Eishockey

Mühevoller Eisbären-Sieg bei Einstand von Trainer Krupp

Die Eisbären Berlin haben ihrem neuen Trainer Uwe Krupp einen erfolgreichen Einstand beschert. Allerdings fiel der 2:0-Sieg am Freitagabend gegen das Schlusslicht Straubing Tigers sehr mühevoll aus.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die erste Anpassung stach gleich ins Auge. Im Videovorspann zum Spiel fehlte Jeff Tomlinson bereits. Die Eröffnungssequenz, die ihn als Trainer des EHC Eisbären bei einem Schlagschuss zeigt, wurde flugs herausgeschnitten. Eine neue zu produzieren, ließ sich in der Kürze der Zeit nicht realisieren. Doch den Fans ging der Name des neuen Mannes an der Bande ohnehin schon gut über die Lippen. Aus vielen Kehlen klang es satt „Krupp“, als Uwe Krupp bei der Vorstellung der Berliner Mannschaft an der Reihe war.

Vergessen immerhin wurde Tomlinson nicht. Drei Tage nach seiner Entlassung hielt die Fankurve ein Plakat hoch. „Machs gut Tommer!“, stand da. Im zweiten Teil des Spruchbandes hieß es: „Willkommen Uwe!!!“ Der führte sich bei seiner Premiere als Cheftrainer des Rekordmeisters der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Straubing Tigers vor 12.660 Zuschauern mit einem mühsam erkämpften 2:0 (1:0, 0:0, 1:0) ein. In der Tabelle rückten die Berliner damit auf den siebten Rang vor.

Schon sechs Entlassungen

Ein bisschen verrückt ist diese Saison in der DEL schon. Da erfolgen Trainerwechsel in einer Frequenz, wie es sie lange nicht gegeben hat. In den beiden vergangenen Jahren musste bis zur Hälfte der Hauptrunde jeweils nur ein Coach seinen Posten räumen.

Jetzt sind es zum gleichen Zeitpunkt schon sechs. In Hamburg, Köln, Schwenningen, Straubing, Augsburg und eben Berlin sehnte sich die Klubführung dringend nach einer Veränderung. Und lag damit nicht mal falsch. Fast überall trat eine leichte Verbesserung im Punktedurchschnitt ein.

Krupp und Larry Mitchell bei Straubing können in dieser Wertung noch nicht berücksichtigt werden. Mitchell stand im Duell mit dem EHC auch erst zum zweiten Mal bei den Niederbayern an der Bande. Vor gut zweieinhalb Monaten erst trafen die beiden Trainer zuletzt aufeinander. Da verantwortete Mitchell noch die Geschicke der Augsburger Panther, Krupp war bei den Kölner Haien der Übungsleiter. Doch das 2:5 in Augsburg wurde zum letzten DEL-Auftritt für Krupp mit den Rheinländern.

Nun also das überraschend schnelle Wiedersehen. Wobei es Krupp sicher besser erwischt hat. Mitchell schloss sich schließlich dem abgeschlagenen Tabellenletzten an. Krupp einem Team, das sich gute Chancen auf die direkte Play-off-Qualifikation ausrechnet.

Dass diese gar nicht so leicht zu erreichen sein wird, könnte Krupp während der Partie aufgegangen sein. Zwar starteten die Eisbären durchaus erwartungsgemäß schwungvoll. Zur Abwechslung gerieten sie anders als bei den drei Siegen zuvor mal nicht in Rückstand.

Frank Hördler traf dafür recht schnell im Überzahlspiel zur Führung (7.). Danach aber hakte es hier und da. Das Powerplay verlief wieder mühselig, das Zusammenspiel war manchmal eher ein Glücksspiel, Fehler passierten zu häufig. Doch Straubing präsentierte sich dem Tabellenstand entsprechend, da machte das alles nichts aus.

Krupp sah sich das relativ ruhig von der Bank aus an. Er sprach vor allem viel mit Stefan Ustorf, dem Sportlichen Leiter, der auch sein Co-Trainer ist. Krupp notierte einiges auf einem Zettel, zeigte ihn Ustorf. Ab und zu gab es ein paar unaufgeregte Worte für einzelne Spieler. Die, das hatte er gesagt, wolle er nicht mehr an Titeln messen, die sie gewonnen haben, sondern mit der Partie gegen Straubing nur noch an der aktuellen Leistung.

Gehofft hatte der frühere Bundestrainer, dass die Profis bei diesem Neustart befreiter aufspielen könnten. Diesen Eindruck machten die EHC-Akteure, die Krupp in ihren gewohnten Reihen beließ, allerdings nicht. Viel sah noch genauso aus wie vorher. Das große offensive Potenzial zeigte sich ebenso wenig wie das Tempo, das die Mannschaft eigentlich auf das Eis bringen kann. Dafür erhöhte im zweiten Abschnitt Straubing plötzlich die Schlagzahl und drängte die Berliner öfter in die Defensive. „Es geht ganz gut rauf und runter“, sagte Verteidiger Jens Baxmann dazu in der zweiten Pause. Eigentlich sollte es gegen den Letzten deutlich mehr in eine Richtung gehen.

Zu unpräzise im Abschluss

Tat es dann auch, im Schlussabschnitt agierten die Berliner wieder konzentrierter. Doch die großen Schlussspurt-Qualitäten, die in den Partien davor in den letzten Dritteln noch die Siege sicherten, blieben nun weitgehend aus. Ihren Angriffen und Schüssen mangelte es allerdings meist an Präzision. Was die Fans dazu veranlasste, sich wie schon zuletzt selbst etwas Ablenkung zu verschaffen. Diesmal sangen sie ein bisschen „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys – zu Ehren von Dieter „Maschine“ Birr. Der Frontmann der Band, von der auch die legendäre Klubhymne ist, war in der Arena bei Krupps Premiere.

Die durfte am Ende nicht als besonders ansehnlich gelten, war aber wenigstens erfolgreich. Zum ersten Mal in dieser Saison gelangen den Eisbären, für die Barry Tallackson in der Schlussminute noch ins verwaiste Straubinger Tor traf, damit vier Siege in Serie. Und am Ende gab es auch wieder die Ehrenrunde der Mannschaft, die am Sonntage wegen Pfiffen von den Fans noch verweigert wurde.