EHC Eisbären

Eisbären trennen sich von Trainer Jeff Tomlinson – Krupp als Nachfolger

Nach anderthalb Jahren ist plötzlich Schluss: Die Eisbären und Coach Jeff Tomlinson gehen künftig getrennte Wege. Nachfolger wird der frühere Nationaltrainer Uwe Krupp.

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Es sollte ein bisschen Ruhe einkehren. Montag frei, Dienstag erst am Abend Training. Erholen nach zwei Wochen mit jeweils drei Spielen, ein bisschen Seelenmassage auch nach zuletzt drei Siegen für den EHC Eisbären. Jeff Tomlinson hatte aber schon am frühen Nachmittag einen Termin, zum Gespräch mit Manager Peter John Lee und Stefan Ustorf, dem Sportlichen Leiter. Danach fiel für Tomlinson das Training aus, er wurde beurlaubt. Ihm wurde auch mitgeteilt, dass ab sofort Uwe Krupp den Posten des Cheftrainers der Berliner übernimmt.

Lee stand am Abend bei der Übungseinheit an der Bande, er sah mitgenommen aus. „Es ist nicht schön, jemanden zu entlassen“, sagte er. Zumal Tomlinson schon so lange zur Familie gehört, seit 2000 mit kurzer Unterbrechung in verschiedenen Funktionen im Klub tätig war. Lee hatte vor dem Training zur Mannschaft gesprochen, alle sollten nach vorn schauen, sagte er dem Team. „Schade, dass es so weit kommen musste“, sagte Kapitän André Rankel.

Tomlinson zeigt Verständnis

Nach dem kleinen Aufschwung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hätte zu diesem Zeitpunkt niemand mit diesem Schritt gerechnet. Realistisch genug sind dennoch alle. „Obwohl wir gewonnen haben, haben wir nicht so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben“, so Rankel. Platz acht belegt der Rekordmeister. Nicht genug, das bewertet auch Tomlinson so. „Wir hatten unsere verletzten Spieler zurück, aber es ist nicht wirklich besser geworden“, sagte er der Berliner Morgenpost.

Ganz unvorbereitet traf ihn die Entlassung nicht. „Ich habe es in den vergangenen Wochen gespürt“, erzählte er. In diesem Moment war er trotzdem überrascht: „Ich hätte gedacht, dass wir es jetzt gedreht haben mit den drei Siegen.“ Im Sommer 2013 übernahm der 44-Jährige das Amt, jetzt ist er der erste Trainer seit Januar 2002, der beim EHC vorzeitig von seinen Aufgaben entbunden wurde. Damals traf es Uli Egen.

Leicht hatte es Tomlinson nie. Die drei Meistertitel in Folge, mit denen sich Don Jackson verabschiedete, lagen als schwere Bürde auf ihm. Die Profis wirkten satt, extremes Verletzungspech kam in der ersten Saison hinzu, ebenso zu Beginn dieser Spielzeit. So erreichte Tomlinson nie eine positive Kontinuität. „Jeff hat hart gearbeitet, ihn allein trifft keine Schuld“, sagte Lee. Nach dem Aus im Pre-Play-off im Frühjahr und der erneuten Stagnation setzten nun schon länger Überlegungen ein, wie es weitergehen soll. „Jeff ist ein guter Trainer, aber die Konstellation hat nicht gepasst“, so Ustorf, der vorerst das Training leitet. Ab Donnerstag steht Krupp auf dem Eis.

Vertrag in Berlin bis 2017

Der bisherige Coach kann die Entscheidung nachvollziehen, er zeigt sogar großes Verständnis für Lee und Ustorf. „Ich habe ihnen für die Unterstützung gedankt. Ich bin stolz, dass ich hier Trainer sein durfte. Aber wenn ein Uwe Krupp auf dem Markt ist, muss man sich damit beschäftigen“, sagte Tomlinson. Sein Vertrag lief aus, dies floss in die Entscheidung von Lee ein. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht darüber, welche Änderungen wir vornehmen müssen, damit wir dorthin kommen, wo wir sein wollen“, sagte Lee. Da kamen einige Dinge zusammen, der Umstand etwa, dass Krupp nach seiner Entlassung bei den Kölner Haien vor ein paar Wochen auf dem Markt war. Und dass die Option einer Vertragsverlängerung für Tomlinson offenbar nicht bestand. Daher sollten früh Weichen gestellt werden. „Wir können jetzt mit Uwe sehen, wie viel Potenzial in der Mannschaft steckt und dann im Sommer gezielt daran arbeiten“, erzählte der Manager. Krupp war als Spieler der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger und ein echter Star in der Profiliga NHL.

Man will keine Zeit verlieren. Auch in dieser Saison ist ja noch nichts verloren. Bis zu Platz vier sind es vier Punkte. „Ein neuer Trainer bringt frischen Wind“, sagte Rankel, der innerhalb der Saison so einen Tausch als Profi nie selbst erlebt hat. Er wechselte erst 2003 zum EHC. Inzwischen ist er siebenfacher Meister. Krupp führte die Haie zuletzt zweimal in Folge in das Finale der DEL, unterlag dort 2013 den Berlinern und 2014 Ingolstadt. Dann verlief der Saisonstart schlecht, überraschend musste Krupp in Köln gehen. „Uwe passt zu uns. Vor allem, weil er junge deutsche Spieler entwickeln will“, sagte Lee. Bis 2017 unterschrieb Krupp, der als Bundestrainer das Nationalteam 2010 sensationell auf Platz vier bei der Heim-WM führte. Mittwoch wird der 49-Jährige vom Klub vorgestellt.

Für Jeff Tomlinson blieb am Dienstag keine Zeit, sich vom Team zu verabschieden. „Ich wollte in dieser Situation auch nicht alles durcheinander bringen“, sagte er. Nachholen würde er den Abschied dennoch gern.