Der Plan war ein anderer. Abwehr wie gewohnt, hieß er. Zunächst einmal im dritten Defensivpaar. Nach vier Monaten Auszeit wegen einer akuten Depression schien eine allzu große Veränderung auch nicht angebracht.

Dann aber stand Constantin Braun am Freitagabend in der Starting Six des EHC Eisbären. Gerade so, als sollte er seine Rückkehr richtig auskosten. Die Fans hatten seinen Namen schon beim Einlaufen in die Arena überlaut skandiert.

Als die Startaufstellung genannt wurde, wiederholte sich das. Ziemlich viel Aufmerksamkeit für jemanden, der erst langsam wieder seinen Weg zurück ins normale Leben finden soll. Sie stieg um so mehr, weil Braun plötzlich in der ersten Sturmreihe auftauchte.

Überhaupt musste Trainer Jeff Tomlinson viel improvisieren. Die Angreifer Florian Busch (Hüfte) und André Rankel (Virusinfektion) fielen unerwartet aus. Jede Angriffsformation wurde dadurch verändert. Zudem gab Mark Bell sein Debüt, nach nur einem Training mit dem Team.

Das alles wirkte sich aus auf das Spiel des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), der oft fahrig agierte gegen Red Bull München. Doch es genügte, um die Partie zu gewinnen, mit 5:2 (1:1, 2:0, 2:1) setzte sich der EHC durch.

Braun suchte eine Weile nach Orientierung

Mit einem großen Plakat hießen die Anhänger Braun willkommen. Dass er früher als gedacht wieder auf dem Eis steht, ist Teil seiner Therapie. Und dass er nun den Angreifer geben musste, erschien zwar ungewohnt, aber auch nicht ganz abwegig. Schließlich hatte der 25-Jährige mal als Stürmer bei den Eisbären angefangen.

Doch nervös war er trotzdem, er suchte eine Weile nach Orientierung. Beim 0:1 durch Thomas Holzmann hatte er sie noch nicht gefunden (4.), wie öfter in den ersten Minuten bekam er den Puck nicht unter Kontrolle und verschuldete den Gegentreffer.

Rückstand durch Ex-Berliner Barta

Toller Start für Red Bull also. Für Alexander Barta, den Kapitän, der in Berlin geboren wurde und nun als Münchener in Berlin sein 500. DEL-Spiel absolvierte. Nach dem ersten Meistertitel 2005 hatte er den EHC, seinen Heimatklub, verlassen.

Das lag damals auch am Trainer, Pierre Pagé konnte nicht viel mit ihm anfangen. Als Barta im Sommer in München unterschrieb, wusste er nicht, dass wenig später Pagé als Trainer nach München kommen würde. Offenbar kommen beide nun miteinander aus.

Generell gilt das nicht unbedingt bei Red Bull. Der cholerische Kanadier, der fünf Jahre in Berlin verbrachte und zwei Titel mit den Eisbären gewann, beklagte jüngst, dass nur zwei Spieler in der Mannschaft verstanden hätten, was er will.

Davon zeugt auch die Platzierung, trotz großer Investitionen rangiert die Mannschaft außerhalb der Play-off-Plätze. Wer Pagé kennt, der weiß, dass angesichts dieser Situation schon oft die Fetzen geflogen sind in der Kabine. Er verhehlt das auch nicht. Alle seien „böse“ gewesen, bekannte der 65-Jährige. Der Trainer, die Spieler, die sich über eine zu harte Gangart beschwerten.

Inzwischen scheint das Klima milder zu sein. Was mit Larry Huras zu tun hat. Den holte sich Pagé für zwei Wochen als Aushilfsassistenten. Was verwundert, da Huras (58) selbst ein über viele Jahre erfolgreicher Coach war, der drei Titel in der Schweiz gewann. Bei Pagé kommt er nun vor allem als Brandherdbekämpfer zum Einsatz. Jetzt sei viel bessere Stimmung in der Kabine, bemerkte Verteidiger Andy Wozniewski. Einen Psychologen engagierte Pagé gleich mit.

Viel Eiszeit für die Debütanten

Dennoch bestimmten die Berliner vor 11.800 Zuschauern in der O2 World bald das Geschehen in der etwas konfusen Partie und glichen durch Matt Foy aus (15.). Nur das Überzahlspiel blieb zuweilen unkoordiniert. Mit zwei Mann mehr auf dem Eis glückte den Berlinern kaum ein Torschuss. Allerdings erhielten mit Braun, der hier stets auf die Verteidigerposition rückte, und Bell gleich zwei Debütanten reichlich Eiszeit im Powerplay.

Mit gleicher Spieleranzahl fügte es sich aber bald besser. Darin Olver schloss einen Konter zum 2:1 ab (36.). Kris Sparre stocherte den Puck zum 3:1 über die Linie (40.). Auch Braun hatte eine Gelegenheit, er verpasste sie, musste wenig später auf die Strafbank und von dort sehen, wie München durch Darren Haydar verkürzte (52.). Casey Borer stellte den alten Abstand jedoch wieder her (55.), und Bell sorgte mit dem 5:2 (56.) dafür, dass der Alternativplan der Eisbären aufging.