Eisbären

Jetzt geht Sven Felski in der O2 World an die Decke

Die Berliner Eisbären ehren vor dem Spitzenspiel gegen Mannheim einen ihrer größten Stars. Seine Rückennummer 11, mit der in 20 Jahren 1000 Spiele für den EHC bestritt, wird nie mehr vergeben.

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Aufgeregt ist er nicht, das hat sich gelegt in all den Jahren im Rampenlicht. Außerdem arbeitete Sven Felski schon als Radiomoderator, hat Lesungen aus seinem eigenen Buch abgehalten, als Fernsehexperte ist er auch viel unterwegs. So einer wie er verliert nicht so schnell die Fassung. Obendrein hat sich mit dem langen Warten die Vorfreude eher ein bisschen abgenutzt statt gesteigert.

Egal, stolz ist er trotzdem. Auf alle Fälle, Felle. Er hat ja „viel für den Verein gegeben, nicht nur auf dem Eis, auch drumherum“, sagt Felski. Kein anderer Spieler symbolisierte vor ihm den EHC Eisbären in gleicher Weise wie der Stürmer, danach wird es sicher auch keiner mehr tun. Deshalb wird das Trikot mit der Nummer 11, das Sven „Felle“ Felski Zeit seiner Karriere als Eishockeyprofi trug, am Sonntag vor dem Spiel des EHC gegen die Adler Mannheim unter das Dach der O2 World gezogen (17.45 Uhr, ServusTV). Und danach nie wieder vergeben.

1000 Spiele in 20 Jahren

Es ist ein würdiger Rahmen, das Duell der Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Beide Klubs trafen auch in seinem letzten Spiel aufeinander. Zum 1000. Mal lief Felski am 24. April 2012 daheim in der fünften und entscheidenden Finalpartie für den EHC auf. Nach der Schlusssirene durfte er sich sechsfacher Meister nennen. Ein perfektes Ende, obwohl er gern weitergemacht hätte. Nur das Knie wollte nicht mehr. Kein Problem mit damals 37 Jahren, die Zeit war reif. „Deshalb vermisse ich das Spiel jetzt auch nicht mehr. Wobei ich anfangs dachte, dass ich irgendwann unruhig werden würde“, erzählt er. Auf dem Eis steht er nur noch selten. Demnächst will Felski bei den Alten Herren einmal die Woche mitmachen. Mit 39 ist er da der Jungspund. Das tut gut.

Viel mehr Raum als für eine Einheit bliebe auch gar nicht. Wie gesagt, Fernsehen macht er, als DEL-Experte bei Servus. Hauptsächlich aber nehmen ihn sein Studium und die Eisbären Juniors ein, Vorstandsvorsitzender ist er da. Früher war mehr Freizeit. „Aber ich muss ehrlich sagen, das macht alles Spaß“, erzählt er. Das Beste ist, dass sich Studium und Juniors so gut ergänzen. Konnte ja keiner ahnen, dass es so kommt.

Guter Mix aus Theorie und Praxis

Allein das Studium bietet mehr als gedacht. Kommunikation, Vereinsrecht, Psychologie, Statistik, Anatomie. Alles drin in der Ausbildung zum Bachelor für Sport und angewandte Trainingswissenschaft in Lichtenberg. „Da kommen viele Sachen vor, die ich so nicht erwartet hatte. Aber das ist gut so“, erzählt Felski. Zwei Jahre hat er hinter sich, noch ist er durch keine Prüfung gefallen. Bei manchen Aspekten kann er sehen, ob er früher als Profi alles richtig gemacht hat. Er ist zufrieden, zu 80 Prozent war er auf dem rechten Weg. Und den jungen Kommilitonen ist er ein Stück voraus, er kennt die praktische Seite schon genau. „Für mich ist das ein ganz guter Mix mit meiner Karriere vorher“, sagt er.

