Eishockey

Die Kölner Haie sind immer noch angefressen

Eisbären empfangen am Sonntag den Finalverlierer der vergangenen Saison. Der Rivale vom Rhein will den Titelverteidiger nun unbedingt ablösen. Die Berliner wollen nach drei Niederlagen einen Sieg.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Lange nachdenken musste Pavel Gross nicht, diese kleine Sache hatte er sofort parat. Schließlich wurmte ihn das lange Zeit. „Seit sechs Jahren bin ich in Wolfsburg, und jetzt ist es das erste Mal, dass wir nach 60 Minuten das Stadion verlassen und gewonnen haben“, sagte der Trainer der Grizzly Adams nach dem 3:1 beim EHC Eisbären. Gross war offenbar erleichtert, dass er diesen wunden Punkt in seiner Karriere endlich wegwischen konnte.

Noch ein bisschen historischer wurde es am Freitagabend in Schwenningen. Seit zehneinhalb Jahren holten die Wild Wings keinen Dreier mehr in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Gut, sie waren auch zehn Jahre nicht in der Liga. Doch der erste Drei-Punkte-Erfolg nach der Rückkehr gelang ihnen beim 2:1 gegen die Kölner Haie. Damit hatten sowohl der Meister und sein Herausforderer einen misslungenen Start ins Wochenende. Enden wird es für einen immerhin versöhnlich, der Titelverteidiger empfängt den Finalisten der vergangenen Saison am Sonntag in Berlin (17.45Uhr, Servus TV).

Köln war nah dran gewesen im April, die Eisbären zu entthronen, ihnen den siebten Titel in neun Jahren zu verwehren. Eigentlich hatten auch alle auf die Kölner getippt, außer in Berlin natürlich, und außer Doug Mason. Eine Million Euro hätte er gewettet, sagte der Trainer der Iserlohn Roosters neulich in Berlin, dass die Eisbären wieder gewinnen. Wegen ihrer unglaublichen Erfahrung im Siegen. So kam es auch, Köln wurde ohne größere Probleme ausgespielt.

In Köln sind sie noch richtig geladen, nachdem sie sogar trotz Heimvorteil klar unterlegen waren. „Wir alle, die Mannschaft und auch die Fans, haben das auf die eine oder andere Weise abgearbeitet. Wir haben unsere Lektionen daraus gezogen“, sagte Trainer Uwe Krupp vor Saisonbeginn: „Wenn wir jetzt noch einmal in die Position kommen sollten, würden wir anders damit umgehen. Mit Heimvorteil gegen Berlin würden wir heute nicht mehr verlieren.“ Die Haie haben ihren Respekt abgelegt.

Haie werden als Favorit gehandelt

Vielleicht ist das der entscheidende Faktor, der nun den Ausschlag geben könnte. Ansonsten hat sich kaum etwas verändert, die Mannschaft ist nahezu dieselbe, Krupp hat hier haargenau das Erfolgsrezept der Berliner kopiert. Die Erfahrung der Vorsaison kann den Rheinländern dazu die nötige psychische Stabilität verleihen. Sie werden jedenfalls diesmal als der große Favorit gehandelt, nicht mehr die Eisbären.

Der Start verlief dennoch holprig, wenn auch nicht so sehr wie beim Titelverteidiger. Der hat gerade zum dritten Mal hintereinander verloren. „Das ist frustrierend, weil wir individuelle Fehler gemacht haben“, sagt Kapitän André Rankel. Die Kölner merken ebenso, dass es schwerer geworden ist nach der guten vorigen Spielzeit. Der Überraschungseffekt ist weg, jeder nimmt die Haie sehr ernst und stellt sich besonders auf sie ein. Die Berliner kennen das bestens, sie fanden immer einen Weg, sich dieser Probleme zu erwehren. Das müssen die Kölner Haie erst noch lernen.