Das Lächeln ist fast so breit wie sein Gesicht. Constantin Braun bleibt stehen, als er vom Eis kommt, unterhält sich kurz mit seinem Vater, der ein bisschen zugeschaut hatte. Drei Meter weiter warten Fans: Einmal den Namenszug auf ein Trikot schreiben, bitte! Gern. Noch ein Foto, ein Händedruck hier und da, ein kurzer Plausch. Die Welt ist schön bei den Eisbären. So sieht es an diesem Vormittag aus im Sportforum Hohenschönhausen.

Fünf Minuten später weiß Braun nicht mehr, was er sagen soll. „Zum ersten Mal seit vier Wochen war er sprachlos“, erzählt Peter John Lee. Der Manager des deutschen Eishockeymeisters hatte ihm da gerade erklärt, dass er am Freitag gegen Red Bull München spielen darf (19.30 Uhr, O2 World). Vier Wochen veranstaltete Braun „fast Telefonterror“, immer wieder habe er beteuert, spielen zu wollen, fast darum gebettelt. Doch Lee ging das zu schnell, er blieb vorsichtig. Vor gut vier Monaten erst wurde Brauns Leben auf den Kopf gestellt, die Eisbären mussten sich mit einem sehr ernsten Thema auseinandersetzen: Der Verteidiger machte seine Erkrankung an einer akuten Depression öffentlich und nahm eine Pause auf unbestimmte Zeit. Jetzt ist er zurück, auch für ihn selbst überraschend früh.

Saisondebüt gegen München

Als er seine Fassung wiedergefunden hat, berichtet Braun von seiner Freude. „Es geht für mich darum, wieder reinzukommen, das zu genießen und aufzusaugen. Mehr will ich auch gar nicht“, sagt der 25-Jährige. Mit dem 20-jährigen Alex Trivellato wird er ein Abwehrpaar bilden. „Ich habe ihn zuletzt mehr beobachtet. Einiges werde ich mit ihm noch besprechen, wie ich es so haben will“, erzählt Braun. Er demonstriert Selbstbewusstsein, als wertvollster Spieler des vergangenen Play-off verfügt er naturgemäß über reichlich davon.

Aber alle wissen jetzt, dass er nicht allein diese präzise funktionierende Sportmaschine, nicht nur Kämpfer und Antreiber ist. Zwischendurch lacht Braun, er lacht sehr laut, vielleicht auch, um Zweifel zu zerstreuen. Hinter ihm liegt die Erkrankung noch nicht. Nach monatelangem Klinikaufenthalt in Süddeutschland muss er jetzt langsam wieder an das normale Leben herangeführt werden, an den Beruf. „Das ist jetzt die nächste Phase der Therapie“, sagt Manager Lee. Vor drei Wochen hatte Braun bereits längere Zeit mit der Mannschaft trainiert, war dann erneut in die Klinik zurückgekehrt und ist seit einer Woche wieder in Berlin.

An seiner körperlichen Einsatzbereitschaft bestehen keine Zweifel, Trainer Jeff Tomlinson und Manager Lee staunen nur über die Fitness des Spielers, der zuletzt im April eine Partie absolviert hat. Auch die Eingewöhnung in die Mannschaft ging schnell. „Er ist als Mensch wichtig für die Mannschaft, weil er Stimme und Persönlichkeit in der Kabine ist“, sagt Tomlinson. Sportlich erhoffen sich alle mehr Stabilität in der Abwehr mit ihm. „Wenn er gespielt hat, hat er auch immer Eindruck hinterlassen“, so Lee.

Am liebsten wäre beiden, Braun könnte sofort ganz normal und viel spielen. Aber letztlich ist die Rückkehr eben vor allem ein Herantasten. Die Welt ist zwar wieder schön bei den Eisbären, aber auch noch fragil.

Ein Rückfall in die Depression ist möglich

Ausschließen kann die Möglichkeit eines Rückfalls nämlich niemand. Lee erwähnt das. Er hat Braun intensiv begleitet in den vergangenen Monaten. „Ich war auch vergangene Woche in der Klinik und habe mit allen gesprochen“, sagt der Manager. Für ihn steht die Fürsorge gegenüber dem Spieler über allem, alle Eventualitäten sollen abgesichert sein. Die fortlaufende medizinische Unterstützung ist da selbstverständlich. „Wir wissen, wie mit allem umzugehen ist“, sagt Lee und ist froh, dass die Rehabilitation bislang so gut verlaufen ist. Schließlich gibt es auch andere Beispiele.

Der Kontakt nach außen soll vorerst gering gehalten werden, Braun soll vor allem spielen und nicht viel über sich erzählen müssen in der Öffentlichkeit. „Ich freue mich riesig, mit den Jungs wieder aufs Eis gehen zu können“, sagt er. Gegen München will er sein Spiel einfach halten, nicht nur, weil die Bayern offensivstark sind, sondern weil das beim Saisondebüt die beste Art ist, Fehler zu vermeiden und ihn am ehesten zu seinem nächsten Ziel führt: „Als Verteidiger will ich natürlich zu null spielen.“ Das wird nicht einfach, doch der Weg bis hierher war deutlich schwieriger für Constantin Braun.