegner habe“, sagt Braun. Wenn er seine Position besser hält, wird es auch für die Kollegen leichter, sich in der Ordnung auf dem Eis zurechtzufinden.

Initiiert wurde der Wandel in vielen Gesprächen und Videositzungen mit Co-Trainer Marian Bazany. „Wir haben festgestellt, dass die wilde Rennerei überhaupt nicht nötig ist“, so der Abwehrspieler. Die gewünschte Wirkung lässt sich auch mit einer bewussteren Spielweise erzielen. Dem Fuß hilft es obendrein, gerade jetzt, wenn die Belastung besser dosiert ist. Der hat schließlich eine Vorgeschichte. Im Frühjahr 2012 wurde schon einmal ein Knorpelschaden im selben Sprunggelenk diagnostiziert. Deshalb dauerte die Rückkehr jetzt so lange. „Wir wollten sicher gehen, dass es voll ausgeheilt und ich in drei Jahren nicht wieder operiert werden muss“, so Braun, der den Formaufbau äußerst behutsam angegangen ist. Ohne Zeitplan.

Immer geduldig zu bleiben, fiel ihm schwer. Natürlich konnte er ersatzweise viel Zeit mit der Familie verbringen, das kommt ja sonst in der Saison oft viel zu kurz. „Man holt ein paar Sachen nach“, sagt er. Tierpark, Kino, alles toll. Doch Brauns Geduld wurde in den vergangenen beiden Jahren einfach extrem auf die Probe gestellt. Im Sommer 2013, Braun war gerade Meister und wertvollster Spieler des Play-offs geworden, verabschiedete er sich wegen einer Depression und spielte erst Ende November wieder. Auf diese sehr private Episode möchte er nicht näher eingehen. Aber die vergangenen beiden Jahre beschreibt er so: „Im Endeffekt kann man sagen, dass ich von ganz oben nach ganz unten gegangen bin. Und jetzt bin ich gerade dabei, mich wieder hochzukämpfen.“ Dabei rechnet er mit Rückschlägen.

Mit ihm steigt die Qualität des Teams

Genauso wie er hoffen die Eisbären, dass diese Tiefs nur klein bleiben. Sie brauchen Brauns Physis, seine Fähigkeiten, eine Mannschaft anzutreiben und zu führen. Irgendwann soll dann auch das offensive Element, das stark ist in ihm, wieder eine größere Rolle spielen. Ein Charakter wie Braun, ein Spieler wie er, fehlte dem EHC lange. Mit ihm steigt die Qualität des Teams, das nach zwei Jahren ohne Viertelfinale jetzt wieder den Sprung unter die Besten schaffen soll. Das wünscht sich auch Constantin Braun, vor allem aber möchte er eines: „Mein persönliches Ziel ist es, die Saison durchzuspielen“, sagt er. Dafür wird er seinen rechten Fuß, nach dessen Wohlergehen sich Trainer Uwe Krupp täglich erkundigt, künftig gut umsorgen.