Eishockey

Das Loch in der Mitte der Eisbären ist endlich gestopft

Der wieder erstarkte Darin Olver, Rückkehrer Matt Foy und Neuling Mark Bell heben den Angriff der Eisbären auf ein besseres Niveau. Für den Trainer ist das gut, er hat viel mehr Optionen.

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Nordamerikaner umschreiben die Dinge gern. Sturmreihen im Eishockey etwa werden da mit den Anfangsbuchstaben der drei Spieler abgekürzt und ergeben dann Worte oder Begriffe. Als Iserlohns Mike York noch bei den New York Rangers in der NHL mit den Superstars Theoren Fleury und Eric Lindros stürmte, war das die „FLY-Line“.

Bei den Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wurde zuletzt hinter vorgehaltener Hand öfter mal von der Donut-Reihe geredet. Diese Bezeichnung hatte nun nichts mit den Namen zu tun, aber sie umschrieb den Zustand. In der Mitte befand sich ein Loch. Und zwar in der ersten Reihe, zwischen Barry Tallackson und Florian Busch.

Dieser Platz gehört Darin Olver. Eigentlich ein Mittelstürmer, der verlässlich Tore schießt und Punkte sammelt. In dieser Saison aber erwies er sich lange als Totalausfall, ein Treffer und drei Vorlagen gelangen ihm in 18 Partien. Beim 5:2 gegen München am Freitag erzielte er nun sein zweites Tor, in den beiden Spielen zuvor legte er vier Treffer auf. Das Loch in der Mitte ist gestopft. „Ich habe jedes Spiel gehofft, dass es endlich wieder losgeht. Jetzt bin ich sehr erleichtert“, sagt Olver. Während der Länderspielpause habe er eine Woche lang nicht an Eishockey gedacht. „Das hat mir geholfen, das Mentale ist genauso wichtig wie das Körperliche“, sagt er.

Plötzlich trifft die dritte Reihe wieder

Allein seine Wiedergeburt als Lenker des Spiels hebt die Eisbären auf ein anderes Niveau, mit Matt Foy und Mark Bell steigt es noch weiter. Der Angriff des Titelverteidigers hat nach der Länderspielpause jetzt durch diese drei ein stark verändertes Gesicht, die Dinge erscheinen sehr gegensätzlich. „Vor der Pause haben wir fehlende Tiefe im Angriff beklagt, nun ist der Kader eine automatische Drohung für jeden“, sagt Trainer Jeff Tomlinson.

Drei Wochen ist es erst her, da spielten die Berliner quasi mit einer Sturmreihe, weil Olver nicht funktionierte und die dritte Formation nur als Atempause für die anderen aufs Eis kam. Eine vierte Reihe gab es nicht.

Tomlinson hatte also keine Wahl, er konnte nur den Mangel verwalten. „Jetzt sind ihm nicht mehr die Hände gebunden, weil er keine Optionen hat“ erzählt Manager Peter John Lee. Foy kam nach der Pause nach einer Verletzung erstmals in dieser Saison aufs Eis, Bell wurde gerade verpflichtet. Beide trafen gegen München, Bell sogar in seinem ersten EHC-Spiel. Foy hatte zuvor bereits der dritten Reihe neues Leben eingehaucht mit seinem unglaublichen Willen.

„Über diese Energie, die er hat, verfügen nur wenige“, sagt der Trainer. Plötzlich ist die dritte Formation wieder für Tore gut, kann dem Gegner wehtun. Foy rackert, schafft Räume, hat Übersicht und Ideen, er läuft jeden Sprint, als ob es sein letzter sein könnte. Seit er zurück ist, treffen auch die anderen beiden in der Reihe, Laurin Braun und Mads Christensen, wieder.

Bell kann als Außen- und als Mittelstürmer spielen

Christensen dürfte sich trotzdem genau wie Daniel Weiß bald in der vierten Reihe wiederfinden. Dort war zunächst Bell im Einsatz, der jedoch ist zu mehr berufen. In 459 NHL-Spielen kam er auf 87 Tore und 95 Vorlagen, was mehr ist, als der bei den Eisbären legendäre Denis Pederson (58/75) zu bieten hatte. „Die Eisbären wollen viel“, sagt Bell, „deshalb haben sie mich geholt. Ich habe immer eine große Rolle bei meinen Klubs gespielt und auf jedem Level gescort.“

Zudem ist Bell flexibel, kann als Außen- und Mittelstürmer spielen. Weshalb sich der Trainer gar nicht mehr auf feste Reihen einengen lassen will. Sollte etwa Olvers Steigerung nur ein kurzer Höhenflug sein, könnte er nun gegen Bell ausgetauscht werden. „Wir haben jetzt richtig Druck im Team“, so Tomlinson. Er kann großzügig Denkpausen verteilen, wenn die Leistung nicht stimmt. Und er kann mit vier Reihen spielen.

Einiges deutet also darauf hin, dass die Berliner, die am Dienstag beim Tabellenführer in Köln antreten, wieder über einen Angriff verfügen, der gewohnt offensivstark ist und der die lange in dieser Saison anhaltende mangelnde Torausbeute vergessen macht. Und der niemanden mehr an fettiges Gebäck mit Loch in der Mitte denken lässt.