Eishockey

Eisbären wahren Chance auf Viertelfinale

Der EHC Eisbären Berlin hat gegen die Nürnberg Ice Tigers gewonnen und sich die Chance um Viertelfinal-Einzug um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gewahrt.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Wie eine Zeitreise fühlte es sich an. Zurück aus der Zukunft, zurück aus der modernen Welt, aus der O2 World, hinein in die Vergangenheit. Die hieß für den EHC Eisbären in diesem Fall Wellblechpalast. Dort spielten sie früher, und jetzt auch wieder, weil die große Halle belegt war. Jetzt musste nur noch geklärt werden, in welche Vergangenheit es die Berliner trieb. Diejenige aus den frühen Jahren der Bundesliga, als sie mehr verloren als gewannen. Oder die Zeit in der Mitte der 2000er, als sie sich aufmachten, in Hohenschönhausen den Grundstein für den Siegeszug zum Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu legen.

Die ersten Eindrücke kamen ein bisschen durchwachsen daher, die Musikanlage im Welli hatte in der siebenjährigen Abwesenheit der Berliner wohl etwas Staub angesetzt, der Eisbären-Song klang dumpf und war leise. Spätestens aber mit dem ersten Bully legten die Fans los wie früher, sie hatten sich wohl vorgenommen, so laut zu sein wie noch nie. Und die Mannschaft zeigte von der ersten Sekunde an, dass es eine Reise zurück in die jüngere, erfolgreiche Vergangenheit werden sollte. Mit 6:3 (3:1, 2:0, 1:2) schlugen die Berliner im zweiten Spiel des Pre-Play-off die Nürnberg Ice Tigers. Damit kommt es am Sonntag bei den Franken zur dritten und entscheidenden Partie um den Einzug in das Viertelfinale (14.30 Uhr, ServusTV).

Viele murrten, als klar war, dass die Eisbären umziehen würden. Gut 10.000 Leute weniger passen in den Wellblechpalast, gerade so konnten alle Dauerkartenbesitzer in der 4695 Besucher fassenden Halle untergebracht werden. Für 500 Fans stellte der Klub noch ein Zelt neben dem Welli auf. Dort dürfte die Atmosphäre aus der Halle noch sehr gut angekommen sein. Wer drin war, vermisste die O2 World nicht. Wer drin war, der hatte einfach nur Spaß. Die Fans erlebten mal wieder Eishockey wie damals. Ganz eng nebeneinander, überwiegend im Stehen. Alles ließ sich viel besser spüren, hautnah. „Endlich wieder Eishockey“, riefen sie. Dies aber wohl mehr wegen der Leistung der Eisbären.

Miettinen bricht den Bann

Viele Profis der Berliner kennen diese Atmosphäre im Welli gar nicht, die Mannschaft trainiert zwar immer noch dort, aber das letzte DEL-Spiel fand 2008 statt. Seitdem hat sich das Team stark verändert. Doch die Profis ließen sich von der Stimmung anstecken, antreiben. Ein guter Teil ihrer enormen körperlichen Präsenz rührte aber auch daher, dass diese in Nürnberg beim ersten Spiel der „Best of three“-Serie komplett gefehlte hatte. Weshalb die Berliner mit 2:6 eine derbe Pleite kassierten. Noch so einen Auftritt konnte sich die Mannschaft nicht leisten. Es sei denn, sie hätte schon ihren Urlaub geplant.

Dem war aber wohl nicht so. Mit großer Aggressivität gingen die Berliner ins Spiel. Anders als zwei Tage zuvor suchten sie die Zweikämpfe und wollten diese unbedingt gewinnen. Keine zwei Minuten dauerte es, bis sich Antti Miettinen so einen Platz auf der Strafbank erarbeitete. Somit ging der Plan der Eisbären erst einmal nach hinten los, zumal Leonhard Pföderl das erste Überzahlspiel der Gäste zur Führung nutzte (4.). Beim Jubel der Nürnberger holte sich EHC-Stürmer Marcel Noebels gleich die nächste Strafzeit ab.

Berliner spielen mit vier Mann nach vorn

Statt den Kopf hängenzulassen, spielten die Berliner auch mit vier Mann nach vorn. Alles, was in Nürnberg vermisst wurde, packten sie in dieses Spiel. Leidenschaft, Durchsetzungsvermögen, verdammt viel Biss. Mit dieser Einstellung erzielte Miettinen in Unterzahl umgehend den Ausgleich (5.).

Alles Schlechte, was die Berliner in Nürnberg zeigten, konnten sie zwar auch im Welli nicht kaschieren. Ein paar Mal war vor dem eigenen Tor plötzlich wieder viel Platz, und wieder war Pföderl da. Der hatte in der ersten Partie drei Treffer erzielt, drei wären auch jetzt im ersten Drittel möglich gewesen. Doch zum einen präsentierte sich EHC-Goalie Petri Vehanen diesmal sehr sicher. Zum anderen wirkten die Gäste beeindruckt - von der Kulisse, von den verwandelten Eisbären. Vor dem Tor jedenfalls agierten sie nicht mehr so ruhig und abgezockt wie daheim. Dafür liefen die Berliner wie aufgedreht über das Eis, sogar Verteidiger Henry Haase trieb es weit nach vorn. Er brachte den EHC in Führung (9.). Julian Talbot schoss in Überzahl das 3:1 (16.).

Einen Anlass, an der Spielweise etwas zu ändern, sahen die Berliner trotz der klaren Verhältnisse nicht. Sie behielten ihr Feuer im Spiel, bei den Nürnbergern steigerte sich der Frust. Denn Noebels in Überzahl (24.) und erneut Miettinen (28.) erhöhten auf 5:1. Wie die Berliner in Spiel eins wechselten auch die Nürnberger nun bei diesem Stand den Torhüter aus.

Es war ein Aspekt mehr, der diese Begegnung, in der Petr Pohl noch das 6:1 erzielte (52.) und die schließlich mit 6:3 endete, der ersten sehr ähnlich machte. Nur eben mit anderen Vorzeichen, mit der Heimmannschaft, diesmal den Eisbären, als dem absolut dominierenden Team.