Eisbären-Saisonstart

"Die Eisbären müssen wieder nach oben"

Kapitän André Rankel über Enttäuschungen der Vorjahre, das neue Kapitel mit Trainer Uwe Krupp und den Respekt, den er zurückhaben möchte

Uwe Krupp (l.), Trainer der Eisbären, und André Rankel, Kapitän der Berliner, wollen die Eisbären wieder an die Spitze führen

Uwe Krupp (l.), Trainer der Eisbären, und André Rankel, Kapitän der Berliner, wollen die Eisbären wieder an die Spitze führen

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Hinter dem EHC Eisbären liegt eine unerfreuliche Zeit voller Enttäuschungen, zweimal war man Zuschauer beim Play-off. Das wollen die Berliner in der neuen Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vergessen machen und ihrem Ruf als DEL-Rekordmeister gerecht werden. Mit dem Duell gegen die Nürnberg Ice Tigers starten die Berliner am Freitag (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Allen voran Kapitän André Rankel, 30.

Berliner Morgenpost: Zwei Jahre hintereinander standen die Eisbären nicht im Viertelfinale, Herr Rankel. Anderswo wäre nach solchen Enttäuschungen groß aussortiert worden. Hier ist personell wenig passiert im Sommer. Wie lebt es sich in dieser Oase der Ruhe?

André Rankel : Hut ab dafür, dass die Eisbären das so handhaben und nicht agieren wie andere Vereine. Schon in früheren weniger erfolgreichen Jahren kam dabei etwas Gutes heraus. Was uns immer ausgezeichnet hat, ist, dass wir nicht auf andere geguckt haben, sondern unseren Weg gegangen sind. Egal, was dazwischen kam. Das macht die Eisbären so besonders. Auch deshalb bin ich schon 13 Jahre hier, weil ich mich damit voll identifizieren kann. Für uns Spieler ist das ein Vertrauensvorschuss, und wir stehen natürlich in der Pflicht zu zeigen, dass wir noch so gut sind. Auf dem Papier, glaube ich, sind wir es.

Wenn jemand schon so lange Teil der Eisbären ist wie Sie, wenn jemand so viele Erfolge durfte, wie schwer fällt es dann zu sehen, dass der Klub bereits zum zweiten Mal in Folge nicht oben dabei sein konnte?

Das ist keine schöne Situation, ganz ehrlich. Keiner von uns ist damit glücklich. Aber wenn jeder unbewusst ein, zwei Prozent weniger gibt, dann kann so etwas passieren. Dann kannst du in dieser Liga nicht mehr gewinnen, weil sie so eng ist. Wir sind selbst schuld. Wir müssen wieder dahin zurückkommen, dass wir nur über harte Arbeit gewinnen können. Ich mache niemandem einen Vorwurf, aber es ist einfach so: Wenn du einen Schritt zu spät kommst, hast du schon verloren.

Was ist in Ihnen vorgegangen, als Sie gemerkt haben, dass der Anschluss an die Spitze verloren geht?

Ich ruhe mich nicht darauf aus, dass ich sieben Meisterschaften gewonnen habe. Das bringt mir ja nichts, wenn ich auf das Eis gehe. Später, wenn ich mal aufhöre, kann ich sagen, dass ich froh bin, so und so viele Meisterschaften gewonnen zu haben. Ich will immer gewinnen, alles andere ist mir egal. Von daher war die Situation in den vergangenen beiden Jahren sehr frustrierend für mich. Du versuchst immer, Lösungen und Wege zu finden, dass du deine Leistung bringst, dass die anderen ihre Leistungen bringen. Das haben wir alle nicht geschafft. Ich nicht, und die Mannschaft nicht.

Haben Sie Ihren Frust in der Kabine gelassen oder mit nach Hause genommen?

Eigentlich bin ich ganz gut darin abzuschalten, aber wenn du zwei Jahre immer nur hinter den Erwartungen zurückhängst, dann wirkt sich das anders aus. Dann nimmt man das auch mit nach Hause.

Fühlen Sie als Kapitän eine besondere Verantwortung für die Entwicklung?

Klar versuchst du, die Mannschaft mitzureißen. Aber alle sitzen im selben Boot und alle haben den gleichen Job, ob mit oder ohne Buchstaben auf dem Trikot. Von daher sehe ich mich nicht allein in der Verantwortung.

Hatten Sie den Eindruck, dass nicht alle so mitgezogen haben, wie es notwendig gewesen wäre?

