DEL

Strafrunden für die Eisbären vor dem Überlebenskampf

Der EHC will nicht mehr sexy sein. Dafür fordert der Trainer, dass die Spieler die Arbeitsstiefel am Freitag gegen Schwenningen mitbringen. Am besten wäre, sie würden die auch nicht mehr ausziehen.

Foto: Marius Becker / dpa

Geiz war mal geil, John F. Kennedy war mal für einen Tag ein Berliner, und die Eisbären, die waren mal sexy. Als sie fast so schön kombinierten wie die Russen einst, so schnell spielten wie die Kanadier und so erfolgreich waren wie sonst niemand in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das ist noch immer im Kopf vieler Spieler, aufs Eis bringen es die Berliner aber nicht mehr. Deshalb will der Trainer dieses Thema vom Tisch haben. „Wir müssen unser Spiel vereinfachen und nicht mehr sexy spielen“, sagt Jeff Tomlinson.

Dieses Sexysein aus den Köpfen herauszubekommen, klappt allerdings schlecht. Selbst im Training gibt es Probleme, deshalb unterbrach der Coach am Donnerstag die Übungen, schnauzte die Spieler an und ließ sie zur Strafe laufen. „Die Ausführung der Übungen war nicht gut heute“, so Tomlinson. Dabei ist es ihm sehr wichtig, dass die Profis jetzt voll bei der Sache sind. In Schwenningen steht dem EHC zwar am Freitag ein formell eher schwacher Kontrahent gegenüber (19.30 Uhr, O2 World), doch der beherrscht es gut, die Mittelzone abzudecken. „Das wird die Herausforderung sein für uns, da durchzukommen und das Spiel zu gestalten“, erzählt der Trainer. Mit Schönspielerei komme man da nicht weit. Tomlinson: „Da müssen wir die Arbeitsstiefel mitnehmen.“

Am besten sollten die Berliner die auch nicht mehr ausziehen. Sechs Spiele sind es bis zum Ende der Hauptrunde noch, und aktuell befindet sich der EHC als Elfter außerhalb der Pre-Play-off-Ränge. Der zehnte Platz ist aber lediglich einen Punkt entfernt, Rang neun auch nur zwei. Es ist alles drin für den Titelverteidiger. Aber Niederlagen können sich die Eisbären kaum leisten, soll die Saison nicht schon am 7. März enden.

Olympiaszenen für die Inspiration

Ein bisschen was für die Inspiration soll es auch bald geben, Tomlinson will nach den Olympischen Spielen ein paar Szenen zusammenschneiden und sie seinen Spielern zeigen. Für den Kanadier, „es fällt mir schwer, dass zu sagen“, sind die Amerikaner am beeindruckendsten. Er kann sich damit aber arrangieren, schließlich lebt er schon lange in den USA. Außerdem: Die Amerikaner spielen gerade einfach auch verdammt sexy.