DEL

Es gibt keine Ausreden mehr bei den Berliner Eisbären

Jeff Tomlinson fühlt sich so gut gerüstet wie noch nie in seiner Zeit als Cheftrainer der Berliner, die am Freitag mit den Rückkehrern Rankel und Foy gegen die Krefeld Pinguine antreten.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Mathias Niederberger streckte sich vergeblich. Diesen Puck hätte er wirklich gern gehalten, doch auch der vierte in Serie rutschte dem Torhüter durch, als die Mannschaft des EHC Eisbären im Training ein Spiel mit Penaltyschüssen veranstaltete. Die Motivation bestand aber gar nicht darin, vielleicht doch noch den Platz zwischen den Pfosten für die Partie der Berliner gegen Krefeld am Freitag zu ergattern (19.30 Uhr, O2 World). Es ging vielmehr schon um das nächste Auswärtsspiel des EHC in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Für die nächsten vier Wochen muss jeweils ein Spieler einen hässlichen Weihnachtspullover tragen, wenn das Team unterwegs ist. Niederberger trifft es als Verlierer des Penalty-Wettbewerbs als Ersten.

Der Spaßfaktor bei den Eisbären hat also trotz Platz zehn in der Tabelle noch ein recht hohes Niveau. Trainer Jeff Tomlinson will mal schauen, ob er etwas Geeignetes in seinem Schrank findet, „ansonsten muss ich einen Pullover besorgen“, sagt er. Der Deutsch-Kanadier macht einen zufriedenen Eindruck, obwohl die vergangenen Tage durchaus knifflige Aufgaben für ihn bereithielten. „Vorher hat sich die Mannschaft fast von selbst aufgestellt, jetzt muss ich mir fast schon den Kopf zerbrechen, wie ich die einzelnen Sturmreihen zusammenstelle“, so der 44-Jährige. Mit André Rankel und Matt Foy kehren zwei Angreifer zurück, die Auswahl ist groß. Genau das steigert das Stimmungsniveau des Trainers.

Inzwischen ist die Kapelle der Berliner nämlich fast voll. Vier erfahrene Sturmreihen konnte Tomlinson in seiner Amtszeit aufgrund dauernder Verletzungsprobleme so gut wie nie aufstellen. „Ich kann jetzt reagieren, wenn einer mal nicht bereit ist, ihm Eiszeit wegnehmen. Das macht Freude“, sagt er. Im Training der Überzahlformationen für Freitag fiel gleich mal Darin Olver durch das Raster, der sonst immer gesetzt war. „Die Jungs entscheiden von nun ab selbst, wie oft sie spielen oder ob sie auf der Bank sitzen“, so der Trainer. Weil sogar ein Stürmer zu viel da ist, musste der junge Jonas Schlenker bereits zum Kooperationspartner Dresden in die Zweite Liga. Lediglich die Braun-Brüder fehlen noch, wobei Verteidiger Constantin (Knorpelschaden im Sprunggelenk) die ganze Saison ausfällt und Stürmer Laurin nach einem Schlüsselbeinbruch ab nächster Woche zurückerwartet wird.

Gut für die Offensive

Kapitän Rankel schaute vier Wochen lang nur zu, als er sich seinen Muskelfaserriss zuzog, war er mit acht Toren in 14 Partien der konstanteste Torschütze des EHC. Foy musste seit Anfang Oktober wegen eines Rippenbruchs passen und gehörte bis dahin mit acht Punkten in sieben Spielen ebenfalls zu den zuverlässigsten Punktesammlern. Der nicht immer produktiven Offensive der Eisbären sollte ihr Einsatz guttun. „Wenn wir alle zusammen haben, sind wir eine gute Mannschaft. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“, sagt Rankel. Keiner müsse mehr Lücken füllen, sondern könne sich auf sich selbst konzentrieren.

Nach kraftraubenden Wochen mit drei Reihen soll mit den Rückkehrern mehr Schwung in das EHC-Spiel kommen. „Wir müssen unsere Wechsel kurz und intensiv halten, um den Gegner dauerhaft unter Druck zu setzen“, fordert der Kapitän. Damit soll gelingen, was den Eisbären bislang kaum geglückt ist. „Wir brauchen eine kleine Serie“, sagt der Trainer, der sich nur zu Saisonbeginn mal über drei Siege in Folge freuen konnte. Um sich weiter nach oben zu orientieren in der Tabelle, würden sich vier oder mehr besser machen. Das zu realisieren dürfte Tomlinson trotz der nun großzügigen Auswahlmöglichkeiten schwerer fallen, als einen Pullover mit scheußlichem Weihnachtsmotiv zu finden.