EHC Eisbären

Einmal zusammenrücken im Welli, liebe Eisbärenfamilie!

Zehn Jahre nach dem ersten DEL-Titel ziehen die Eisbären für ein Spiel wieder nach Hohenschönhausen. Dort entscheidet sich dann, ob die Saison weitergeht oder wie schon im Vorjahr enttäuschend endet.

Foto: Bernd Settnik / PA/dpa/dpaweb

Natürlich stand das Eishockey immer im Vordergrund, im Wellblechpalast gehörte aber auch die Identität dazu. Die kleine, alte Eishalle im Sportforum Hohenschönhausen, die ihren Namen ihrer Überdachung verdankt, war schon mehr als nur eine kleine, alte Eishalle. Dort wurde Zusammenhalt gelebt, auf den Rängen wie auf dem Eis. Dort schufen sich die Fans des EHC Eisbären ihre kleine Nische des tiefen Ostens, ihre Trutzburg gegen den Westen, der nicht allen nur Gutes brachte. Dort rückten sie zusammen, vereint im Gefühl, der bösen Welt da draußen drinnen in der Halle mit ihrem Team ein Schnippchen zu schlagen.

So waren die alten Zeiten im Wellblechpalast, am liebsten von allen Welli genannt. Und für einen Moment kann es vielleicht noch einmal so werden wie damals. Weil die große, moderne O2 World belegt ist, ziehen die Eisbären für das zweite Spiel der „Best of three“-Serie des Pre-Play-offs am Freitag gegen die Nürnberg Ice Tigers zurück nach Hohenschönhausen (19.30 Uhr, ServusTV). Die Berliner müssen wieder zusammenrücken. Die Fans wegen des geringen Platzes in der Halle, die Mannschaft nach dem 2:6 im ersten Spiel. Vereint müssen sich alle gemeinsam wehren gegen das Saisonaus. Vielleicht kann das Ambiente, die Atmosphäre des Wellblechpalastes ein kleines bisschen dabei helfen.

Im April 2008 spielten die Berliner zuletzt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Wellblechpalast. Eine dramatische Partie war das, Spiel drei im Finale gegen Köln, Tore im Sekundentakt kurz vor dem Ende, die Eisbären gewannen 4:3 und zwei Tage später in Köln den dritten Meistertitel. Ein unglaublicher Abschied aus Hohenschönhausen. „Alle sollten es genießen, noch einmal dort zu spielen“, sagt Sven Felski, damals Stürmer und Klublegende noch heute. Vor zehn Jahren war er dabei, als die Berliner ihre erste von sieben Meisterschaften in der DEL gewannen. Auch wegen des Jubiläums hat die Rückkehr jetzt etwas Besonderes. Felski erlebte damals einen seiner emotionalsten Momente als Sportler. „Weil wir solange drauf gewartet haben“, erzählt er.

Gegen Nürnberg ist es höchste Zeit, sich zu finden

Seinerzeit war alles etwas anders als jetzt. „Wir hatten eine begeisternde Truppe mit absolutem Willen, Leidenschaft und Biss“, sagt Felski. Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter, gehörte 2005 auch dazu. „Unsere Kabine war unerschütterbar, egal, was passiert ist“, erinnert sich der ehemalige Stürmer. Vier Profis von einst stehen heute noch in der Mannschaft, der verletzte Florian Busch, die Verteidiger Jens Baxmann und Frank Hördler sowie Stürmer André Rankel. „Was mir als Erstes einfällt, ist die unglaubliche Entschlossenheit von jedem. Es stand nie außer Frage, dass wir unbedingt diese Meisterschaft gewinnen wollen“, so Rankel über das damalige Team, in dem alles passte. Ustorf: „Es gab einfach keine bessere Mannschaft als uns.“

Junge Spieler wie Rankel wurden in diesem Team vom etwas seltsamen Trainer Pierre Page herangeführt an die DEL, um später die Rollen der Führungsspieler zu übernehmen. Jetzt ist er Kapitän, doch seine Aufgabe gestaltet sich viel schwieriger als die seiner Vorgänger. Charaktere wie die von Steve Walker, Mark Beaufait oder Denis Pederson finden sich nicht immer so leicht. „Die haben sich ihr Selbstvertrauen nicht über Scorerpunkte geholt“, sagt Peter John Lee, damals wie heute der Manager. Die jetzige Mannschaft ist viel abhängiger von solchen Dingen, sie ruht nicht in sich selbst.

Mit den Fans ganz nah am Spiel bewirkt der Umzug in die kleine, alte Halle – neben der sogar noch ein Zelt für das Public Viewing aufgebaut wird – möglicherweise etwas, gibt Sicherheit, treibt nach vorn. „Die Halle war immer ein Hexenkessel, jetzt muss sie wieder brennen“, sagt Sven Felski. Rankel erzählt: „Wir müssen wieder dahin zurückfinden, dass wir uns selbst vertrauen. Ich glaube, die Zeit jetzt gerade ist richtig gut dafür.“ Es ist höchste Zeit.