Der Druck ist jetzt da. Und er ist groß. Als erstes kleines Ziel auf dem Weg durch die lange Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wollte Jeff Tomlinson 18 Punkte aus den ersten zehn Partien holen. Ein Ausrutscher noch, dann wäre das erste Ziel des neuen Trainers bereits verpasst. Denn um auf 18 Zähler zu kommen, müsste der EHC Eisbären in den vier folgenden Spielen alle zwölf möglichen Punkte holen.

Umgekehrt bedeutet das, dass zuletzt einiges schief gegangen ist. Zwei Siegen zum Start folgten vier Niederlagen, Platz zwölf in der Tabelle ist die Quittung dafür. Die Mannschaft wirkt verunsichert, die als torhungrig bekannten Profis treffen nicht mehr. Drei Tore in vier Partien ist eine traurige Ausbeute. „Einfach nur warten, dass sich das ändert, können wir nicht“, sagt Manager Peter John Lee. Er hat erkannt, dass die Herangehensweise nicht immer passt bei den Spielern. „Sie denken zu viel nach“, sagt Lee.

Leichtigkeit und Lockerheit sind den Eisbären dabei abhanden gekommen, tauchen die Berliner vor dem Tor auf, fangen die Nerven an zu flattern. „Wir halten den Schläger zu fest“, sagt Tomlinson, der eigentlich Vorgänger Don Jackson nacheifern und Titel holen will. Was dem alten Trainer erstmals in dessen vierter Saison im Februar 2011 unterlaufen ist, nämlich vier Niederlagen in Folge, schaffte Tomlinson nun schon nach sechs Spielen. Dazwischen gab es Anfang des Jahres noch einmal eine Serie mit vier Pleiten.

Jetzt drei Auswärtsspiele in einer Woche

Viel Zeit, ein paar Dinge zu korrigieren, bleibt jetzt gar nicht. Drei Spiele stehen in dieser Woche auf dem Programm, alle auswärts. Vielleicht hilft das ja. „Auswärts ist man oft noch besser konzentriert“, sagt Lee. Das noch sieglose Schlusslicht Düsseldorf ist am Mittwoch der Gastgeber, an sich ein guter Gegner für das lädierte Selbstvertrauen. Das soll unter anderem durch simple Unternehmungen gestärkt werden. Man müsse immer wieder auf das Tor schießen, hinterhergehen und den Puck irgendwie über die Linie drücken, sagt Verteidiger Frank Hördler. Eines will er vermeiden: „Bloß keine Panik“, sagt er.

Jeff Tomlinson hat im Spiel der Eisbären das Prinzip der Ketchup-Flasche erkannt. Momentan kommt nichts raus, bald schon erwartet er die volle Ladung. Dafür spricht, dass die personell fast unveränderten Berliner das Toreschießen nicht verlernt haben können. Vorerst aber gilt der schwierige Vorsatz: „Wenn wir nur ein oder zwei Tore schießen, müssen wir defensiver stehen, um ein Spiel auch mal 1:0 gewinnen zu können“, so Tomlinson. Dessen Start war übrigens nicht schlechter als der Beginn der Vorsaison. Auch da hatte der Titelverteidiger nach sechs Spielen nur sechs Punkte.