Diesmal konnte er zuschauen, wie es richtig geht. Nach seinen drei Toren musste Matt Foy die Interaktion mit den Fans starten. Petr Pohl sah genau hin: Anlaufen, in die Knie gehen, mit den Armen zappeln, hochkommen und die Welle starten. Vor ein paar Tagen hatte er als Neu-Berliner noch unwissend seine eigene Startsequenz kreiert.
Fast wäre er wieder dran gewesen. Zwei Tore von Foy bereitete Pohl beim 7:3 gegen die Hamburg Freezers vor, dazu ein weiteres, einmal traf er selbst – vier Scorer-Punkte sammelte der neue Stürmer des EHC Eisbären. Trotz der drei Tore von Foy ist es der 28-Jährige, der gerade groß aufspielt beim Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach jeder Partie frohlockt Trainer Jeff Tomlinson derzeit: „Es macht so viel Spaß, Pohl zuzuschauen.“
Gerade ein halbes Dutzend Pflichtspiele brauchte der Angreifer, um sich bei den Berlinern das Prädikat „unwiderstehlich“ zu verdienen. Mit sieben Punkten (3 Tore/4 Vorlagen) in drei Partien ist er Top-Scorer der DEL, in der Champions League führt er die Punkteliste des EHC nach vier Spielen mit sechs Zählern (4/2) an. „Gib’ Pohl den Puck“, ist derzeit ein beliebter Spruch in der Kabine der Eisbären. Es ist schon erstaunlich, wie viele gute Sachen er damit macht.
Daran hat er viel gefeilt. An sich ist Pohl ein Tscheche. „Wenn du in Tschechien groß wirst, dann lernst du, technisch und läuferisch gut zu werden“, erzählt Pohl. Ihm erschien das nicht ausreichend. Deshalb ging er mit 17 Jahren nach Nordamerika und probierte sich dort in allerhand Ligen. „Ich bin froh, dass ich das getan habe. Das hat mir geholfen, ein kompletterer Spieler zu werden“, erzählt er. Da das nordamerikanische Eishockey mit seiner physischen Seite auch in der DEL weit verbreitet ist, profitiert Pohl hier von seiner umfangreichen Ausbildung.
Mit seinen Fähigkeiten sieht ihn der Trainer zu 70 Prozent wie einen Tschechen spielen, die anderen 30 Prozent sind Geradlinigkeit und Tordrang. „Da ist er sehr kanadisch. Es ist selten, dass einer beides kann “, sagt Tomlinson. Pohls Instinkt sagt ihm zudem, wann es besser ist, mit viel Geschick und Tempo die Kollegen in Szene zu setzen oder selbst abzuschließen. Er hat viel Gefühl für die Situation, für seine Mannschaft, die am Sonntag in Iserlohn antreten muss.
Pass mit Hilfe des Opas beantragt
Pohl besitzt auch Weitblick. Das hat er mit seinem Karriereweg schon gezeigt, der ihn auch für ein Jahr nach Finnland führte und danach in die Heimat. Dort bastelte er mit seinem Opa Roman seit über einem Jahr an einer möglichen Zukunft. „Wir haben begonnen, einen deutschen Pass zu beantragen. Ich wusste nicht, ob ich mal in der DEL spielen würde. Aber ich wollte mir damit eine Option schaffen“, erzählt er. Der Opa ist Deutscher, daher war alles kein Problem. Für den EHC läuft Pohl, der im Frühjahr noch drei Spiele für das tschechische Nationalteam absolvierte und für zwei Jahre in Berlin unterschrieben hat, nun nicht als Ausländer auf.
Für ihn ist damit mehr verbunden, als nur das Dokument herumzutragen. Nach dem ersten DEL-Heimspiel wurde er den Fans in einer Fragerunde präsentiert. Es war ihm ziemlich peinlich, dort nicht wenigstens etwas Deutsch reden zu können. „Mein Opa hat mir zwar etwas beigebracht. Aber ich will mir schnell einen Lehrer nehmen“, sagt er. Bis Weihnachten, so das Versprechen an den Anhang, möchte er hörbare Fortschritte erzielt haben. Bis dahin lässt er seine Tore für sich sprechen.





