Eishockey

Eisbären entwickeln sich zum Meister im Verlieren

Der EHC kann den Ausfall von neun Profis nicht kompensieren und unterliegt mit unerfahrenen Nachwuchsspielern Schwenningen nach Penaltyschießen 3:4. Es ist die dritte Niederlage in Folge.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Mario Stiehl

Ab und zu kommt eines dieser Bilder. Wenn die Spieler des EHC Eisbären vorgestellt werden, lugt auch mal einer der Nachwuchsakteure der Berliner vom großen Videowürfel in das weite Rund der Arena. Hier und da dürfen sie reinschnuppern und sehen, wie es so ist in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Wer vom Trainerstab zu den Profis berufen wird, sitzt dann die meiste Zeit auf der Bank. Es gibt ja genug erfahrene Spieler, die beim Deutschen Meister den Job auf dem Eis erledigen.

Gegen die Schwenninger Wild Wings traf Letzteres nicht mehr zu. Eigentlich ist es fast müßig zu erwähnen, dass der Titelverteidiger nicht mit komplettem Kader auflaufen kann. Das ist schon Standard in dieser Saison. Zu den sechs Ausfällen vom Freitag gesellten sich nun aber noch zwei Grippekranke. Der halbwegs erfahrene Thomas Supis, der nachrücken sollte, konnte es verletzungsbedingt auch nicht möglich machen, so dass der EHC neun Profis ersetzen musste.

Das gelang nur ungenügend, vor 14.200 Zuschauern verlor der Neunte der Tabelle nach Penaltyschießen 3:4 (2:2, 0:0, 1:1, 0:0, 0:1). „Wir haben hart gekämpft und alles versucht“, sagte Trainer Jeff Tomlinson nach der dritten Niederlage in Folge. Die kleinen Porträtbilder, die diesmal also bei der Vorstellung über den LED-Würfel flimmerten, erweckten zunächst den Eindruck, hier würde sich jemand in der Regie einen kleinen Scherz erlauben. Milchgesicht nach Milchgesicht erschien dort, als würde eine Nachwuchsmannschaft der Eisbären präsentiert.

„Noch nie eine so unerfahrene Mannschaft“

Dominik Gräubig, 17 Jahre alt, Jonas Müller, 18, Jonas Schlenker, 19, Christoph Kabitzky, 19, John Koslowski, 19, hießen die Akteure, die die Löcher stopfen sollten. Alle nur mit wenig mehr als einer Handvoll DEL-Spielen in der Bilanz – oder weniger. „Eine so unerfahrene Mannschaft hatten wir noch nie auf dem Eis“, sagte Manager Peter John Lee. Dabei lag der Altersdurchschnitt nur deshalb bei 24,3 Jahren, weil Alex Trivellato ihn mit seinem gestrigen 21. Geburtstag ein wenig anhob. Alles in allem standen Trainer Jeff Tomlinson nur zwei routinierte Angriffsreihen zur Verfügung, in der Abwehr kam gerade mal ein erfahrenes Paar zusammen.

„Wir haben viele Konter zugelassen“

Es gibt bessere Voraussetzungen, um im Kampf um den Einzug in das Play-off zu bestehen, als sechs Akteure auf dem Spielberichtsbogen einzutragen, die eigentlich im Nachwuchs zu Hause sind. Zu diesem Schluss dürften auch viele Zuschauer am Sonntag in der Arena gekommen sein, als es nach drei Minuten schon 0:1 stand. Morton Green nutzte einen Fehler, begangen allerdings von Shawn Lalonde, dem derzeit eigentlich besten Berliner Verteidiger.

Patzer bleiben bei solch einer Konstellation, wie sie die Eisbären durchleben, kaum aus. „Wir haben viele Konter zugelassen“, stellte etwa Youngster Jonas Müller fest. Schwenningen stand geschickt in der Mittelzone, machte dort die Räume eng und provozierte so Puckverluste der Berliner. Trotzdem gelang es den Eisbären, sich mit der Situation zu arrangieren, Matt Foy glich aus (6.). Dass er danach wegen einer Prügelei 14 Minuten auf die Strafbank musste, half allerdings nicht, weil mit dem 30-Jährigen noch mehr Erfahrung im Berliner Team verschwunden war.

Mit viel Willen machten die Eisbären auch diese Widrigkeit wett, dem erneuten Rückstand durch Alexander Dück (9.) ließ Barry Tallackson in Überzahl das 2:2 folgen (16.). Travis Mulock traf in Unterzahl sogar zum 3:2 (41.). Doch obwohl Tomlinson die jungen Spieler fast alle regelmäßig einsetzte, lag die größte Last natürlich auf den Schultern der Alten. Dass die schon lange das Fehlen der Kollegen kompensieren müssen, fällt inzwischen auf. „Natürlich spielt Müdigkeit jetzt eine Rolle“, sagte Tomlinson. Jim Sharrows Fehler, der zum 3:3 durch Nicholas Peterson führte (54.), gehörte in diese Kategorie. Er ließ sich auch im Penaltyschießen nicht mehr ausbügeln. Und er wird dazu beitragen, dass sich Trainer Tomlinson das nun schon seit drei Heimspielen andauernde Pfeifkonzert von einem Teil der Eisbären-Fans bei seiner Vorstellung weiter anhören muss.