Eisbären

Die große Torflut im Eishockey lässt noch auf sich warten

Neue Regeln verändern das Spiel – und die Eisbären kommen damit gut zurecht. Über- und Unterzahlspiel werden von den Berlinern seit Saisonbeginn täglich trainiert.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Die Eisbären machen am Freitag das Dutzend voll, bestreiten in Krefeld (19.30 Uhr) ihr zwölftes Saisonspiel. Sie treten mit neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Mannheim bei den Pinguinen an. Das klingt zwar nicht so beeindruckend wie noch zu Zeiten, als die Berliner zum Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aufstiegen, im Vergleich zur vergangenen Spielzeit aber durchaus erfreulich.

Vor einem Jahr bildeten die Berliner in der ersten Saison unter Cheftrainer Jeff Tomlinson nach elf Spielen nämlich das Schlusslicht der Tabelle. Der Abstand zu Tabellenführer Nürnberg betrug damals bereits satte 19 Punkte. Am Ende quälten sich die Berliner bekanntermaßen gerade noch ins Pre-Play-off, wo sie gegen den späteren Überraschungsmeister Ingolstadt ausschieden.

Dass Tomlinsons Männer jetzt so viel besser dastehen, obwohl sie mit den verletzten Mark Bell, Matt Foy, Florian Busch und Laurin Braun erneut empfindlich reduziert sind, liegt auch daran, dass sie bezüglich der veränderten Regeln ganz offensichtlich ihre Schularbeiten gemacht haben.

Zur Erinnerung: Mit Saisonbeginn wurde die neutrale Zone an beiden Seiten um jeweils 153 Zentimeter verkleinert. Durch die größeren Eisflächen in den Angriffs- und Verteidigungszonen sollte das Spiel vor den Toren attraktiver werden und letztendlich auch zu mehr Treffern führen. Das Verschieben der blauen Linien habe „vor allem im Unterzahlspiel zu ganz neuen Herausforderungen geführt“, erklärt Tomlinson. „Schüsse von der blauen Linie sind wegen der größeren Distanzen viel schwieriger zu verteidigen. Zudem mussten wir einige Drills verändern, weil durch die kleinere neutrale Zone die Gefahr viel größer ist, ins Abseits zu laufen. Wir befassen uns damit täglich im Training, mehr als jemals zuvor.“

Viel besser als vergangene Saison

Die Statistik zeigt: mit Erfolg. Sein Team hat derzeit das zweitbeste Überzahlspiel in der DEL (hinter Hamburg), nutzte 23,2 Prozent der Chancen bei nummerischer Überlegenheit. Spielen die Eisbären als derzeit fairstes DEL-Team mal in Unterzahl, verhindern sie in 86 Prozent aller Fälle ein Gegentor. Das ist Rang drei in der Liga, übrigens knapp davor liegen die Pinguine (86,7 %), ein zähes Ringen ist also programmiert.

Als Beispiel dafür, dass die vergrößerte Angriffsfläche zu mehr Toren führt, können die Eisbären kaum herhalten. Dazu fällt der Vergleich zur vergangenen Saison einfach zu krass aus. Jetzt haben sie nach elf Spieltagen ein Torverhältnis von 35:23 Treffern, damals war es nahezu umgekehrt (23:32). Auch beim Blick auf die Liga insgesamt findet man die Veränderungen nur hinter dem Komma. Schossen alle 14 DEL-Teams in der Vorsaison bis zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 2,87 Tore, sind es jetzt 2,99. In der Hauptrunde der Spielzeit 2013/2014 lag der Schnitt bei 2,86 Treffern.

Gut möglich, dass aufgerundete 2,99 Tore den Eisbären auch in Krefeld zum Sieg reichen. Am vergangenen Wochenende gewannen sie in Köln 3:2 nach Verlängerung und zu Hause gegen Schwenningen 2:1. Allerdings seien die Pinguine „eine unberechenbare Mannschaft, eine, die viele Tore schießen kann, in der aber einige Spieler noch nicht richtig zugeschlagen haben“, erklärt Tomlinson und verweist auf Adam Courchaine, der mit bislang nur drei Treffern weit hinter seinen gewohnten Torjäger-Qualitäten zurückgeblieben ist.

Hauptaugenmerk liegt auf der Abwehr

Obwohl seine Mannschaft in den letzten beiden Spielen einiges an Chancen liegen ließ, macht sich Berlins Coach „um die Offensive keine Sorgen. Die Verteidigung muss stehen“. Dass diese Marschroute erfolgversprechend sein könnte, belegt abermals die Statistik. Die Krefelder (33 Treffer) schossen bislang zwar nur zwei Tore weniger als die Berliner, kassierten aber genauso viele Gegentreffer, zehn mehr als die Eisbären.

Groteskerweise könnte Tomlinsons Team ausgerechnet das Verletzungspech geholfen haben, sich an die veränderten Eisflächen zu gewöhnen. Weniger Spieler bedeutet mehr Eiszeit für jeden einzelnen, die Eisbären spielen derzeit mit drei statt vier Reihen. „Das ist erst mal okay, davon können wir eine kurze Phase lang profitieren“, sagt Berlins Trainer. „Aber die sehr guten Mannschaften spielen mit vier Reihen und da sparst du natürlich Energie.“

Zwei Wochen lang müssen die Eisbären noch mehr Energie investieren als die Konkurrenz. Am 2. November geht die Liga in die Nationalmannschaftspause. „Dann werden Mark, Laurin und Buschi zurück sein“, sagt Tomlinson. „Mit Matt rechne ich eine Woche später.“