Als Mannschaft haben wir das gegeben, was wir konnten. Der eine hatte eine schlechte Saison, der andere eine bessere. Durch viele Verletzungen mussten die Leute noch mehr spielen als sowieso schon. Die waren dann kaputt. Dann kamen die Verletzten zurück, die nicht 100-prozentig fit waren, aber zurückgekommen sind, weil wir keine Spieler hatten. So kommt eins zum anderen, du hast kein Selbstvertrauen mehr, wirst müde. Da sind wir dann wieder bei den ein, zwei Prozent. Die kannst du einfach irgendwann nicht mehr bringen.

An der Lage des Klubs änderte selbst der Trainerwechsel von Jeff Tomlinson zu Uwe Krupp nichts. Zumindest bezogen auf das Endresultat. Wie wirkte sich der Tausch drinnen in der Mannschaft aus?

Ein Trainerwechsel ist immer auch ein gewisses Scheitern für die Mannschaft. Bei uns war das dennoch der Anfang von etwas Gutem. Darauf wollen wir jetzt aufbauen. Uns ist wieder bewusster geworden, was es heißt, erfolgreich Eishockey zu spielen.

Sie gehen jetzt in die erste komplette Saison unter Uwe Krupp. Was macht das noch einmal anders?

Das Training in der Vorbereitung war unglaublich intensiv, es wurde viel Wert auf Schnelligkeit gelegt, sehr geradlinig trainiert. Wirklich, so hart trainiert habe ich lange nicht, wenn überhaupt schon mal. Die Fitness ist für Uwe sehr wichtig, ebenso wie viele Kleinigkeiten, die im Endeffekt den Unterschied ausmachen. Und die vielleicht die vergangenen zwei Jahre ein bisschen abhandengekommen sind. Das ist eine gute Sache.

Welche Rolle spielt der Name eines Trainers, wenn er eine solche Vita hat wie Uwe Krupp?

Den ersten Eindruck macht das auf jeden Fall aus. Man weiß, was er erreicht hat, dadurch allein ist er schon eine Respektsperson. Aber er tritt auch so auf, er hat eine klare Struktur, er weiß, was er möchte, was er erreichen will. Es geht immer zielstrebig voraus, er zeigt den Weg vor. Da ist es nicht schwer mitzugehen. Das macht die ganze Arbeit mit ihm einfach.

Ist er mehr der Taktiker oder doch eher der Motivator?

Wir beschäftigen uns schon viel mit Taktik, aber natürlich ist er jemand, der unglaublich gut motivieren kann. In jeder Kleinigkeit lässt er dich wissen, wenn du etwas falsch machst. Dadurch fordert er dich jedes Training, treibt dich dazu, auch dort immer 100 Prozent zu geben. Wer sich darauf einlässt, wird automatisch ein besserer Spieler.

Ist das genau der Kick, den diese Mannschaft jetzt braucht?

Kann sein. Aber wer nach den vergangenen beiden Jahren hier nicht motiviert ist, der macht irgendwas falsch. Wenn einer mit Platz acht oder neun zufrieden ist, ist er hier einfach falsch. Darum geht es. Mich persönlich muss niemand motivieren. Ich möchte zeigen, dass wir wieder da sind.

Als die Eisbären in der DEL so lange nicht da waren, wie verhielt es sich da mit dem Respekt vor diesem Klub?

Teilweise ist der Respekt immer noch recht groß. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass dieses Zittern vor den Eisbären schon ein bisschen weg ist.

Muss man sich daran erst gewöhnen, dass die Gegner sich wieder mehr trauen gegen einen?

Also ich nicht. Diesen Respekt kriegst du ja nicht geschenkt. Der bleibt auch nicht für immer. Aber ich will diesen Respekt wiederhaben, das ist mein Ziel.

Wie wichtig ist es dabei, den nächsten Schritt in der CHL geschafft zu haben?

Sehr wichtig. Im Heimspiel gegen Gap haben wir gezeigt, was wir können. Daran konnten wir im Auswärtsspiel nicht anknüpfen, aber wir wollen natürlich trotzdem auch in der CHL so weit wie möglich kommen. Grundsätzlich ist mein Gefühl nach der Vorbereitung, wie schon gesagt, sehr positiv.

Mit welchen Gedanken starten Sie in die DEL-Saison?

Für uns als Mannschaft ist es einfach so, dass wir wieder Play-off spielen und uns dafür direkt qualifizieren wollen. Ich persönlich will da natürlich auch hin, aber ich möchte Woche für Woche auch einen Fortschritt sehen. Ich möchte, dass wir uns nicht hängen lassen in schweren Zeiten, sondern uns da durcharbeiten und als Mannschaft dadurch zusammenwachsen. Wir wollen wieder dahin zurück, wo die Eisbären, glaube ich, auch hingehören. Das ist definitiv weiter oben als in den vergangenen beiden Jahren. Wir sind in der Schuld. Das haben wir auch vergangenes Jahr schon gesagt. Aber das Reden ist irgendwann vorbei.