Eishockey

Dritte Pleite in Folge für die Eisbären Berlin

Der Meister hat in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zum dritten Mal nacheinander verloren. Die Eisbären Berlin unterlagen am 5. Spieltag in eigener Halle dem EHC Wolfsburg mit 1:3

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Eines weiß Manager Peter John Lee über jede Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu sagen, er spricht dann von einer langen Reise. Und die sei immer anders. Ein paar Dinge aber, die erwartet er stets ähnlich. Im Programmheftchen für das Spiel des EHC Eisbären gegen die Grizzly Adams Wolfsburg schrieb Lee, dass er ein Offensivspektakel wie beim 7:5 gegen Iserlohn vor zwei Wochen erwarte. Denn gegen die Niedersachsen fallen ja traditionell recht viele Tore.

Doch diesmal täuschte sich der Chef des Meisters. Treffer gab es nicht viele zu sehen für die 12.900 Zuschauer in der O2 World. Noch dazu fielen die, auch im Gegensatz zu sonstigen Erfahrungen gegen Wolfsburg, überwiegend auf der falschen Seite. Mit 1:3 (0:0, 0:2, 1:1) unterlagen die Eisbären. In der Bilanz stehen nun zwei Siege und drei Niederlagen, der gute Start ist dahin.

Jeff Tomlinson dürfte nicht behagt haben, was er da ansehen musste. Nachdem das erfolgreiche erste Wochenende nahegelegt hatte, dass die Umorientierung der Mannschaft auf den Spielstil des neuen Trainers zügig erfolgt sei, zeigt sich mehr und mehr, dass dies noch Zeit braucht. Je länger die Partie dauerte, desto mehr Probleme hatten die Eisbären, Ordnung zu halten. Teilweise wirkte das Spiel wirr und aktionistisch.

Zu wenig Kampf, zu wenig Härte

Bei den vorherigen Niederlagen vermisste Tomlinson die richtige Einstellung. Zu wenig Kampf, zu wenig Härte bemängelte er und forderte die Spieler auf, die Drecksarbeit zu erledigen. Mit diesem Vorsatz gingen die Eisbären auch in die Partie gegen die Niedersachsen, die Berliner investierten einiges, um den Gegner zu bedrängen. Trotzdem kamen die Wolfsburger bald besser zum Zug, sie waren quirliger, schneller in ihren Kombinationen und zielstrebiger. Die Berliner Verteidiger drehten sich bei ihren Abwehrversuchen einige Male um die eigene Achse, so dass sie sich fast wie Eiskunstläufer bei Pirouetten vorkommen mussten.

Eine Weile ging das gut. Rob Zepp im Tor tat sich als der beste EHC-Profi hervor, auch einen Penalty von Christoph Höhenleitner fing er ab (17.). Kurz darauf verpasste Daniel Weiß bei der bis dahin besten Berliner Möglichkeit knapp (20.). Doch die Verhältnisse gestalteten sich immer klarer: Als Brett Palin von Patrick Pohl bedient wurde, ging Wolfsburg in Führung (25.). Nur 56 Sekunden später ließen sich zwei EHC-Verteidiger von Tyler Haskins mit einem Bauerntrick narren, Sebastian Furchner stand dadurch frei und erhöhte auf 2:0.

Die Eisbären beschworen Konter herauf

Für die Berliner erhöhte sich damit der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe. Wolfsburg, das hatte Tomlinson analysiert, ist die Mannschaft mit den wenigsten Puckverlusten der Liga. Im Drängen auf einen Treffer verloren die Eisbären mit überhasteten Abspielen stetig mehr ihre Linie – in der Folge kam es dazu, dass die Eisbären den Puck herschenkten und Konter heraufbeschworen. Da auch das Überzahlspiel nicht funktionierte und die Wolfsburger nicht nachließen, boten sich den Eisbären nur wenige Ansatzpunkte, um die Partie noch zu drehen. Immerhin traf Julian Talbot zum Anschluss (54.), doch Furchner stellte den alten Abstand in doppelter Überzahl wieder her (56.).

Ob sich Pavel Gross nun bestätigt sehen darf, sei dahingestellt. Der Wolfsburger Trainer hatte gesagt, dass die Berliner ihre Siegesserie in der DEL ohne Trainer Don Jackson nicht fortsetzen können. Aber die Saison hat gerade begonnen. Eine lange Reise liegt noch vor dem EHC, würde Manager Lee sagen. Die nächste Station ist am Sonntag wieder die O2 World, der Gegner sind die Kölner Haie, der Finalherausforderer der vergangenen Spielzeit (17.45 Uhr, Servus TV).