Eishockey

Der Star ist nicht die Mannschaft, sondern der Trainer

Mannheim, München und Ingolstadt führen Dank ihrer neuen Übungsleiter die Deutsche Eishockey-Liga an. Auch die Eisbären haben die Führungsriege verstärkt, warten aber noch auf die Wirkung.

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Das erste Drittel ist gerade rum, die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) also noch recht jung. Ereignet hat sich dennoch eine ganze Menge, viel mehr sogar, als erwartet werden durfte. Gleich vier Trainer überstanden die ersten 20 Spieltage der Hauptrunde nicht, darunter so prominente Übungsleiter wie Uwe Krupp in Köln und Benoit Laporte in Hamburg. Dermaßen hoch war die Ungeduld in den Chefetagen der Liga und ergo die Fluktuation schon lange nicht mehr.

Allgemein starteten ungewöhnlich viele Klubs in diese Saison mit neuem Personal auf dem Trainerposten. Fünf waren es und damit gut die Hälfte der DEL-Vereine. Deren Bestreben liegt sonst generell vor allem darin, auf dem Spielermarkt so erfolgreich wie möglich zu sein, die Teams zu verstärken, am besten mit Stars. In dieser Hinsicht ging es jedoch eher bescheiden zu im Sommer. Trotzdem: „Die Liga ist stärker geworden, wenn nicht durch Spieler, dann durch einige Trainer. Die spielen eine Rolle und machen ihre Teams besser“, sagt Peter John Lee, Manager des EHC Eisbären. Von wegen also, die Mannschaft ist der Star, der Trainer ist es.

Bisher geht die Rechnung auf in Mannheim, München und Ingolstadt, die drei Klubs führen die Tabelle an, Mannheim und München sogar mit großem Vorsprung vor dem Rest des Feldes. Bei den Adlern lenkt seit dem Sommer Geoff Ward die Geschicke, bei Red Bull ist es Don Jackson, in Ingolstadt steht Larry Huras an der Bande. Alles renommierte Leute, alles Trainer, die nicht unbedingt leichte Aufgaben übernommen haben.

Drei Klubs mit Problemlagen

Das klingt erst einmal ein bisschen kurios, schließlich lässt sich Mannheim das Titel-Ziel immer viel Geld kosten. Auch in München ist reichlich davon vorhanden, in Ingolstadt können sie ebenso wenig klagen und sind zudem Titelverteidiger. Doch jeder Klub hatte seine ganz eigene Problemlage nach der vergangenen Saison. Die sich als Branchenprimus sehenden Adler feierten ihre bislang letzte Meisterschaft 2007, erst zu Jahresbeginn machte Interimscoach Hans Zach den Verantwortlichen im Klub sehr drastisch klar, wie weit Anspruch und Wirklichkeit tatsächlich auseinander gehen. In München wurde trotz großer Investitionen wenig erreicht, weil mit Pierre Pagé ein zu despotischer Coach an der Bande stand, mit dem die Spieler nichts anfangen konnten und teilweise wegen ihm den Klub verließen. Ingolstadt verlor die halbe Meistermannschaft, dazu verpokerte sich Trainer Niklas Sundblad und schied im Unfrieden.

Alle haben die Lehren gezogen und das Beste draus gemacht. Natürlich kamen auch ein paar namhafte, überdurchschnittliche Spieler wie etwa Glen Metropolit in Mannheim, Petr Taticek in Ingolstadt oder Michael Wolf in München. Die Schlüsselverpflichtungen aber waren überall die Trainer. Huras, 59, zum Beispiel ist ein international erfahrener Mann, der die meiste Zeit seiner Trainerkarriere in der Schweiz verbracht hat. Drei Titel feierte er in Bern, Zürich und Lugano, gewonnen jeweils im ersten Jahr der Verpflichtung. Bei den Panthern etabliert er gerade ein etwas anderes Eishockey als zuvor gespielt wurde. Man will aktiver werden, nicht mehr nur reagieren, aber dennoch gut defensiv auftreten. Huras gilt als jemand, der gut motivieren kann. Offenbar kann er auch junge Spieler gut einbauen, denn davon hat Ingolstadt einige.

Ward kam direkt aus der NHL

Mit Geoff Ward, 52, lotsten die Adler einen Coach direkt aus der besten Liga der Welt nach Mannheim, aus der nordamerikanischen NHL. Der war zwar nie Profispieler, erlernte den Trainerberuf aber früh und gründlich. „Ich habe ihn als scharfen Analytiker kennengelernt“, sagt Metropolit, der unter Ward in Boston spielte. Bei den Bruins arbeitete der Kanadier sieben Jahre als Assistent von Claude Julien und gewann 2011 den Stanley Cup. In Mannheim will er vor allem ein starkes Gemeinschaftsgefühl schaffen, um das es oft nicht gut bestellt war in der Vergangenheit. Das ist ihm bisher auch gelungen. „Wir haben eine geniale Truppe. Alle Spieler verstehen ihre Rolle innerhalb der Mannschaft, ziehen an einem Strang und stellen persönliche Interessen hinten an. Das ist enorm wichtig, um Erfolg zu haben“, sagt Stürmer Metropolit. Ward legt zudem Wert darauf, viel mit den einzelnen Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln.

Über Don Jackson, 58, muss man nicht viele Worte verlieren, kein anderer hat in der DEL so viele Meisterschaften gewonnen wie der US-Amerikaner. Alle diese Titel holte er mit den Eisbären, von denen er nach Salzburg wechselte und nun ein Jahr später Red-Bull-intern nach München. Sein Umgang mit den Profis wurde schon in Berlin geschätzt, er bringt ein gutes Klima in die Mannschaft und fördert so die Leistung. Die besteht im Wesentlichen darin, dass seine Mannschaft mit allen Spielern aggressiv gegen den Puck arbeitet und viel laufen muss.

Eisbären hoffen auf Ustorf-Effekt

So ähnlich soll das auch bei den Eisbären aussehen. Die Berliner setzten neben guten Spielerverpflichtungen ebenso auf eine Verstärkung in der Führungsriege. Stefan Ustorf, 40, wurde im Sommer als Sportlicher Leiter engagiert. Seine fachliche Kompetenz wird anerkannt, Ustorf hat Ideen und ein gutes Verhältnis zu den Profis. So ganz eingetreten ist die erhoffte Wirkung allerdings noch nicht, die Mannschaft von Jeff Tomlinson schwankt in ihren Darbietungen und ist auf Platz zehn der Tabelle alles andere als zufriedenstellend positioniert. Allerdings machen es gravierende Verletzungsprobleme den Eisbären auch schwer. „Ich bin weiterhin der Meinung, dass wir das Potenzial haben, ganz oben mitzuspielen“, sagt Ustorf. Immerhin sollen die Ausfälle sollen sehr bald zurück sein. Fast zwei Drittel der Hauptrunde bleiben dann noch, um zu den Team mit den Star-Trainern aufzuschließen.