Niemand wollte sich beklagen. Zwar fiel die Bemerkung, dass ein Punkt verschenkt worden sei gegen Straubing. Da der EHC Eisbären in den beiden Vergleichen zuvor aber gar keinen Zähler verbuchen konnte, herrschte trotz des verlorenen Punktes allgemeine Zufriedenheit. „Das waren gute zwei Punkte“, sagte Verteidiger Frank Hördler.
Ein Berliner strich dennoch drei Zähler ein. Mark Bell bereitete beide Treffer in der regulären Spielzeit vor, im Penaltyschießen markierte er das Siegtor zum 3:2. Sein Anteil am Erfolg und daran, dass der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) weiter im Kampf um die direkte Viertelfinal-Teilnahme mitmischen kann, war also enorm. Dafür übernahm er den Hut, den der beste Spieler einer Partie bei den Eisbären tragen darf – oder muss. Mark Bell freute sich jedenfalls. „Das ist das erste Mal für mich“, sagte der Kanadier und lachte.
Lange ist er ja auch noch nicht dabei, gerade fünf Wochen trägt Bell nun das Trikot der Eisbären. Geholt haben sie den früheren NHL-Profi (459 Spiele), der zuvor ein Jahr in Iserlohn spielte, weil es personell eng ist bei den Berlinern, und weil der 33-Jährige über jede Menge Erfahrung verfügt. Ein Fazit kann Trainer Jeff Tomlinson nach elf Einsätzen von Bell bereits ziehen: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, ihn zu holen.“
Vier Tore und vier Vorlagen in elf Spielen
Vier Tore stehen in seiner Bilanz, dazu vier Vorlagen. Bell hat sich schnell eingelebt bei den Eisbären. Vor allem im Überzahlspiel, wo er jeweils drei Tore und Vorlagen verbuchte, ist sein Einfluss sichtbar. „Er bringt viel Ruhe und Abgeklärtheit mit. Das ist ganz wichtig für unsere Mannschaft“, sagt Tomlinson. Während andere unter Druck schnell hektisch werden und auch die Tabellensituation mit Platz neun nicht gerade zur Beruhigung der Nerven beiträgt, bleibt Bell unaufgeregt. „Er ist ein cooler Typ“, so Tomlinson. Das Penaltyschießen bestätigte das, gleich zweimal musste er antreten, beide Male traf er.
Dass er noch immer einen kleinen Rückstand hat, fällt bei dem Angreifer kaum auf. Wegen der vielen Spiele konnten die Eisbären noch nicht genügend an der Fitness von Bell arbeiten. „Aber er spielt so schlau, er denkt schneller als andere und ist immer gut positioniert“, erzählt der Trainer. Gerade in diesen Tagen erlegt der Spielplan den Eisbären allerdings große Belastungen auf, zudem spielt der Meister wegen Verletzungsproblemen überwiegend mit drei Reihen. Als Problem betrachtet Bell das trotz leichter konditioneller Defizite. „Wir haben alle genug im Tank. Das müssen wir allerdings auch zeigen und dürfen solchen Sachen wie gegen Straubing nicht zulassen“, so der routinierte Stürmer. Nach der 2:0-Führung glich Straubing die Partie aufgrund der mangelhaften Defensivarbeit der Berliner aus.
Zum Jahresabschluss nach Düsseldorf
Trotz dieses Ausrutschers liest sich die aktuelle Bilanz besser, als es der Gesamteindruck der Saison vermuten lässt. Fünf der vergangenen sechs Spiele hat der EHC gewonnen, dass sich die Mannschaft gegen die bisher in den Duellen erfolgreichen Straubinger durchsetzen konnte, steigert das Selbstbewusstsein zusätzlich. „Die Mannschaft ist durch die vielen Verletzungen noch ein bisschen enger zusammengerückt. Das merkt man“, sagt Tomlinson. Dieses Gefühl werden die Berliner im letzten Spiel des Jahres brauchen, der Titelverteidiger tritt am Montag in Düsseldorf an. Auch gegen den Tabellenletzten der DEL gingen beide vorherigen Vergleiche verloren. Nun fühlt es sich an, als wären selbst zwei Punkte nicht genug.