Die Karriere vorher kann man einzigartig nennen. Immer nur für einen Klub gespielt, 20 Jahre als Profi aufgelaufen, schon im Nachwuchs als Kind dort angefangen. Wo gibt es das noch? Wer so für seinen Verein lebt, wird irgendwann zum Bürgermeister, so nannten sie ihn in Hohenschönhausen, als die Eisbären noch dort spielten. Felski war Nationalspieler, vor allem aber immer der personifizierte Eisbär, die Integrationsfigur, das Gesicht des Klubs, das auch außerhalb des Sports ein Begriff war. Felski kann heute noch durch die O2 World laufen und in jeder Loge anklopfen, er würde immer einen Platz angeboten bekommen, ihn kennen alle. Von den Spielern unten auf dem Eis ließe sich das nicht mit Sicherheit behaupten.

Anspruchsvolles Ehrenamt

Vielleicht wird es irgendwann wieder welche geben, die so werden wie er. So gut, so bekannt. Er arbeitet dran. Der ehrenamtliche Job im Nachwuchs der Eisbären als Vorstandsvorsitzender der Juniors „ist extrem anspruchsvoll“. Seit einem Jahr engagiert er sich, dauernd gibt es etwas zu klären, immer etwas zu verbessern, immer muss irgendwie Geld aufgetrieben werden. Achtung, Spendenaufruf! Zu mehr Trainern konnte sein Vorstand dem Verein schon verhelfen. Ein Schritt nach vorn. „Sven macht das sehr gut, ich weiß, wie schwer das ist“, sagt Peter John Lee, der Manager der Profimannschaft. Felski macht gern mit, seine Erfahrung möchte er weitergeben. Außerdem verschafft ihm das eine Art Dauerpraktikum für sein Studium. „Das ist ein guter Lernprozess. Ich kann alles kennenlernen“, sagt Felski. Wer nie in so einem Verein drinsteckte, der weiß gar nicht, was das für Arbeit bedeutet.

Felski sieht sie auch als Übergang. Vielleicht in die Profiabteilung, wer weiß. Jedenfalls ist abgesprochen, dass sich für ihn im Klub immer eine Aufgabe findet. Zwei Jahre dauert das Studium noch. „Die administrative Ebene wäre dann eher mein Ding“, erzählt er. Trainer ginge auch, aber eher zur Not. Jedenfalls würde es schon Sinn machen, seine erworbenen Fachkenntnisse in die Klubarbeit einfließen zu lassen. Felski kann sogar Spiele organisieren, richtig groß aufziehen.

Erleichtert über guten Saisonstart

Seine Abschiedspartie vor gut einem Jahr gestaltete er in Eigenregie. „Das war wirklich ein Megaevent“, schwärmt er noch heute. Die Sache mit dem Trikot hätte von ihm aus gleich hinterher kommen können. Aber das zog sich. Nicht gerade zu seinem Vergnügen. „In Nordamerika ist es üblich, dass man ein bisschen wartet damit“, sagt Manager Lee, der aus Kanada kommt. Für ihn war aber immer klar: „Svenni gehört da unter die Decke. Er verkörpert, wofür wir stehen.“ Felskis Trikot wird das zweite unter dem Hallendach sein, Anfang 2011 wurde bereits Mark Beaufait auf diese Weise geehrt. An Weihnachten diesen Jahres wird noch Steve Walker folgen, das steht schon fest. Dann ist es erst einmal wieder genug.

Während die anderen beiden nichts mehr mit Berlin zu tun haben, ist Felski fast immer da bei den Spielen. „Ist ja mein Verein“, sagt er und ist froh, dass der Saisonstart geglückt ist. So wie vergangene Saison „ging es ja nicht mehr weiter“. Generell gewinnen nun aber selbst schwächere Spiele an Reiz. Wenn es nicht mehr auszuhalten ist, kann Sven Felski zur Hallendecke blicken, zufrieden sein Trikot mit der Nummer 11 ansehen und sich besserer Zeiten erinnern.