Vor allem die kleine Runde brauchte Uwe Krupp diesmal. In der Kabine des EHC Eisbären berief der Trainer am Donnerstag die Verteidiger-Sondersitzung ein. Zum Reden, aber auch zum Schauen. Bilder aus Ingolstadt, wo die Berliner tags zuvor beim Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gleich fünf Gegentore hatten hinnehmen müssen (3:5), spielten dabei keine besondere Rolle. Seit zwei Wochen kümmert sich Krupp etwas mehr um die Defensivabteilung. Weil jetzt endlich die Ruhe dafür da ist.

Vorher war der Spielrhythmus enorm, seit Krupp den Trainerposten beim EHC antrat, konnte er deshalb nur wenig von seinen Ideen einbringen. Erstaunlich eigentlich, dass trotzdem schon etwas passierte in der Abwehr. Der Gegentorschnitt sank, die Verteidiger traten offensiv mehr in Erscheinung. „Wir haben anfangs den Druck nach vorn erhöht und das Spiel damit von unserem Tor weggehalten“, sagt Frank Hördler. Kurzfristig eine praktikable Lösung, aber auf Dauer nicht genug für die Ansprüche des Übungsleiters. Nicht, wenn der selbst Verteidiger war, dazu ein überaus erfolgreicher in der besten Liga der Welt, in der NHL den Stanley Cup gewann.

Da kann Krupp nicht aus seiner Haut. „Ich achte schon auf die Verteidiger und bin da sehr kritisch“, sagt er. Die vielen Gegentore in Ingolstadt gerade jetzt, da die Defensivabteilung besondere Schulungen erhält, lassen sich mit plötzlichem Verletzungspech erklären. Das schmälert die Fortschritte nicht. Aber eines ist auch klar. „In der Abwehr kann man sich immer verbessern“, sagt Krupp. Zumal wenn wie bei den Eisbären gleich drei junge Spieler um die 20 zum Stamm der Verteidigung zählen. „Das ist außergewöhnlich“, so der Trainer. Bei Henry Haase, Alex Trivellato und Jonas Müller gehört Entwicklung dazu, in jedem Spiel.

Aber die erfahrenen Kollegen profitieren ebenso. Krupp setzt jetzt gezielt an, um Defizite zu beheben, die er erkannt hat. Er erteilt Lektionen über das Verhalten in den Ecken, über die richtige Einschätzung von Zweikampfsituationen. „Es sind viele kleine Dinge, die er sagt und tut. Er versteht die Verteidiger, weiß, dass Fehler passieren. Wie er mit allen umgeht, das ist wie bei Donni“, sagt Jim Sharrow. Auch Don Jackson, fünffacher Meistertrainer der Eisbären, war NHL-Verteidiger. Die Gesichter der Nordamerikaner wie Sharrow strahlen, wenn sie über Krupp reden und dessen Gefühl für die Abwehrspieler.

Borer mit dem größten Sprung

Augenscheinlich den größten Sprung unter Krupp hat Casey Borer vollzogen. Vorher ein Unsicherheitsfaktor mit wenig Einsätzen entwickelte er sich zu „einem wichtigen Teil unserer Abwehr“, wie Krupp sagt. Borer erhielt mehr Verantwortung, mehr Eiszeit, durfte ins Über- und Unterzahlspiel zurückkehren. „Ich fühle mich viel wohler jetzt“, sagt der US-Amerikaner, der überrascht war, dass er vorher so wenig gespielt hat und darüber unsicher geworden war.

Borer ist mit seinen Aufgaben gewachsen. „Uwe gibt den Verteidigern Vertrauen“, sagt der 29-Jährige. Krupps eigene Karriere als Abwehrspieler, in der er intensiv gelernt hat, worauf es in dieser Position ankommt, kann sich noch als sehr werthaltig für die Eisbären erweisen. Krupp jedenfalls tut viel dafür, dass sich die Verteidiger steigern. Angesichts der akuten Verletztenmisere im Angriff, die so schnell nicht überwunden sein wird, dürfte die Defensive schon am Freitag gegen Krefeld wieder in den Blickpunkt rücken (19.30 Uhr, O2 World). Die kleine Donnerstags-Runde kann zeigen, was sie in der Sitzung gelernt hat.