Eisbären Berlin

Der Krupp-Effekt ist bei den Eisbären erst einmal verpufft

Vieles erinnert bei den Berlinern im Moment an die Zeit unter Vorgänger Jeff Tomlinson – die Ergebnisse, die Rhetorik. Einiges spricht inzwischen dafür, dass die zweite Option bald greifen wird.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Am späten Sonntagabend wartete noch ein Fernsehtermin auf Uwe Krupp. Vermutlich wäre er aus Wolfsburg lieber direkt nach Hause gefahren, er sah müde aus, aber auch bedient, schließlich hatte der EHC Eisbären bei den Niedersachsen (2:4) wenige Stunden zuvor zum vierten Mal in Folge verloren. Doch der Termin war halt ausgemacht, es ging vor allem um die große Karriere des Trainers und um die Wirkung, die er nun in Berlin entfalten soll.

Nun ja, von diesem Krupp-Effekt ist erst einmal wenig übrig geblieben. Vier Niederlagen hintereinander sind der höchste Negativwert der Saison. Der gute Start mit ihm ist nur noch eine Erinnerung, in 17 Partien gab es neun Siege und acht Niederlagen. „Im Moment ist es nicht so, wie wir uns das wünschen“, sagt Krupp. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Platz sechs, der die sichere Viertelfinal-Qualifikation in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bedeutet. Doch der Trainer zeigt sich zuversichtlich: „Ich glaube nach wie vor, dass wir eine gute Mannschaft haben.“

Genau diese Sätze konnte man auch vor Krupps Amtsantritt bei den Eisbären hören. Gesagt hat sie Jeff Tomlinson, sein Vorgänger. Offenbar hat sich also weniger verändert, als erwartet worden war vom Klub. „Die Euphorie ist vielleicht ein bisschen verflogen“, sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter. Anfangs gewannen die Berliner mit Krupp, Spieler und Umfeld reagierten begeistert. Jetzt arbeitet die Mannschaft nicht mehr so gut in den Zweikämpfen, wirkt unentschlossen, wenn es drauf ankommt. Sie muss auch wie unter Tomlinson wieder mit vielen Verletzten leben – und kann das kaum wegstecken.

Lee spricht von einer „kleinen Krise“

Vielleicht hat Krupp ja Glück, jetzt ist Länderspielpause in der DEL, womöglich können ein paar Spieler zurückkehren. Mit vollem Kader, das haben sie gezeigt, können die Berliner gefährlich sein. Deshalb mag Ustorf auch nicht zu negativ werden. „Dafür habe ich zu viel gutes Eishockey gesehen von unserer Mannschaft“, sagt er. Das taktische Verhalten habe sich verbessert unter Krupp, man müsse das nur wieder zeigen.

Ob der neue Trainer nun tatsächlich mehr ausrichten kann als der alte, der in 28 Spielen auf 15 Siege und 13 Niederlagen kam, scheint derzeit eine interessante Frage zu sein bei den Eisbären. In den Ergebnissen stecken es dafür keine Beweise mehr. Immerhin gefällt der Führungsetage die Ansprache Krupps an das Team. „Ich finde es gut, wie er mit der kleinen Krise umgeht“, erzählt Manager Peter John Lee. Die bislang letzte Krise trug sich zur Novemberpause zu, als unter Tomlinson viermal in Serie verloren wurde. Um dessen Verbleib im Job war damals gerätselt worden. Jetzt stellt sich diese Frage nicht. „Der Druck liegt bei den Spielern“, sagt Lee. Einiges deutet darauf hin, dass langsam die zweite Option beim EHC ins Spiel kommt.

Wird es nicht besser, kommt Bewegung in den Kader

Anders als Tomlinson muss Krupp nicht unbedingt liefern. Bei seiner Vorstellung hatten die Berliner betont, dass mit ihm nun die Prüfung erfolgt, wie viel Potenzial wirklich noch im Team steckt. „Ich will herausfinden, was mit der Mannschaft los ist“, sagt Lee auch jetzt. Ihm fällt auf, dass seine Spieler oft zwei, drei Zentimeter hinten dran sind. Holen sie die nicht schnell auf, ist die Konsequenz klar: Es wird nach der Saison eine deutliche Bewegung im Kader geben, dann werden Spieler ausgetauscht.

Uwe Krupp, dessen Vertrag bis 2017 läuft, findet die aktuelle Lage der Eisbären natürlich nicht schön, aber in gewisser Weise auch förderlich, schließlich lerne man sich in schlechten Phasen immer ein wenig besser kennen. Das hat Jeff Tomlinson auch öfter erzählt. Vieles erinnert sieben Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde an die Zeit mit ihm.