Das Oktoberfest in München lockte offenbar auch einige Berliner in die bayerische Landeshauptstadt. Welche, die sonst vielleicht nicht gekommen wären, die den Ausflug aber gut mit einer Auswärtsfahrt des EHC Eisbären verbinden konnten. Viele der 500 EHC-Fans beim Spiel der Berliner gegen Red Bull München hatten jedenfalls ganz sicher mehr von der Wies’n-Sause als die Mannschaft. Für die ergab sich kein Besuch auf dem Festplatz, mit nach Hause nehmen konnten die Eisbären dennoch ein tolles Erlebnis.

Auf die reinen Zahlen beschränkt sich das nicht. Zwar siegte das Team von Jeff Tomlinson in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 3:1. „Aber es war vor allem gut, wie wir gewonnen haben“, erzählt der Trainer. Mit Problemen wurde seine Mannschaft konfrontiert, sie fand Lösungen und kann nun das Spiel als wesentlichen Faktor in einem Reifungsprozess nutzen. „Das war ein guter Schritt“, so Tomlinson.

Auch eine Lehrstunde für die Berliner wäre drin gewesen. Aggressiv und druckvoll traten die Gastgeber im ersten Abschnitt auf, von den Eisbären kam nicht viel. So waren sie gezwungen, wenigstens in der Hintermannschaft ordentliche Arbeit abzuliefern. Da das gelang, erlebte der EHC ein für die Harmonisierung der Abwehr sehr wertvolles Drittel.

Nach den Hinweisen des Trainers in der ersten Pause wechselte die Mannschaft ihr Erscheinungsbild. „Nach dem ersten Drittel, in dem wir sehr unter Druck waren, haben wir einige Dinge verändert“, sagt Stürmer Antti Miettinen. Sie standen näher an den Leuten, pressten früher und verlagerten das Spiel mit dieser fordernderen Gangart in die Offensive. Die Berliner bewegten sich einfach viel mehr. „Der Unterschied zwischen diesen beiden Dritteln hat mich am meisten beeindruckt“, so Jeff Tomlinson.

Vertrauen in das Team wächst

In ihrem Vorwärtsdrang zeigten die Berliner einige Eigenschaften, die dem Trainer viel Freude bereiteten. Sie spielten mit viel Mut, bearbeiteten ihre Gegner sehr beharrlich. So bekamen sie die Münchner in den Griff, und mit der Kontrolle traten ihre Fähigkeiten im Kombinationsspiel zum Vorschein. Die Berliner zeigten ihre Klasse, wobei der Einfluss der neuen Stürmer wie Miettinen und Petr Pohl sowie Torhüter Petri Vehanen deutlich wurde. Ebenso die Einbindung junger Profis wie Sven Ziegler, der den Treffer zum 2:1 erzielte. „Immer, wenn man gewinnt, vor allem auswärts gegen ein so gutes Team, wie es München ist, stärkt es das Selbstvertrauen und natürlich auch das Vertrauen in die Mannschaft“, sagt Verteidiger Constantin Braun. Die Berliner konnten wachsen in dieser Partie, sehen, was möglich ist. Denn München gilt mit dem früheren Berliner Meistertrainer Don Jackson als einer der Top-Favoriten auf den Titel.

Auf die Düsseldorfer EG trifft das sicherlich nicht zu, was dazu führen kann, dass die Konzentration nach einem Spitzenspiel wie gegen München zwei Tage später schnell verflogen ist. Deshalb bereitete Tomlinson seine Profis vor allem mental auf den Gegner am Sonntag vor (14.30 Uhr, O2 World). „Wir dürfen den Gegner nicht leicht nehmen und müssen unser Spiel noch mehr durchsetzen“, sagt der Deutsch-Kanadier.

Im Tor wird dennoch der 21-jährige Mathias Niederberger zu seinem zweiten Saisoneinsatz kommen. Allerdings nicht, weil er in Düsseldorf geboren wurde und bei der DEG seine ersten DEL-Spiele absolvierte. „Es ist abgesprochen, dass er alle zwei bis drei Partien aufläuft“, sagt der Trainer. Bis jetzt läuft da alles genauso nach Plan wie bei der Entwicklung der Mannschaft.