Eishockey

Hinten keimt die Hoffnung bei den Eisbären

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Marcel Stein

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Verteidiger Frank Hördler spielt stark wie nie und soll die Eisbären auf die direkten Play-off-Plätze führen. Die Partie gegen Augsburg läutet am Freitag den Endspurt für die Hauptrunde ein.

Er kneift die Augen zusammen, schiebt das Kinn ein bisschen vor. Frank Hördler ist im Zweifelmodus. Die Situation beim EHC Eisbären stellt sich gerade so dar, dass eine Menge drin ist: direkte Play-off-Qualifikation, Pre-Play-off, gar kein Play-off. Das wollte man bei den Berlinern so nicht haben, aber nun hat es sich so ergeben – und die letzten sieben Spiele der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) werden enorm wichtig.

Los geht es mit den Augsburger Panthern am Freitag (19.30 Uhr, O2 World). „Um dieses Spiel mache ich mir wenig Sorgen“, sagt Verteidiger Hördler. Die Länderspielpause fühlte sich gerade gut an, die Verletzten sind fast alle zurück, das Training lief blendend. Hördler denkt schon weiter. „Wichtig ist, dass wir dann das Level halten. Und immer noch eine Schippe drauflegen“, sagt der 30-Jährige. Als eine Spezialität seiner Mannschaft erwies sich das nicht in den vergangenen Monaten. Darin liegt der skeptische Blick des Abwehrspielers begründet.

Wenn alle so wie er wären, kämen solche Gedanken gar nicht. Hördler legt immer drauf. In dieser Saison traf er elf Mal, so oft wie noch nie in seiner Karriere. Kein Verteidiger in der DEL erzielte mehr Tore. Auch bei den Vorlagen legt Hördler mit 20 einen neuen Laufbahn-Bestwert hin. „Mir ist auch schon aufgefallen, dass ich mehr treffe“, sagt er. Aber das allein macht ihn nicht aus. Hördler hat sich zur dominantesten Figur im Berliner Team aufgeschwungen, ist zu einem Mann für alle Fälle geworden. Einer wie er kann es sogar schaffen, seine Mannschaft noch unter die besten Sechs zu führen und damit direkt in das Viertelfinale.

Ein ganz schöner Unterschied zu früher. Da war Hördler der stille, unscheinbare Defensivverteidiger, der kaum aus dem eigenen Drittel herauskam und die offensiven Kollegen absichern musste. Heute vergeht kein Spiel, ohne dass er aufgefallen wäre. „Man wächst da rein. Das ist ein relativ langer Prozess“, sagt er. Gefühlt fast zu lang bei ihm, denn schon früh zeichnete sich sein umfassendes Talent ab. Er kann hervorragend schießen, toll passen, ist läuferisch stark, hat ein gutes Auge für das Spiel, kann sich körperlich bestens durchsetzen. Zu sehen waren davon im Spiel immer nur wenige Aspekte. Es lag an seiner Rolle.

Freiräume genutzt

Erst seit gut drei Jahren fallen die Beschränkungen. Die namhaften ausländischen Verteidiger von einst waren nicht mehr da, Hördler wurde reifer: „Ich konnte ab da mehr spielen, wie ich das fühle.“ Er bekam Freiräume und gestaltete diese. Zum einen verlagerte er sein Spiel mehr und mehr nach vorn, zum anderen rutschte er in die Position, seine Kollegen anzuführen mit seinem bedingungslosen Einsatz. Mittlerweile ist er überall auf dem Eis zu finden, mischt sich immer ins Spiel ein, übernimmt Verantwortung, gerne auch mit einem krachenden Check – und erzielt oft mit atemberaubenden Schlagschüssen seine Tore. Hördler zeigt allen, wo es langgeht.

Überbewerten will er gerade die Treffer aber auch nicht. Früher spielte er kaum Überzahl, jetzt tut er das oft. Da ergibt sich automatisch eine bessere Quote. Stattdessen vergisst er die andere Seite nicht. „Man muss auch das Gegenstück sehen, die Defensive, um die man sich kümmern muss“, sagt er. Er fühlt sich verantwortlich für zu viele Gegentore, ihm gefällt die Balance in seinem Spiel nicht ganz.

Darüber tauschten sich Trainer Uwe Krupp und der Sportliche Leiter Stefan Ustorf gerade erst aus. Hördler nutzt seine Anlagen schon in einer Weise, wie er das bisher nie tat. „Aber er muss ein noch kompletterer Spieler werden“, erzählt Ustorf, der jetzt mit Krupp daran arbeitet, noch mehr Harmonie in das Verhältnis von Hördlers Talenten zu bringen. Stefan Ustorf sagt: „Ich bin sicher, dass seine besten Jahre noch vor ihm liegen.“

Hartes Restprogramm

Im Augenblick helfen solche Gedanken nicht weiter. Die Eisbären sind Siebter, vier Punkte beträgt der Rückstand auf den sechsten Platz für die direkte Play-off-Qualifikation. Der angestrebte vierte Rang ist schon außer Reichweite. Hördler hofft, dass die Qualität, die zuletzt im Training herrschte, beibehalten werden kann. Alle waren aufmerksam, enorm engagiert. Womöglich hilft das Restprogramm, vier der sieben Partien sind gegen Kontrahenten, die vor den Eisbären liegen. „Das ist gar nicht mal schlecht, weil es um viel geht“, sagt Frank Hördler. Er kneift die Augen zusammen, schiebt das Kinn vor: „Mit diesem Programm lässt etwas aufbauen für das Play-off.“