Eisbären Berlin

Eisbären-Trainer Krupp lernt sein Team beim Ausscheiden neu kennen

Trotz Aufholjagd verlieren die Eisbären in Nürnberg und scheitern erneut im Pre-Play-off. Nach der großen Enttäuschung für den Rekordmeister der DEL sollen nun ein paar Fragen gestellt werden.

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Die Eisarena in Nürnberg hat vielen Stadien im Lande etwas voraus. Sie liegt direkt neben einem Gewässer. Dutzendteich heißt es und ist größer, als der Name suggeriert. In Verbindung mit dem frühlingshaft-sonnigen Wetter, das der Sonntag brachte, konnte das die Gedanken schon in eine andere Richtung lenken. Ein Fan des EHC Eisbären beließ es derweil nicht nur beim Kopfkino, er stieg in den See und planschte ausgiebig. Gegen Mittag trug sich dies zu, und es gab schon die Richtung vor für das, was sich später ereignete. Die Berliner, diesmal die Mannschaft, nahmen Abschied von der Eishockey-Saison, sie können sich nun allerlei Sommervergnügungen widmen.

Richtig gut kam das bei den Profis nicht an. Stürmer Marcel Noebels stand vor der Kabine und schaute desillusioniert zu Boden. Es fiel ihm schwer, Worte zu finden. „Aus so einer Saison soll man lernen, so sehen wir aus wie die Deppen“, murmelte er. 2:3 (0:0, 0:2, 2:0, 0:1) nach Verlängerung hatten sie im dritten Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers verloren und schieden im Kampf um den Einzug in das Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach der zweiten Niederlage aus. Zum dritten Mal versuchten die Berliner sich seit der Einführung des Pre-Play-off 2007 an diesem Umweg, zum dritten Mal führte er nicht ans Ziel. Wie schon im Vorjahr endete die Saison für den Rekordmeister der DEL, der von 2011 bis 2013 noch drei Titel in Folge gefeiert hatte, mit einer heftigen Bruchlandung.

Zu großen Hoffnungen, dass dem Klub dies erspart bleiben würde, lud schon die Hauptrunde nicht ein. Als Neunter von 14 Mannschaften gingen die Eisbären aus ihr hervor, schnitten damit einen Rang schlechter ab als vergangene Saison. Selbst der Trainerwechsel zu Uwe Krupp vermochte den Niedergang nicht aufzuhalten.

EHC zu oft in Unterzahl

Wenigstens verschwanden die Berliner mit Anstand von der Bühne. „Der Kampf war auf jeden Fall da“, sagte Frank Hördler, der tags zuvor bei der DEL-Gala in Mannheim zum besten Verteidiger der Liga gewählt worden war. „Mit der Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, kann man keinem einen Vorwurf machen. Wenn man so viel investiert in ein Spiel, ist es immer ein bisschen traurig“, erzählte der Trainer, dessen Team den Gegner am Rande einer Niederlage hatte, trotz eines 0:2 Rückstands.

Ein wenig überraschte das wohl auch Krupp. Seit Mitte Dezember ist er der Übungsleiter. Aber erst jetzt zeigten ihm die Profis ihr anderes Gesicht. „Ich habe viel gelernt über die Mannschaft. In den letzten zwei Spielen habe ich gesehen, dass sie auch einen anderen Gang hat. Wenn sie den früher einlegt, hast du mit dem Pre-Play-off nichts zu tun“, sagte Krupp. Selten erreichten die Berliner in der Hauptrunde ihre Leistungsgrenze. Bei der Begegnung im Wellblechpalast am Freitag (6:3) hatte sie es getan.

Das verlieh so viel Auftrieb, dass auch in Nürnberg alles abgerufen werden konnte. Eigentlich genug, um gegen Nürnbergs große Heimstärke mit zuletzt zehn Siegen in Folge anzukommen. Ebenso genug, um die Berliner Auswärtsschwäche mit jüngst sieben Niederlagen hintereinander zu überwinden. Wie noch nie in dieser Saison bäumten sich die Berliner nach den Treffern von Yasin Ehliz (32.) und Steven Reinprecht (37.) zum 2:0 für die Franken auf. Sie änderten die Richtung der Partie. Julian Talbot leitete die Aufholjagd ein (42.). Casey Borer erzielte in Überzahl den Ausgleich (52.).

Entscheidung in der Verlängerung

Auch zu Beginn der Verlängerung spielten die Berliner zwingender. Doch Strafzeiten verhinderten den möglichen Sieg, denn nach einer überstanden doppelten Unterzahl nutzte Jason Jaspers ein einfaches Powerplay zum Treffer (73.), der die Nürnberger ins Viertelfinale brachte, wo sie nun Mannheim gegenüberstehen. „In Overtime in Unterzahl zu verlieren, ist bitter“, sagte Hördler mit leerem Blick.

Andererseits übertüncht ein glückliches Weiterkommen nun nicht die Probleme des Klubs. „Man muss schon ein paar Fragen stellen“, sagte Krupp und wandte sich noch in der Nürnberger Arena der Zukunft zu: „Die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt heute Abend. Wir werden alles aufarbeiten jetzt und schauen, wo wir ansetzen müssen.“ Nach dem ganz großem Sommervergnügen klingt das dann doch nicht, eher nach einer Menge Arbeit.