Ein bisschen irritiert sah er noch aus. Ganz ernst verharrten die Gesichtszüge, so dass man ohne den Ton der Stimme von Darin Olver auch davon überzeugt hätte sein können, dass er gerade erklären muss, warum es wieder nicht zu einer kleinen Serie gereicht hat. Äußerlich deutete bei dem Stürmer nichts auf den harten Kampf hin, der hinter ihm und dem EHC Eisbären lag, nichts auf den glücklichen Sieg nach einem furiosen Schlussspurt. Auch nichts auf den so wichtigen Treffer, mit dem er selbst sein Team in die Verlängerung schoss gegen die Hamburg Freezers (4:3 n.P.).

Olver wirkte, als hätte er das alles noch gar nicht verarbeitet, als er so in den Katakomben der O2 World stand. Gut, Treffer sind jetzt nichts, was groß zu verarbeiten wäre. Normalerweise jedenfalls nicht. Schon gar nicht von Olver, der als Torjäger und -vorbereiter bezahlt wird, sehr gut bezahlt wird. Doch dieser Olver mochte es irgendwie nicht wahrhaben, dass ihm das Tor gelang, das den Sieg erst ermöglichte.

Es liegt ja auch schon länger zurück, dass der 29-Jährige so unmittelbar mit Erfolg in Zusammenhang stand. „Ich weiß gar nicht, ob sich das als Erleichterung beschreiben lässt“, sagt er zunächst, offenbar leicht verstört darüber, was ihm bislang widerfahren ist in dieser Saison. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erzählt der Deutsch-Kanadier. 20 Spiele lang musste Olver auf dieses Tor warten, das erst sein drittes der Saison war. Es fühlte sich letztlich dann doch so an: „Das ist eine ganz große Erleichterung.“

Zehn Spiele ohne Vorlage

Um das Tor allein geht es gar nicht, lange zehn Partien dauerte es auch, bis Olver – er assistierte beim ersten Treffer von Petr Pohl mit einem schönen Diagonalpass – mal wieder eine Vorlage verbuchen konnte. In seiner Statistik stehen jetzt zehn Beihilfen nach knapp mehr als der Hälfte der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Gruselige Zahlen für einen, der mal Topscorer der Liga war.

Diese Zahlen veränderten zuletzt viel für den 29-Jährigen. Vergangene Woche erst redete Trainer Jeff Tomlinson mit Olver. „Ich habe ihm die Gründe gesagt, warum er jetzt nur noch wenig in Überzahl spielt“, sagt Tomlinson. Er hat ihm noch mehr gesagt, und zwar, dass er nicht immer so kompliziert spielen soll, nicht zu viel allein machen soll, dass er sich ein Beispiel an der Passmaschine des FC Bayern München nehmen soll. Fußballprofi Xabi Alonso spielt unglaublich viele Pässe, auch viele kurze, vor allem aber spielt er sie so, dass sie ankommen. „Bei Olver gingen einfach zu viele Pucks verloren“, so der Trainer. Die Option, sich mit einfachen Pässen etwas mehr Sicherheit zu holen, die zog Darin Olver selten.

Nicht nur der Powerplay-Entzug war die Folge. „Er hat jetzt nur noch gut die Hälfte der Eiszeit, die er sonst hatte“, sagt Tomlinson. Dafür steigt die Qualität. Gegen Nürnberg schon machte der Trainer Fortschritte aus, gegen Hamburg traf Olver zudem den Pfosten. Der Mittelstürmer ist wieder ein bisschen näher dran an dem, was er darstellen will. Sogar den Trainer berührt das: „Ich habe mich selten mehr über ein Tor gefreut in dieser Saison als über seines. Er hat das gebraucht, die Mannschaft, die Fans.“

Tendenz schon in der Vorsaison

Tomlinsons Mitgefühl war nicht immer so ausgeprägt. Olver markierte über Jahre zuverlässig einen Punkt und mehr pro Spiel. Vergangene Saison sank die Quote mit Unterzeichnung eines langfristigen Vertrages jedoch schon deutlich. Olvers Spiel kam arrogant daher, er wollte sich kaum vom Puck trennen, zeigte wenig Verantwortung für das Defensivspiel. Der Mittelstürmer lieferte ein gutes Sinnbild für die Lage seines Klubs – viel wollen, aber wenig schaffen.

Irgendwann immerhin besserte sich das ein wenig. Doch nach ordentlichem Beginn in dieser Saison stagnierte die Offensivleistung des Angreifers erneut. Diesmal aber stellte der Trainer fest: „Er macht sich Sorgen, bemüht sich, er kämpft in der Defensive.“ Olver legte die Allüren langsam ab. „Es ist hart, aus so einer Situation herauszukommen. Viel daran ist eine mentale Sache“, sagt er. Weil vorn nichts mehr klappte, „habe ich versucht, andere Dinge zu machen. Schüsse blocken, gut in Unterzahl spielen. Ich habe versucht, ein guter Teamspieler zu sein“.

Das respektiert der Trainer. Ebenso wie das Bewusstsein des Spielers, nicht das zu leisten, wofür er verpflichtet worden ist. Die Diskrepanz zwischen seinem Vertrag und seiner Darbietung macht dem Deutsch-Kanadier zu schaffen. Das hat ihn demütiger werden lassen, empfänglicher für Kritik, manchmal vielleicht zu schuldbeladen. „Er darf nicht die Last der ganzen Welt auf seine Schultern nehmen“, sagt der Trainer. Solche Zweifel führen weniger aus der Krise als ein einfacher Pass.

Erstmals ein wichtiges Tor

Helfen sollte Olver ebenso, dass er erstmals ein wichtiges Tor erzielte. Seine beiden vorherigen Treffer zählten nicht zu dieser Kategorie beim 5:1 gegen Straubing und beim 2:5 gegen Ingolstadt zu Saisonbeginn. Olver konnte etwas für sich tun und für das Team, das er inzwischen besser aufgestellt sieht. „Wir haben jetzt alle Spieler wieder dabei. Dadurch finden wir unseren Rhythmus, bei uns läuft viel mehr zusammen“, sagt Olver. Zumindest am Ende, dreimal lagen die Eisbären zuletzt zurück, gewannen aber jeweils. „Wir müssen jetzt noch besser anfangen, immer hinterherlaufen wollen wir auch nicht.“

Ob bei ihm nun der Bann gebrochen ist, diese Zuversicht strahlte Darin Olver nicht unbedingt aus. Die Erfahrungen der vergangene Monate haben sich tief eingebrannt bei ihm. Es dauert noch, bis er darüber hinweg ist.