Eisbären Berlin

Nur ein bisschen Umbruch bei den Eisbären

Trotz der zweiten Pleitensaison in Folge bleiben die ganz großen Veränderungen bei den Eisbären aus. Lediglich bei den Ausländerpositionen besteht Spielraum. Der soll mit viel Erfahrung gefüllt werden.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

Es hatte etwas Demonstratives. Manager Peter John Lee stieg nach dem Saisonaus in Nürnberg in sein Auto und fuhr nach Hause. Bei ihm im Wagen saßen Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter, und Trainer Uwe Krupp. Gut vier Stunden brauchte die Führungsriege des EHC Eisbären bis nach Berlin, Zeit, die sie darauf verwendete, ungestört von der im Bus reisenden Mannschaft Fehleranalyse zu betreiben. Nach den Stellschrauben zu suchen, an denen sie drehen müssen.

Schon am Montagvormittag trafen sich die drei erneut, wieder fast drei Stunden reden. „Wir diskutieren, was wir verbessern müssen“, sagt Lee. Ansatzpunkte finden sich reichlich, erstmals seit den Jahren 2000 und 2001 findet das Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zum zweiten Mal hintereinander ohne die Berliner statt. Seinerzeit fiel das kaum ins Gewicht, mittlerweile sind sie aber siebenfacher Titelträger, Rekordmeister. Nach 2001 wurde beim EHC sehr viel richtig gemacht. In jüngster Zeit aber auch wieder einiges falsch.

Eines liegt da natürlich nah. „Wir müssen uns Gedanken machen, was früher funktioniert hat“, erzählt Lee. Für ihn besteht jetzt die Pflicht, zurück zum Erfolg zu finden. Bei diesen Rahmenbedingungen mit den meisten Zuschauern, mit einem der größten Etats in der Liga. „Wir sind mehr unter Druck, es wird ein wichtiger Sommer mit viel Arbeit“, so der Manager. Mit dem Ausscheiden im Pre-Play-off in Nürnberg hat sie begonnen, nach den Gesprächen untereinander sprechen Ustorf, Krupp und Lee in den nächsten zehn Tage mit jedem Spieler einzeln. Auftakt ist ein Treffen mit der gesamten Mannschaft an diesem Dienstag. Die zurückliegende Saison wird ausgewertet, auch die Erwartungen an die nächste Spielzeit werden ein wichtiges Thema sein.

Interessant wird, wen das nicht mehr kümmern muss. Das Wort vom Umbruch macht jetzt viel die Runde im Zusammenhang mit dem EHC. Lee gefällt es nur bedingt. „Ein Umbruch wären für mich zehn neue Spieler“, sagt er. Mehr als die Hälfte, also fünf, sind aber kaum realistisch. So ganz erfüllt sich die Prophezeiung von Lee bei Krupps Verpflichtung im Dezember damit wohl nicht. Wenn Krupp mit der Mannschaft ebenso wie Vorgänger Jeff Tomlinson keinen Erfolg habe, wisse man, woran das liege, sagte der Manager und stellte umfassende Korrekturen in Aussicht.

Vier bis fünf neue Spieler sind zu erwarten

Aber alle deutschen Spieler haben laufende Verträge. „Da sind wir ziemlich okay“, sagt Lee. Bleibt nur Spielraum bei den Ausländern, neun haben die Berliner, mehr dürfen nicht pro Spiel eingesetzt werden. Mark Bell und Barry Tallackson haben ebenfalls laufende Verträge, Petri Vehanen wird verlängern, Julian Talbot wohl auch. Alex Trivellato spielt nächste Saison mit deutschem Pass weiter beim EHC. Fraglich ist die Situation noch bei Antti Miettinen. Matt Foy, Jim Sharrow und Casey Borer müssen gehen. Macht also vier oder fünf Ausländer, die neu in den Kader rücken. Auch etwaige Vertragsauflösungen mit Spielern würden diskutiert, so Lee, doch sehr wahrscheinlich ist das nicht.

Mag sein, dass das reicht. Krupp sagt über das aktuelle Team: „Das sind individuell gute Spieler, es geht aber auch ums Kollektiv. In den letzten zwei Jahren war die Mischung nicht so, dass man oben mitspielen konnte.“ Mit richtigen Volltreffern auf dem Transfermarkt ließe sich demnach auch mit nur fünf Wechseln einiges bewirken. Lee glaubt daran, auch wegen Krupp und Ustorf, dessen Einjahresvertrag ebenfalls verlängert wird. „Mit den beiden habe ich gute Leute. Das macht die Arbeit einfacher“, erzählt Lee. Er erwartet, dass Krupp frische Gedanken in den Klub bringt, weil er von außen kommt. Damit fungiert er ein wenig als Motor für die angestrebte Veränderung. Die ersten Gespräche jedenfalls haben Lee viel Spaß gemacht.

Klar ist, wonach die Eisbären suchen. „Wir brauchen mehr Erfahrung“, sagt Lee. Vor allem in der Abwehr mussten Krupp und vorher Tomlinson wegen Verletzungen zu lange mit zu vielen Nachwuchsspielern agieren. Mit älteren Zugängen ist also zu rechnen. „Wir müssen die richtigen Spieler finden und werden uns alle daran beteiligen, dass wir Spieler unter Beobachtung nehmen. Da wird mehr passieren“, sagt Krupp, der im Sommer in Berlin bleibt, um sich viel mit den jungen Spielern zu beschäftigen. Die sollen herangeführt werden. Aber: „Ausbildung und Tabelle müssen besser passen“, so Lee. Junge Spieler werden es schwerer haben, in den Kader zu rücken. Zumindest, wenn die Verletzungsmisere der Berliner nicht in gleichem Maße weitergeht.

Persönliche Befindlichkeiten zurückstellen

Bleiben immer noch die Probleme innerhalb des Teams, die sich auch mit Spielerwechseln nicht erledigen. In dieser Saison häuften sich persönliche Befindlichkeiten, die einige Profis davon abhielten, ihre Leistung zu bringen. Die genauso dazu führten, dass die Chemie im Team gereizt ist. Einige dieser Spieler stehen nicht zur Disposition bei den Eisbären, Lösungen müssen also auf anderen Wegen gefunden werden.

Bei allem, was die Berliner unternehmen, ist ihnen klar, dass sie sich der Lächerlichkeit preis gäben, verpassten sie auch ein drittes Mal hintereinander das Viertelfinale in der DEL.

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