An sich ist die Kabine heilig, da kommen nun wenige rein. Beim EHC Eisbären aber manchmal doch Leute, die außerhalb des Teams stehen. Und noch dazu völlig unpassende Ansichten vertreten. „Ich hätte gestern fast jemanden aus der Kabine geschmissen“, sagt Trainer Jeff Tomlinson am Dienstag. Der Übeltäter sprach abschätzig von der Düsseldorfer EG, dem Gastgeber der Berliner am Mittwoch-Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Tomlinson hat eine persönliche Beziehung nach Düsseldorf, war dort zwei Jahre Trainer. Doch nicht deshalb störten ihn die Worte des Kabinenbesuchers. Sie vermittelten vielmehr den Eindruck, es handle sich bei der DEG um Laufkundschaft. Was beim Tabellenletzten nicht weit hergeholt ist. Doch die Berliner sind selbst nur Zwölfter der Liga, mit vier verlorenen Spielen hintereinander. Platz für Hochmut bleibt da überhaupt nicht, das weiß Tomlinson, sonst ist die nächste Niederlage programmiert.

Die soll unbedingt vermieden werden. Dazu ließ der Trainer das Überzahlspiel intensiv üben. Außerdem wollen die Berliner einfach spielen. „Weniger ist mehr, wir müssen fast primitiv spielen“, fordert der 43-Jährige. Bei den Eisbären liegt es eher in der Natur, dass sie ihre Spielzüge besonders kunstvoll vortragen wollen, mit genau überlegten Abschlüssen. Das empfindet der Trainer in dieser Phase allerdings als unpassend. Weil es die Probleme, die gerade beim Toreerzielen herrschen, nur verstärkt. Es klappt wenig, verzweifelt wird dann noch mehr probiert. „Falschen Ehrgeiz“, nennt Tomlinson das.

Anpassungen schnell erforderlich

Offenbar fällt es den Eisbären aber schwer, sich dem leichten Spiel hinzugeben, einfach nur die Scheibe nach vorn zu bringen. „Wir müssen uns daran erst anpassen“, sagt der Deutsch-Kanadier. Eine Voraussetzung dafür ist, den Gegner nicht zu unterschätzen und ihn mit zu kompliziertem Puckgeschiebe dazu einzuladen, auf den Scheibenverlust zu warten und zu kontern. Die Frage ist: Wie schnell können sich die Profis mit den neuen Anforderungen anfreunden?

Tomlinson hat nun immerhin Zeit, sich um jeden ein bisschen intensiver zu kümmern. Mittwochfrüh beginnt die Reise nach Düsseldorf, sie führt über Schwenningen, wo die Berliner am Freitag spielen, und letztlich am Sonntag nach Mannheim. Erst Montagmittag kehrt der Titelverteidiger nach Berlin zurück. „Das werde ich nutzen, um mit den Jungs Gespräche zu führen und viel mit Video zu arbeiten“, sagt Tomlinson. Er hat dann eine Trainingslageratmosphäre, in der das Team ein bisschen enger zusammenfinden kann. Das könnte sich in der Situation, in der sich die Eisbären gerade befinden, auszahlen.

Düsseldorf ist leicht zu unterschätzen

Doch zunächst Düsseldorf nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, stellt schon eine Herausforderung dar. Bereits vergangene Saison war die DEG Letzter, der Platz scheint auch diesmal reserviert zu sein. Wegen großer finanzieller Probleme steht nur eine Handvoll erfahrener Spieler im Kader, der Rest ist jung und auf Dauer kaum konkurrenzfähig. Bislang gab es nur hohe Niederlagen in dieser Saison, einzig gegen Aufsteiger Schwenningen gelang ein Punkt. „Es ist gefährlich, so zu denken“, sagt Trainer Jeff Tomlinson.

An den Fähigkeiten seiner Spieler zweifelt er nicht. „Unsere Leute sind gut genug“, findet Tomlinson und sieht keinen Grund, sich auf dem Transfermarkt umzuschauen. Genau diese Option hat sich Manager Peter John Lee aber offen gehalten, falls er eine Notwendigkeit erkennt. Die nächsten Tage werden zeigen, ob er sie vielleicht ziehen muss oder ob Tomlinson Recht behält.