Eishockey

Eisbären-Niederlage gegen Mannheim trübt Felskis Ehrentag

An dem Tag, an dem das Trikot des Eisbären-Urgesteins Sven Felski an die Decke der O2 World gezogen wurde, spielten seine Nachfolger nicht mit: Der EHC verlor das Spitzenspiel der DEL gegen Mannheim.

Foto: Oliver Mehlis / <219,4,200>dpa

Als die Kinder mit den verschiedenen Trikotausgaben seiner Karriere über das Eis liefen, war Sven Felski beschäftigt. Ein paar Meter abseits stand er, im Scheinwerferlicht der Kamera. Fast unbeteiligt, als Fernsehexperte, obwohl es doch ein großer Tag für ihn sein sollte. Aber Job ist Job, der Sender ließ ihn ja rechtzeitig weiterziehen, hin zur Bande, zu den Geschäftsführern des EHC Eisbären, hin zu Billy Flynn und Peter John Lee. Die hatten beide einiges zu erzählen über Felski, den Mann mit der 11 bei den Eisbären. Früher trug er die, jetzt spielt er nicht mehr, und mit seiner Nummer wird auch niemand mehr auflaufen beim Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Sie wurde jetzt verrentet, als Banner unter die Decke der O2 World gezogen.

Adler jetzt Tabellenführer

Rahmenprogramm dazu gab es reichlich, die Kinder, ein Video, viele Worte. „Sven, du warst immer ein Vorbild“, sagte Flynn. „Der Spruch: Einmal Eisbär, immer Eisbär, der gehört dir“, sagte Lee über den Mann, der seine gesamte Karriere nur beim EHC absolvierte und 2012 beendete. Alles zog sich ein wenig länger hin als geplant, der Großteil des Rahmenprogramms im Zeichen der 11 konnte erst sieben Minuten später beginnen: das DEL-Spitzenspiel zwischen dem EHC und den Adlern Mannheim. Leider stimmte die Choreographie nicht, Felskis Eisbären unterlagen den Kurpfälzern vor 13.611 Fans mit 2:4 (1:1, 0:1, 1:2).

Ganz überraschend kam die Niederlage nicht. Eisbären-Trainer Jeff Tomlinson hatte die Mannheimer deutlich verbessert in die Saison gehen sehen als vor einem Jahr. Das zeigte sich bereits in den ersten Partien, mit dem Sieg konnten die Adler nun die Tabellenspitze übernehmen. „Sie haben auf den Körper gespielt und waren sehr aggressiv, das hat uns frustriert“, sagte Tomlinson. Die Berliner rutschten auf den siebten Rang ab.

Lehren aus der Champions Hockey League noch nicht gezogen

Geringer ist der Unterschied bei internationalen Auftritten der beiden Klubs. Sowohl Adler als auch Eisbären gehören zu jeden sechs deutschen Klubs, die an der Premierensaison der Champions Hockey League (CHL) teilnehmen. Fünf dieser sechs Klub, darunter Berlin und Mannheim, belegen vor dem letzten Spieltag die letzten Plätze in ihren Vierergruppen. Schwach für die DEL-Rekordmeister mit ihren sieben (EHC) und fünf (Mannheim) Titeln. Immerhin haben die Adler noch die Chance auf Platz drei in der Endabrechnung, die Eisbären nicht.

Als Lehre aus dem miesen CHL-Abschneiden sagte Tomlinson: „Wir haben gelernt, dass wir cleverer sein müssen.“ Gegen Mannheim setzte dieser Effekt freilich nicht ein. Zwar brachte Henry Haase die Berliner nach 88 Sekunden in Führung, doch nach dem Ausgleich durch Jamie Tardif (5.) vergab Kapitän André Rankel freistehend aus einem Meter Entfernung und bei leerem Tor (13.). „Normal mache ich den bei 1000 Versuchen 999 Mal. Das liegt aber nicht an der Erkältung“, sagte der Stürmer. Seine Stimme klang belegt, der Schnupfen machte ihm zu schaffen. Anderen auch. „Das hört sich nach einer Ausrede an, aber wir haben viele Spieler, die krank sind“, so Rankel. Im letzten Drittel habe seinem Team daher die Kraft gefehlt. Mannheim konnte sich dort weitgehend problemlos durchsetzen.

Brauns Treffer kommt zu spät

Zuvor ging es meist sehr ausgeglichen zu, obwohl die Berliner ab und an Missverständnisse bei den Pässen zeigten. Als Folge setzten sie öfter, als es gut war, auf Eins-gegen-Eins-Situationen, konnten gegen die beweglichen Adler aber dabei nicht genügend Robustheit aufweisen. Tomlinson war dennoch zufrieden: „Zwei Drittel lang haben wir gut gespielt.“ Nach Rankels Fehlschuss allerdings strahlte einzig die Reihe mit den Neulingen Antti Miettinen und Petr Pohl noch echte Torgefahr aus. Es traf jedoch lediglich Mannheim, zweimal Martin Buchwieser (35./49.) und einmal Glen Metropolit (57.). Constantin Brauns Tor zum 2:4 (60.) war nur noch für die Statistik interessant.

Als Gesamtkonzept wies der große Abend für die 11 also durchaus Schwächen auf. Sven Felski konnte sich dafür aber als bestens entschädigt betrachten. Team und Klub überreichten ihm noch ein Präsent, eine Reise mit Familie nach Los Angeles bekam er geschenkt. Inklusive des Besuchs eines Spiels des NHL-Champions LA Kings.