Eisbären

Eine Legende soll den Eisbären wieder Halt geben

Eisbären-Trainer Uwe Krupp schwärmt bei seiner Vorstellung von seinem neuen Arbeitgeber. Die Berliner Führungsriege sieht in dem Kölner den idealen Mann, um wieder auf Kurs zu kommen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Erst mal ging der Chef Kaffee holen. Eine Tasse für sich, die andere stellte Peter John Lee vor Uwe Krupp hin, der schon auf dem Podium Platz genommen hatte. Der neue Mann soll sich eben gleich wohlfühlen.

Genau das tat er auch auf Anhieb. Krupp gab sich sehr entspannt, gut gelaunt. „Ich habe eine Riesenvorfreude auf den Job in Berlin“, erzählte der neue Trainer des EHC Eisbären bei seiner Vorstellung am Mittwochnachmittag. Manche seiner Ausführungen hörten sich fast wie Schwärmereien an. „Die Eishockeykompetenz um das Team herum ist außergewöhnlich“, sagte er und spielte damit auf seinen Chef, Manager Lee, und Stefan Ustorf, den Sportlichen Leiter, an. Krupp sagte auch: „Was mich am meisten reizt, ist die Art und Weise, wie Peter hier Eishockey aufgebaut hat, weiterzuführen.“ Es klang fast so, als hätte sich für Krupp schon lange gehegter Wunsch erfüllt.

Nun, die Berliner gehören mit ihren sieben Meistertiteln in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sicher zu den besten Adressen dieses Sports. Doch aktuell suchen die Eisbären nach Halt, daher sind sie gerade noch glücklicher darüber, dass Krupp bei ihnen gelandet ist, als dieser selbst. Mit Jeff Tomlinson als Trainer kam der Klub eineinhalb Jahre lang von seinem Siegespfad ab, seit Dienstag gehört nun Krupp die Bühne, er ist der neue Cheftrainer.

Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte die Kontaktaufnahme mit seinem Vorgänger. „Ich habe mit Jeff telefoniert und großen Respekt vor seiner Arbeit“, sagte er. Am Ende des Gesprächs war auch klar, dass Krupp mit Marian Bazany als Assistent weitermacht. Er vertraue dem Urteil von Tomlinson, der diesen als guten Mann empfohlen habe. Ansonsten: „So ist das Geschäft“, gab er Tomlinson noch mit auf den Weg.

Als Haie-Trainer viel die Eisbären analysiert

Ende Oktober hatte es Krupp in Köln selbst erwischt. Erst am Dienstag einigte er sich dort auf eine Vertragsauflösung, kurz darauf unterschrieb er in Berlin. Er kommt mit Familie, voll und ganz wolle er sich jetzt den Eisbären widmen. Vor der genauen Bestandsaufnahme, die mit ersten Training am Donnerstag beginnt, informierte sich Krupp etwas näher zum Klub. „In den letzten Tagen habe ich mich ein bisschen schlau gemacht über die Historie der Eisbären, wo sie herkommen“, sagte er. Ein grobes Bild vom Team hat er ohnehin. „In Köln habe ich keine Mannschaft mehr analysiert als die Eisbären. Sie haben das deutsche Eishockey geprägt, da kann man schon mal näher hinschauen“, so der 49-Jährige. Am Spielsystem habe sich nicht viel verändert, und als neuer Trainer werde er jetzt nicht alles über den Haufen werfen: „Hier wurden viele gute Sachen gemacht.“ Nur zuletzt eben nicht, darum ist er ja jetzt da.

Manager Lee betrachtet es als Glück, dass Krupp zu haben war. „Er hat viel aufgebaut in Köln und auch bei der Nationalmannschaft“, sagte der Manager. Krupp machte Köln vom Kellerkind zum DEL-Finalisten, die Nationalmannschaft vom Absteiger zum WM-Vierten. Vor allem machte der frühere Verteidiger aus sich eine lebende Legende, als er als erster Deutscher den Stanley Cup in der NHL gewann und dabei auch noch das alles entscheidende Meisterschaftstor schoss 1996 für die Colorado Avalanche.

Natürlich wird er auch in Berlin darauf angesprochen. Aber „das lenkt nur ab von dem, was wir als nächstes machen müssen. Respekt als Trainer musst du dir erarbeiten“, so Krupp. Sein Charisma und seine Vita spielen trotzdem eine große Rolle, Krupp ist jemand, der allein mit seiner Anwesenheit den Raum füllt. Vor allem junge Spieler sehen in ihm leicht eine Führungsfigur, weil er große Erfolge als Spieler feierte. Das macht es Krupp einfach, Mannschaften bis zum Äußersten zu motivieren.

Großes Vertrauen in den Neuen

Viele sehen das als Basis seiner Arbeit, ansonsten besteht diese aus harten Übungseinheiten. In Köln wurde ihm zuletzt vorgehalten, dass die Intensität zu großen Verschleiß mit sich bringt. Ustorf selbst war noch als Nationalspieler unter Krupp aktiv. „Uwe ist ein hervorragender Fachmann“, sagte er. Daher seien Schlüsse demnächst leicht zu ziehen. „Wenn es so weitergeht wie bisher, ist es relativ einfach zu sehen, wo unser Problem liegt“, so Ustorf. Dann müsse man im Sommer bei den Spielern stark nachbessern, denn am Trainer könne es nicht liegen.

Das Vertrauen ist also groß in Krupp. „Ich hoffe, dass ich einen Teil dazu beitragen kann, dass Berlin wieder dahinkommt, wo Berlin hin will“, sagte der neue Coach, der dafür bekannt ist, gern mit jungen deutschen Spielern zu arbeiten und für sich hier einen guten Platz sieht: „Berlin hat eine einzigartige Struktur zur Spielerentwicklung.“

Dieses Thema ist aber eher ein perspektivisches. Kurzfristig geht es mehr darum, das Team auf Kurs zu bringen. „Ich glaube, das ist eine gute Mannschaft, die wir haben. Wir müssen schauen, dass wir uns in der Tabelle nach oben arbeiten“, sagt Krupp. Platz vier ist ja nur vier Punkte entfernt, die Ausgangslage also gar nicht schlecht. Die nächsten Gegner stehen dazu alle hinter den Eisbären: Straubing am Freitag (19.30 Uhr, O2 World), Augsburg am Sonntag und Köln am Dienstag. „Mit Köln“, sagt der Kölner, „beschäftige ich mich aber noch nicht.“