Play-off-Qualifikation

Eisbären kämpfen verzweifelt gegen das frühe Saison-Aus

Titelverteidiger EHC Eisbären muss darum bangen, nicht zum ersten Mal seit 2001 direkt nach der Hauptrunde in den Urlaub geschickt zu werden. Ein Sieg gegen Schwenningen brächte etwas Entspannung.

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Sonnabendnachmittag war es wieder soweit, es wurde geredet. Die Partie am Tag zuvor gab den Protagonisten des EHC Eisbären genügend Stoff an die Hand. Emotional ging es hin und her, 0:3 lag der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in München hinten, es gelang das 3:3, plötzlich war mehr drin, Überzahl kurz vor Schluss. Und dann? „Wir hatten das Momentum und sind gegen die Wand gefahren“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Gegentor im eigenen Powerplay, Frust, noch zwei Gegentore, 3:6 und wieder einen Schritt zurück statt nach vorn gemacht.

Genau 18 Partien sind in der Hauptrunde der DEL für die Berliner noch zu absolvieren, ein Drittel also von insgesamt 52 Spielen bleibt noch, um die Ansprüche doch halbwegs in die Realität zu transportieren. „In München hat die Mannschaft gezeigt, dass sie kämpfen kann“, sagt Tomlinson. Er will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich dieser Kampf irgendwann noch mal auszahlt. Als Trainer kann er wohl auch gar nicht anders. Nur verschiebt sich die Perspektive von außen betrachtet stetig mehr, hin in eine Richtung, die beim Deutschen Meister niemandem gefällt.

Mittlerweile beträgt der Abstand zum sechsten Platz, der den direkten Einzug in das Viertelfinale ermöglicht, gerade zehn Punkte. Für den Neunten der Liga gewinnt der Blick auf die Verfolger jedoch stetig mehr Bedeutung. Platz elf und damit das Verpassen des Pre-Play-offs ist nur noch acht Punkte entfernt, der Tabellen-13. Schwenningen, der am Sonntag in Berlin zu Gast ist (14.30 Uhr, O2 World), kann mit einem Sieg den Rückstand sogar auf sieben Zähler verkürzen. Es droht inzwischen ein Desaster, wie es das seit 2001, als letztmals das Play-off gänzlich verpasst worden ist, nicht mehr gegeben hat.

Lee: „Wir brauchen Punkte“

Mit dem Abschied von höheren Ambitionen tun sich die Berliner allerdings schwer. „Es ist egal, wohin wir schauen. Wir brauchen Punkte“, sagt Manager Peter John Lee. Obwohl es niemand aussprechen will, scheint dennoch langsam die Erkenntnis zu reifen, dass es in den nächsten Wochen lediglich darum geht, die eigene Haut zu retten und sich angesichts der andauernden Verletzungssorgen (Tomlinson: „Andere Mannschaften hätten bei diesen Ausfällen auch Probleme“) irgendwie ins Pre-Play-off zu schleppen. Um das zu schaffen, braucht es eine gesunde Einstellung zur Wirklichkeit. Zu viele im Team betrachten die Eisbären noch als Spitzenmannschaft, die nur Pech hat. Doch hinter der Tabelle steckt mehr. Das wäre auch mal ein gutes Gesprächsthema für einen Sonnabendnachmittag.