DEL

Don Jackson verfolgt eine alte Mission, mit einem neuen Klub

Der frühere Eisbären-Meistertrainer kehrt mit Titelfavorit München nach Berlin zurück. Seit er weg ist, läuft es bei den Berlinern nicht mehr richtig. Für Jackson stellt sich die Situation anders dar.

Foto: Gladys Chai von der Laage / picture alliance / Gladys Chai v

Natürlich geht es wieder los, der Unmut steigt bei den Fans. Auf Platz zehn führt die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) den EHC Eisbären. Auf diesem Niveau drückten sich die Berliner, immerhin Rekordmeister, auch vergangene Saison rum. Im Play-off-Viertelfinale waren sie dann schon nicht mehr dabei. Irgendwie ist gefühlt seither wenig besser geworden, viele Verletzte gibt es ebenso. Beim 3:5 beim Tabellenletzten in Straubing erwischte es jetzt Kapitän André Rankel mit Verdacht auf Adduktorenabriss. Pleiten, Pech und Pannen. Seit Trainer Don Jackson weg ist, läuft es nicht mehr in Berlin.

Jetzt kehrt Jackson zurück. Damit wird aber erst einmal nichts besser, vielleicht wird es sogar schlechter. Als Trainer von Red Bull München kommt er am Sonntag nach Berlin (17.45 Uhr, O2 World und Servus.TV), als Tabellenzweiter, als großer Favorit auf den Titel. Bei Don Jackson läuft’s wie immer.

Das trifft ganz allgemein zu. Mal wieder folgte er Pierre Pagé im Amt nach. Er führt ein Leben auf dessen Spuren. In Nordamerika schon, in Europa auch. Berlin, Salzburg, München – überall kam Jackson unmittelbar, nachdem Pagé weg war. Wobei er München diesmal gar nicht auf dem Plan hatte, zumindest noch nicht. Schließlich war er ja erst eine Saison in Salzburg. „Ich hatte mich auf eine weitere eingestellt“, sagt er. Aber wer kann schon ablehnen, wenn der Oberboss persönlich mit einem Wunsch kommt? Salzburg und München gehören zum Red-Bull-Imperium, und Chef Dietrich Mateschitz wollte nach von Pagé verkorkster Premierensaison in München eben Jackson auf dem Trainerposten dort sehen. Das sei für das Unternehmen und für ihn selbst wichtig, bedeutete Mateschitz dem US-Amerikaner.

Offenbar geht der Plan auf. Die Münchener tun nun das, was sie vergangene Saison schon tun sollten: groß aufspielen. Unter Pagé verhinderte dessen selbstherrliche, teils spielerverachtende Art, dass sich die üppige finanzielle Ausstattung von gut zwölf Millionen Euro – etwa zwei Millionen mehr als bei der Konkurrenz – gleich amortisierte. Pagé wurde zum Sportdirektor hochgelobt, Jackson als Gegenentwurf zu dem Choleriker installiert. Als ruhiger Arbeiter, dem die Spieler bereitwillig folgen.

Ex-Berliner Regehr und Christensen in wichtigen Rollen

Richie Regehr kam sogar aus Schweden, um wieder mit Jackson zu arbeiten. In Berlin gewannen beide Titel. Neben dem Verteidiger ging auch Stürmer Mads Christensen als dreifacher Meister mit dem EHC nach München. Beide sind wichtige Stützen. Nationalmannschaftskapitän Michael Wolf zog es ebenso an die Isar. „Der Geist im Team ist sehr gut“, sagt Jackson, „aber es ist ein neues Team, das ist eine Herausforderung.“ Aber keine, die er nicht meistern kann.

Deshalb sollte er ja nach München, Jackson ist das wichtigste Teil im Red-Bull-Puzzle. Vor ihm gewann noch kein Trainer so viele Titel in der DEL, fünf Mal machte er die Eisbären in sechs Jahren zum Meister, gewann den Pokal und die European Trophy. Auch in Österreich zog er mit dem Titel weiter. Nach Zielen muss man den 58-Jährigen für München nun eigentlich nicht fragen. „Im Profisport muss man der Beste sein“, sagt er. Für ihn ist das nicht nur eine Frage der finanziellen Mittel, sondern der Ehre.

Jacksons Erfahrung tut der Mannschaft genauso gut wie seine sachliche Art. Die Mannschaft kommt auf einer anderen Ebene daher als in der Vorsaison. Ist sie schon reif für den Titel? „Das muss man abwarten, aber München ist eine super Mannschaft“, findet Jacksons Nachfolger in Berlin, sein früherer Assistent Jeff Tomlinson. Der hat beträchtliche Mühe, den Kurs mit den Berlinern einzuschlagen, den Jackson überall anlegt. In Straubing präsentierten sich die Eisbären in einer desolaten Verfassung. Demnach bestehen gegen München nun nicht mehr als Außenseiterchancen. Gute Chancen bestehen dagegen, dass mancher Fan am Sonntag gern an die Tage denkt, in denen Jackson an der Eisbären-Bande stand.