Manchmal kann Werbung nicht besser platziert sein, weil sie so genial in die Zeit passt. In der O2 World etwa dröhnt aus der Lautsprecheranlage aktuell ein Spot, der für die Übertragungen eines Radiosenders von den Spielen des EHC Eisbären wirbt. In den Drittelpausen kommt das nicht so gut, weil sich im Spiel ja noch einiges tun kann. Am Ende aber, als der Spot erneut erklingt, da gibt es eben keine treffendere Beschreibung der Situation. „Jetzt muss hier aber mal was passieren. Das kann sich der DEL-Rekordmeister nicht bieten lassen“, wird da aus einer Reportage zitiert.
Nach der vierten Niederlage im sechsten Saisonspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) teilen viele Fans der Eisbären diese Einschätzung. Die meisten erwarteten, dass gegen die Kölner Haie etwas passieren würde, nachdem bei den drei aufeinanderfolgenden Niederlagen zuvor nur zwei Treffer gelangen. Doch beim 1:3 (0:0, 1:2, 0:1) ging wieder nicht viel zusammen. „Die Mannschaft ist verkrampft, das sieht man“, sagte Trainer Jeff Tomlinson. Besonders vor dem Tor plagen den an sich offensivstarken Titelverteidiger Sorgen.
Eine gute Gelegenheit, möglichst so in diese Partie kommen, wie sich die Berliner das wünschten, bot die Strafe gegen den Kölner Kapitän John Tripp. Der hatte Frank Hördler mit hohem Stock im Gesicht getroffen und eine Spieldauerstrafe erhalten (10.). Doch die anschließende fünfminütige Überzahl verpuffte wirkungslos und war damit symptomatisch für die Situation. Nicht einen vernünftigen Schuss brachten die Eisbären zustande. „Das geht nicht, darüber müssen wir reden“, fand der Trainer.
Hördler im falschen Trikot
Für alle, die sich wunderten – nicht wegen der Torflaute, sondern wegen eines Unbekannten –, kam vor dem zweiten Drittel die Durchsage. Es war kein neuer, junger Spieler, der da mit dem Trikot mit der Nummer 54 und ohne aufgestickten Namen über das Eis flitzte. Frank Hördler musste nur das Textil wechseln, weil das alte voll geblutet war. Wohl aus Kostengründen verzichten die Berliner darauf, für jeden Spieler Ersatz bereit zu halten. Stattdessen gibt es in diesem Fall das Jersey mit der 54, das im Kabinenjargon auch Bluttrikot genannt wird, weil jeder, der in dieser Weise verletzt wird, dieses Trikot verpasst bekommt.
Mit neuer Kleidung und frisch versorgter Wunde machte Hördler weiter, mit neun Stichen war er an der Nase genäht worden. Er ist ein harter Kerl. Für seine Mannschaft gilt das derzeit nicht. Dabei versucht der Trainer einiges. Er stellte die beiden Topreihen um, nahm Florian Busch aus der Formation mit Barry Tallackson und Darin Olver heraus und tauschte ihn gegen Kapitän André Rankel, der sonst mit Travis Mulock und Julian Talbot zusammenspielt.
Änderungen der Reihen nützen nichts
Doch das brachte genauso wenig wie das Saisondebüt von Mads Christensen, der nach einer Schulterprellung wieder genesen ist. Eigentlich wollte Tomlinson den Reihentausch als Weckruf verstanden wissen. Klingeln will es jedoch nicht bei den Eisbären. „Vor dem Tor fehlt die Ruhe“, bekannte Rankel. Wirklich schlecht war sein Team insgesamt gar nicht gewesen. In der Abwehr etwa zeigten die Berliner mehr Standfestigkeit als zuletzt. Köln allerdings war sehr konsequent, ging nach einem Konter durch Torsten Ankert in Führung (30.) und baute sie in Überzahl durch Chris Minard aus (39.).
Die Eisbären dagegen fanden in der Offensive nicht den Rhythmus. „Wir haben unseren Torinstinkt nicht verloren“, sagte Tomlinson. Doch die Ladehemmung ist eklatant. „Wir versuchen, zu schön zu spielen. Aber so kommt das Selbstvertrauen nicht zurück“, so der Trainer. Eine Steigerung immerhin war zu registrieren, nachdem Shawn Lalonde in Überzahl den Anschluss markiert hatte (40.). Das Spiel der Berliner wurde druckvoller, allerdings fehlte die Durchschlagskraft. Dazu wurden zu oft Pässe falsch angelegt, die in Schussposition befindlichen Mitspieler zu oft auf der falschen Seite angespielt. Manchmal wurde in Angriffen lieber abgedreht als durchgezogen. „Es ist immer irgendwas“, sagte Hördler. Zum Schluss habe auch die Verzweiflung mitgespielt bei den Eisbären, gab der Verteidiger zu.
Bei Minard ist der Konten geplatzt
Ähnlich war es zuletzt wohl Chris Minard ergangen. Der Kölner Torjäger hatte bis zum Spiel gegen die Berliner nicht getroffen. „Für ihn war es keine leichte Zeit zuletzt“, sagte Haie-Trainer Uwe Krupp. Gegen die Eisbären brach der Bann, Minard erzielte noch ein zweites Tor, als Torhüter Rob Zepp zugunsten eines sechsten Feldspieler vom Eis gegangen war (59.). Er besiegelte damit den Absturz der Berliner auf den drittletzten Platz der Tabelle. Das kann sich ein Rekordmeister eigentlich nicht bieten lassen. Da muss was passieren.





