CHL-Start

Micki DuPont bei den Eisbären - Alter Held als neue Hoffnung

Nach neun Jahren spielt Micki DuPont wieder bei den Eisbären. Er soll den Erfolg zurückbringen. Den ersten CHL-Gegner kennt er gut.

Das waren Zeiten: Micki DuPont mit dem DEL-Meisterpott

Das waren Zeiten: Micki DuPont mit dem DEL-Meisterpott

Foto: imago / BM

Berlin.  Jetzt geht es richtig los. Da lohnt es sich schon mal, Micki DuPont zu befragen. Die Eisbären empfangen die ZSC Lions aus Zürich (16 Uhr, Mercedes-Benz-Arena und Laola1.tv). In der Schweiz spielte der Kanadier lange, DuPont kennt die Lions also. „Sie sind ein gutes Team, spielen nordamerikanisch und haben gern den Puck“, sagt der Verteidiger. Die Hürde zum Auftakt der Gruppenphase in der Champions Hockey League (CHL) ist demnach nicht klein für den EHC. DuPonts Erfahrungen könnten hilfreich sein.

Genau diese Hoffnung begleitet die Berliner allgemein. Zwei Jahre lief es nicht gut, im Play-off-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fehlte der Rekordmeister jeweils. Mit DuPont ist nun jemand da, der einst als junger Spieler mit den Berlinern in den großen Aufbruch zum über Jahre dominierenden Team der DEL steuerte. Im Sommer kehrte er als alter Spieler zurück, und auch den Erfolg soll er durch seine Erfahrung wieder mitbringen. Das ist zumindest der Plan.

Zum ersten Mal spielt er am Sonnabend in der neuen Arena. Damals, als er ging, war ja noch der Wellblechpalast das Zuhause des EHC. „Es wird bestimmt toll hier“, sagt der Kanadier. Aber sonst? Wie ist es so, nach so langer Zeit wieder beim EHC zu sein? „Die Physios, die Leute um das Team herum sind immer noch dieselben wie damals. Es fühlt sich toll an, zurück zu sein“, erzählt DuPont. Obwohl vieles gar nicht so unterschiedlich ist, ist es doch ganz anders.

Mit dem Fahrrad durch die Stadt

Als er 2006 den Klub verließ nach drei Jahren und mit zwei Meistertiteln, war DuPont gerade 26 Jahre alt geworden. Mit 35 nimmt er einen neuen Anlauf in Berlin. „Ich habe mich gleich wieder in die Stadt verliebt. Es ist umwerfend, sie noch einmal kennenzulernen“, so der Abwehrspieler. Damals lebte er erst in Hohenschönhausen und dann in Mitte. „Jetzt wohnen wir in Friedrichshain. Da war ich damals eigentlich nie gewesen“, so DuPont. Manchmal fährt er sogar mit dem Fahrrad zum Training. Er hat sich auch schon aufgemacht, die Gegenden von früher neu zu erkunden, ebenfalls per Fahrrad. Hackescher Markt, Prenzlauer Berg. „Manchmal ist das gar nicht so einfach, weil ich nicht genau weiß, wo ich am Ende rauskomme, wenn ich die Straßen abfahre“, erzählt er. Ihm gefällt es hier. Aber da war er sich ohnehin sicher: „Meine Frau und ich mochten es, als wir das erste Mal hier waren. Und wir wussten, dass wir es wieder genießen würden, in Berlin zu sein.“

Ganz freiwillig kam der Wechsel nicht zustande. DuPont ist nicht irgendwer, über die Jahre konnte er sich einen gewissen Status erarbeiten. Nach den Eisbären versuchte er es noch zwei Jahre in Nordamerika. „Aber als ich gemerkt habe, dass ich nicht als Vollzeitspieler in der NHL landen werde, bin ich in die Schweiz gegangen“, sagt er.

Teuerster Spieler in Kloten

Dort fügte sich alles für ihn, erst in Zug, dann in Kloten. DuPont war bester Verteidiger der Liga, sammelte zweimal die meisten Punkte, wurde in das All-Star-Team gewählt. Zuletzt 2014, als er mit Kloten zum zweiten Mal im Finale der NLA stand. DuPont entwickelte sich mit den Erfolgen zum teuersten Spieler des Teams.

