Kommentar

Die vergangenen Erfolge haben die Eisbären träge gemacht

Wollen die Eisbären zur Liga-Spitze aufschließen, müssen mehr Dinge verändert werden als in den vergangenen Jahren. Das zweite Pre-Play-off-Aus in Serie hat dies verdeutlicht, meint Marcel Stein.

Das Pre-Play-off ist eine Chance. Nicht unbedingt eine, um noch Meister zu werden. Für die meisten eher eine, um eine verkorkste Saison noch ein bisschen zu retten. Zum zweiten Mal in Folge haben die Eisbären selbst das nicht geschafft. Das schreit nach Konsequenzen. Bislang scheuten sich die Berliner nach den Meisterjahren, die 2013 endeten, große Schnitte zu machen. In Nibelungentreue hielt das Management an Spielern fest, die ihren Leistungszenit ganz offenbar überschritten haben. Erklärt wurde das immer mit deren Verdiensten.

Diese sentimentale, im knallharten Verdrängungsgeschäft des Sports etwas sonderbar anmutende Einstellung führte die Eisbären genau dorthin, wo sie jetzt sind: im Mittelmaß. Dieses Problembewusstsein setzte sich schon beim vorherigen Trainer Jeff Tomlinson durch, nur konnte er sich damit nicht auf höherer Ebene durchsetzen. Manager Peter John Lee ist ein Freund des weichen Kurses, harte Entscheidungen liegen ihm nicht. Von seiner seit Jahren erprobten Linie wollte er nicht abweichen.

Bei den Profis weiß man um diese Schwäche, das hat viele bequem gemacht, sofern nicht ohnehin ihre besten Jahren hinter ihnen liegen. Zusammengenommen ergibt das einen trägen Klub, der genau das aber nicht wahrhaben will. Im Geiste der Vergangenheit verklärt der Verein seine Gegenwart. Sieht sich im Zentrum des deutschen Eishockeys, wurde aber in seiner Erfolgslethargie mehr und mehr an den Rand geschoben.

Viel hängt jetzt vom neuen Trainer ab. Es hieß, man wisse, woran es liegt, wenn es auch mit Uwe Krupp nichts wird. Dann seien die Spieler schuld. Das bedeutet, dass dort mehr unternommen werden muss, als nur auslaufende Verträge neu zu vergeben. Allein damit würden die Probleme kaum gelöst. Jetzt muss sich zeigen, wie ernst es die Klubführung meinte bei Krupps Verpflichtung und wie stark dessen Position ist. Ob er darauf einwirken kann, dass auch laufende Verträge von Spielern in Frage gestellt werden, um neu anzufangen. Das wird darüber entscheiden, ob die Berliner nächste Saison wieder oben mitspielen oder sich im Mittelmaß einrichten.