Eishockey

Eisbären besiegen ihren Ex-Trainer Jackson in letzter Minute

Eishockeymeister Eisbären Berlin hat seinem ehemaligen Trainer Don Jackson eine empfindliche Niederlage verpasst. Der DEL-Rekordmeister setzte sich mit 5:4 gegen den EC Red Bull Salzburg durch.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Als die Vorstellung der Mannschaften lief, war einen Augenblick lang alles so wie früher. Der Hallensprecher bot dem Publikum den Vornamen des Trainers an: „Don“. Wie immer aus dem Chor der Fans des Eisbären schallte es stimmgewaltig zurück: „Jackson.“ Der reagierte nicht groß, das hat er nie gemacht so kurz vor einem Spiel. Doch diesmal wirkte es fast ein wenig unhöflich. Schließlich ist Don Jackson in der Gegenwart nicht mehr der Trainer des EHC Eisbären. Aus alter Verbundenheit begrüßten die Fans den Coach, der nun bei Red Bull Salzburg tätig ist, dennoch. Ein kleines Nicken wäre das schon wert gewesen.

Die European Trophy führte Jackson, der nach sechs Jahren beim EHC im Sommer seinen Arbeitsort gewechselt hat, ziemlich schnell wieder nach Berlin. Und dazu ziemlich tief in die Vergangenheit, weil die Partie im Wellblechpalast ausgetragen wurde. Dort feierte er seine erste Meisterschaft in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), 2008 war das. Vier kamen noch hinzu. Diesmal aber gab es nichts zu feiern für Jackson, die Eisbären gewannen 5:4 (0:1, 2:2, 3:1) und schoben sich in der Tabelle der Achtergruppe auf Rang drei.

Viele Strafzeiten hindern Spielfluss

Etwas mehr Aufmerksamkeit als die Fans bekam Hartmut Nickel von Jackson, sein früherer Assistent. Der stand auf der Eisbären-Bank und hielt den US-Amerikaner auf dem Weg zur Salzburger Bank auf. Obwohl das Plexiglas im Weg war, steckten sie kurz die Köpfe zusammen, genau wie früher.

Nicht nur für Jackson hatte diese Partie den Reiz eines besonderen Erlebnisses, ebenso für Jeff Tomlinson, seinen Nachfolger auf dem Trainerposten bei den Berlinern. Tomlinson durchlebte bei den Eisbären verschiedene Stufen, war erst Spieler, dann Nachwuchstrainer, später Assistent - und das an der Seite von Jackson. „Don hat mich sehr geprägt, es steckt viel von seiner Philosophie in meiner Trainertätigkeit. Er denkt zu 98 Prozent so wie ich“, sagt Tomlinson. Die beiden telefonieren noch ab und an oder schicken sich kurze Nachrichten. Für Tomlinson, den Lehrling, war es jetzt das erste Duell gegen seinen Meister in der Funktion als Trainer des DEL-Rekordchampions.

Die Eisbären spielten vor 3700 Zuschauern gegen die Österreicher

Freilich war es nicht das erste Aufeinandertreffen. Tomlinson wirkte bereits in Düsseldorf und Nürnberg, 14 Mal stand er mit diesen Teams den Eisbären und Jackson gegenüber. Achtmal unterlag Tomlinson dabei. Diese Bilanz wollte der Kanadier nun natürlich gern verbessern. Vom Spielerischen ist dieses Vorhaben allerdings etwas ins Leere gelaufen, die Partie vor 3700 Zuschauern zwischen den Eisbären und den Österreichern war weitgehend zerfahren. Das lag an den vielen Strafen, die die Schiedsrichter aussprechen mussten. Teils bedingt durch überhitzte Gemüter bei den Spielern, teils bedingt durch dumme Aktionen. Bis zu vier Profis der Salzburger mussten eng zusammenrücken, um überhaupt Platz zu finden auf der Strafbank. Nebenan hatten es drei Berliner da bequemer.

Da ja noch Vorbereitungszeit für die DEL ist, kam den Berlinern das nicht einmal ungelegen, sie konnten pausenlos das Über- und Unterzahlspiel unter Wettkampfbedingungen üben. Vier Tore durch Darin Olver (28.), Laurin Braun (40./46.) und Travis Mulock (44.) erzielten sie im Powerplay, was gut ist; zwei Gegentore gab es in Unterzahl. Barry Tallackson entschied die Partie dann 19 Sekunden vor Schluss, zur Abwechslung bei gleicher Spieleranzahl. Als die Partie beendet war, nahm sich Don Jackson dann auch Zeit für die Fans und stimmte noch einmal die Welle an.