Nach einer erfolglosen Saison, die in der Relegation endete, wollte Kloten die Dienste DuPonts trotz Vertrages bis 2016 nicht mehr in Anspruch nehmen. „Der Klub hatte ein schlechtes Jahr, er musste handeln. Aber es war enttäuschend, wie sie das gehandhabt haben“, so der Verteidiger. Ihm wurde erzählt, dass die Mannschaft verjüngt werden müsse. Er wurde ausbezahlt. Als die Berliner davon erfuhren, boten sie ihm gleich einen Zweijahresvertrag an. Im überraschenden Ende für DuPont in Kloten sahen sie keinen Makel, eher einen Glücksfall. Und das Alter störte auch nicht. „Wenn man Micki kennt, weiß man, wie er ist. Er legt viel Wert auf Fitness. Wenn er will, kann er bis 40 spielen und länger“, so Manager Peter John Lee. Ein bisschen Vertrauen müsse man schon haben. Aber bei den ersten Tests vor der Saison hatte DuPont mit die besten Werte.

Immer noch schnell

Soweit ging der Plan schon mal auf. Jetzt muss sich diese Logik im Spiel bewähren. DuPont soll das Team führen, viele Aufgaben auf einmal übernehmen. Jim Sharrow und Casey Borer, die Verteidiger, die gegangen sind, waren Rollenspieler, die nur bestimmte Dinge wirklich beherrschten. DuPonts Repertoire ist größer, er kann in allen Situationen spielen, ohne nervös zu werden. Überzahl, Unterzahl, nach hinten, nach vorn. Das hat sich über die Jahre nicht verändert. „Die Basis meines Spiels ist dieselbe geblieben“, sagt er. Er ist ein seltener Rechtsschütze, immer noch schnell. Mit dieser Schnelligkeit macht er die Räume für die Gegner eng. Die Alternativvariante entfällt dabei. „Ich bin nicht der Größte, also werde ich keine Typen über den Haufen rennen.“ Intelligentes, schnelles Eishockey, dafür steht DuPont, der ebenso in der Offensive mit gutem Spielverständnis, sicheren Pässen und Zug zum Tor ein wichtiger Faktor ist.

Weniger offensichtlich, aber um so bedeutender wird sein Auftreten in der Kabine sein. Den Eisbären fehlte es zuletzt an Leuten, die Verantwortung übernehmen. Zwar gefällt ihm, wie sich André Rankel und Co. entwickelt haben: „Früher waren sie die jungen Spieler, jetzt sind sie die Leader.“ Doch sie brauchen Unterstützung. DuPont soll die liefern. Von ihm wird viel erwartet.

Vita reich an Höhepunkten

Er geht routiniert damit um. „Alle Teams starten in das Trainingscamp und wollen den Titel gewinnen. Nach zwei Jahren ohne Erfolg hoffe ich, dass alle hungrig sind“, sagt der Kanadier. Er sei jedenfalls hungrig. Trainer Uwe Krupp gefiel das Auftreten des Profis bislang. „Er kümmert sich auch im die jungen Spieler“, sagt er. Vor allem junge Verteidiger haben die Berliner einige in ihren Reihen, deren Unerfahrenheit war in der Vorsaison eines der Probleme der Eisbären. Mit DuPont und auch Bruno Gervais, 30, konnte die Mannschaft Spieler dazugewinnen, deren Vita reich an Höhepunkten ist im allgemeinen DEL-Vergleich.

Läuft alles nach Plan, soll das die Mannschaft stabilisieren. Wobei ein 35-Jähriger an sich nicht gerade der ideale Hoffnungsträger ist. Bei den Eisbären liegt solch ein Gedanke jedoch im Verborgenen. Vielmehr wirkt es ein wenig so, als hätten sie gefühlt den DuPont von einst verpflichtet. Inklusive Aufbruchstimmung.