Eishockey

Wucht als Lösungsansatz für die Eisbären

Die Eisbären liefern zum Saisonauftakt ein Spiel, das wie ein Hoffnungsschimmer wirkt - auch dank des kanadischen Zugangs Bruno Gervais.

Verteidiger Bruno Gervais (r.) konnte dem Spiel der Eisbären neue Impulse verschaffen

Verteidiger Bruno Gervais (r.) konnte dem Spiel der Eisbären neue Impulse verschaffen

Foto: Britta Pedersen / dpa

Manches führte am späten Freitagabend etwas in die falsche Richtung. Zumindest hätten die Aussagen einiger Protagonisten einen Unbedarften kaum dazu verleitet, sich hier unter Eishockeyprofis zu wähnen. „Wie Rührei“ sei ihm die Partie vorgekommen, sagte Martin Jiranek, Co-Trainer der Nürnberg Ice Tigers. Als Ursache für seine Leistung brachte Florian Busch einen Sommer ins Spiel, in dem „ich viel Trecker gefahren bin“. Eine Kuh habe er auch gemolken.

Buschs Einwürfe dürften nicht ganz ernst gewesen sein, so ist er nun mal. Aber zwei Tore in einem Spiel schoss der Stürmer des EHC Eisbären eben auch schon lange nicht mehr. Seine beiden Treffer halfen den Berlinern, zum Start der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit 5:2 gegen Nürnberg zu siegen.

Obendrein krönten sich die Eisbären zum ersten Tabellenführer der neuen Saison. Das hebt die Laune enorm bei einer Mannschaft, die lange wenig Grund hatte, auf sich stolz zu sein. „Es ist schön, mit so einem Sieg zu starten“, sagte Bruno Gervais ganz sachlich, aber natürlich auch mit einem Lächeln.

Schlagschuss mit 141 Stundenkilometern abgefeuert

Das bezog sich bei ihm sowohl auf den Gesamtauftritt der Berliner als auch auf seine persönliche Darbietung. Im ersten DEL-Spiel seiner Karriere gelang dem 30-jährigen Kanadier gleich ein sehenswerter Treffer, ein strammer Schlagschuss, der mit 141 km/h gemessen wurde. Der Verteidiger bringt also Wucht ins Berliner Spiel, das fehlte zuletzt beim EHC. Und nicht nur das. Probleme ergaben sich zwei Jahre lang reichlich bei den Eisbären. Der Auftakt jetzt lässt die Hoffnung zu, dass die Mannschaft von Trainer Uwe Krupp ein paar neue Lösungsansätze vermittelt bekommen hat.

Nach dem Auftritt in Gap in der Champions Hockey League (CHL) stand das nicht unbedingt zu vermuten. „Das war nicht so, wie wir es wollten“, erzählte Gervais. Doch auch die Niederlage beim französischen Meister brachte die Berliner voran. „In der CHL konnten wir viele Systeme durchspielen. Dadurch haben wir uns jetzt etwas komfortabler gefühlt in manchen Situationen“, so Gervais. Für ihn bot die CHL die Gelegenheit, sich an das europäische Eishockey anzupassen.

In der NHL verbrachte Gervais den größten Teil seiner Karriere, absolvierte 423 Partien für die New York Islanders, Tampa Bay und Philadelphia. Das sind Erfahrungswerte, mit denen die Berliner planen. Welche Wirkung sie haben können, durfte schon beobachtet werden. „Unser Überzahlspiel war zur rechten Zeit da, unser Unterzahlspiel auch. Alle haben gut gearbeitet, das ist es, was ich gern sehe“, sagte Gervais, der selbst im Powerplay traf. Beim Körperspiel, beim Forechecking und am Puck allgemein sieht er aber noch Potenzial. „An den Details ist immer viel zu tun, damit wir unsere Geschwindigkeit richtig nutzen können“, so der Kanadier.

Sein Trainer sah es sehr ähnlich. „Es gibt vieles, womit man zufrieden sein und worauf man aufbauen kann“, resümierte Krupp. Seiner Mannschaft gelang es oft, ihr Spiel durchzusetzen. Das sollte vor allem denjenigen Mut machen, die in den vergangenen zwei Jahren große Schwierigkeiten damit hatten, ihre Linie in einer Partie durchzudrücken.

Am Sonntag soll auch in Iserlohn ein gutes Spiel her

Als Muster für das Bevorstehende sollte der Auftakt jedoch nicht gelten. Krupps Ansatz, alle Kontrahenten zunächst einmal persönlich kennenzulernen, bietet mehr Aussagekraft. Gervais sieht die Partie im Zusammenhang: „Wir müssen jetzt auswärts gut spielen, sonst war die harte Arbeit heute nichts wert.“ In Iserlohn treten die Eisbären am Sonntag an, immer ein schwieriger Gegner. Schüsse von der blauen Linie in Überzahl sind in solchen Partien wichtig, solche wie von Gervais gegen Nürnberg. Wie hart er genau schießen kann, das weiß der Verteidiger gar nicht. „In meinem Kopf geht es bis 200“, sagte er. Da brach der Überschwang nach dem guten Auftakt der Eisbären auch bei ihm noch durch.