Die Aktion passte in die Zeit. Zwei Spieler des EHC Eisbären fuhren am Sonnabend auf dem Vorplatz der O2 World mit dem Auto hin und her, es ging um Reaktionen, darum zu zeigen, wie sich das Fahrverhalten in Abhängigkeit vom körperlichen Zustand verändert. Als Gegenbeispiel zu den wachen Profis Jens Baxmann und Frank Hördler traten zwei Fans an, die 36 Stunden nicht geschlafen hatten. Mit ihrer Müdigkeit in den Knochen fielen die Reaktionen natürlich viel schlechter aus als bei den beiden verletzten Spielern des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).
Anlass für das Fahrsicherheitstraining war ein Unfall von Fans des Zweitligisten Weißwasser, bei dem ein 23-Jähriger Ende 2013 auf der Rückfahrt von einem Auswärtsspiel ums Leben gekommen ist.
Auch viele Berliner Anhänger werden am heutigen Sonntag auf Reisen gehen, der EHC spielt in Wolfsburg – und es soll ein Auswärts-Heimspiel werden für die Eisbären. Gut 2600 EHC-Fans werden erwartet. Alle sollen wieder gesund nach Hause zurückkehren.
Wenn alles glatt läuft, übernehmen die Berliner in der mit 4500 Plätzen ausverkauften Arena in Wolfsburg die Mehrheit. Es dürfte also tatsächlich so etwas wie ein Heimspiel werden für die Eisbären. „In Iserlohn waren schon 1000 Fans dabei, das hat uns sehr geholfen“, sagt Stürmer Mark Bell, „wenn es jetzt noch mehr werden, ist das großartig.“ Kapitän André Rankel findet diese Anzahl „unglaublich, wir sind stolz, dass wir solche Fans haben“. Der Stürmer glaubt, dass eine solche Unterstützung der Mannschaft „viel Energie geben“ wird.
In Iserlohn lohnte sich die große Fan-Unterstützung
Auch das passt in die Zeit. Schließlich traten die Berliner in der Fremde in dieser Saison selten gut auf, sie sind sogar das drittschlechteste Auswärtsteam der Liga. Unrühmlicher Höhepunkt war das 0:8 Anfang November in Wolfsburg. „Das hat natürlich keiner von uns vergessen“, sagt Rankel. In Iserlohn vor drei Wochen immerhin ging vor den Augen der zahlreichen Fans alles gut, beim 3:0 lieferten die Eisbären ihre wohl beste Auswärtspartie ab.
Das darf sich aus Sicht der Eisbären jetzt gern ähnlich abspielen. Die Probe im Heimspiel gegen den Tabellen-13. Schwenningen am Freitag jedenfalls fiel äußerst zufriedenstellend aus. „Wir haben unsere Aufgabe gut erledigt“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Beim ungefährdeten 4:1 agierte sein Team sehr zielstrebig, erarbeitete sich viele Chancen und vor allem hielt es sein Niveau über die komplette Spielzeit. „Wir haben sehr an diesem Punkt gearbeitet und versucht, zu viele Duelle Eins gegen Eins zu vermeiden und einfach im Team zu spielen“, so Bell, der den ersten Treffer erzielte. Individuelle Fehler, sonst ein Problem, wurden auf diese Weise verringert.
Grizzly Adams sind ein gefährlicher Gegner
Nun ist aber Wolfsburg nicht Schwenningen, die Niedersachsen liegen auf Rang drei. „Wir werden unser Bestes geben müssen, Wolfsburg spielt sehr konstant und sehr schnell“, sagt Bell. Zu viel Revanchelust bezüglich der Demütigung vom ersten Auswärtsspiel hält Rankel für schädlich. „Das darf nicht mehr die große Rolle spielen“, sagt der Stürmer, „im Mittelpunkt stehen für uns die drei Punkte.“ Um gegen die Grizzly Adams zu bestehen, sei es wichtig, ihnen nicht viel Zeit am Puck zu lassen.
Viel Zeit bleibt in der Hauptrunde der DEL, die am 7. März endet, auch nicht mehr. Der wichtige zehnte Platz, der für das Pre-Play-off nötig ist und den der EHC gerade belegt, ist nicht sicher. Augsburg liegt nur einen Zähler dahinter. Doch die Panther treten Sonntag in Iserlohn, einen Zähler vor den Berlinern platziert, an. Eine gute Konstellation, um sie zu nutzen, müssen die Eisbären in Wolfsburg aber sehr ausgeschlafen sein.





