Eisbären Berlin

Warum Don Jacksons Herz noch immer den Eisbären gehört

Nach vielen Erfolgen verließ Don Jackson die Berliner im Sommer in Richtung Salzburg. Mit Red Bull kehrt er am Sonntag zum ersten Mal zurück und spielt in der European Trophy gegen den EHC.

Foto: Daniel Reinhardt / pa / dpa

Ein genauer Blick könnte sich lohnen. Gesicht, Bauch – vielleicht ist schon etwas zu erkennen. Don Jackson lebt jetzt nämlich noch gesünder. Weil sein Arbeitsort geschrumpft ist, von gut 3,4 Millionen Einwohnern auf knapp 150.000. Da ist alles ein bisschen kleiner. Oder kürzer. „Ich kann jetzt zur Halle laufen oder mit dem Fahrrad fahren, das habe ich schon oft gemacht“, erzählt er. Insofern hat sich die berufliche Veränderung im Sommer schon gelohnt für den US-Amerikaner, seinen Fitnesszustand konnte er optimieren.

Salzburg ist nun seine Wahlheimat, ein beschauliches Städtchen am Alpenrand, mit atemberaubendem Blick auf die Berge. Doch nicht das Panorama führte ihn dorthin, führte ihn weg aus der Metropole Berlin, nach so vielen erfolgreichen Jahren. Sondern ein Eishockeyklub, einer, der keinen großen Ruf hat, dafür aber große Pläne. Mit diesem Klub spielt Jackson am Sonntag im Rahmen der European Trophy in Berlin gegen den EHC Eisbären (16.30 Uhr, Wellblechpalast), den er zuvor zum erfolgreichsten Verein in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gemacht hat.

Fünf Meistertitel in sechs Jahren

Im großen Berlin hat das mit dem Fahrradfahren bei Jackson nie so gut funktioniert, er scheint es zu genießen, dass sich das in Salzburg geändert hat. Dabei hätte es sich eigentlich nicht ändern müssen. „Ich bin ein Eisbär, bis sie mir sagen, dass ich keiner mehr bin“, hatte er jedem im April erzählt, nachdem er mit dem EHC den fünften Titel in sechs Jahren bejubelte. Loswerden wollte ihn niemand. Doch Jackson wollte nicht mehr zurück.

Gegen die Eisbären geht das nicht. „Es gibt immer noch keinen Grund, Berlin zu verlassen“, sagt Jackson. Der Job war toll, das Umfeld, die Stadt, die Möglichkeiten. Selbst die These, dass es ihm langweilig geworden sein könnte, weil es nach so vielen Erfolgen keine Ziele mehr gäbe, kontert er. „Ich hätte kein Problem damit gehabt, weiter zu gewinnen.“ Jackson lacht laut. Als ob gewinnen jemals langweilig werden könnte. Nein. Jackson hat sich nicht gegen Berlin entschieden, das will er ausdrücken. Sondern für Salzburg. „Das war furchtbar schwer und auch sehr emotional zwischen Manager Peter John Lee und mir. Mein Herz ist ganz sicher immer bei den Eisbären.“

Der Reiz, etwas Neues zu erleben

Jackson sieht es so: Gemessen an seiner Lebenszeit ist er nicht wirklich lange in Europa, und in dieser Zeit will er noch einmal etwas anderes erleben. „Das ist jetzt eine Möglichkeit für mich, ein neuer Schritt in meinem Leben“, sagt er. Obwohl die sportliche Relevanz der österreichischen Liga europaweit eher im unteren Bereich anzusiedeln ist.

Doch Salzburg ist nicht irgendein Klub, unterhalten vom Getränkehersteller Red Bull wird dort auf allen Gebieten agiert wie bei den Großen. „Es gibt einiges, was dich hier begeistert“, sagt Jackson. Zwar wird in einer kleinen Halle gespielt, Fans sind auch nicht viele da. „Aber hier wird alles getan, um es den Spielern so professionell wie möglich zu machen. Es ist eine gute Organisation, sie wollen alles richtig machen und verfügen über eine tolle Infrastruktur. Wir haben eine Menge Träume und viele Möglichkeiten“, erzählt Jackson. Red Bulls Finanzspielraum hat schon viele Träume wahr werden lassen.

Zweite Nachfolge von Pagé

Deshalb ging auch Pierre Pagé damals von Berlin nach Salzburg. Dort konnte er schalten und walten, wie er wollte. Zum zweiten Mal tritt Jackson nun die direkte Nachfolge seines fast väterlichen Freundes an. „Es hat sich für mich immer ausgezahlt, seinem Weg zu folgen“, sagt Jackson. 1991 verschaffte Pagé ihm den ersten Job in der NHL, bei den Eisbären nahm der Kanadier ihn 2005 als Assistent auf. Jetzt verschlug es Pagé nach München, weil Red Bull dort den EHC übernahm und die DEL mit dem höchsten Etat der Liga aufrollen will.

Salzburg galt in dieser Konstruktion als Farmteam. „Da gab es einige Missverständnisse. Die Teams haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun, wir sind in zwei verschiedenen Ligen mit verschiedenen Regeln“, sagt Jackson. Regelmäßiger Kontakt mit Pagé besteht natürlich, „aber nicht so oft, wie viele denken“. Wie vorteilhaft es ist, dem alten Freund nachzufolgen, merkt er auch, ohne darüber zu reden. „Das Forechecking ist gut, das muss ich ihnen nicht beibringen, das haben sie bei Pierre gelernt“, sagt er. Und: „Das ist genauso, wie ich die Eisbären vorgefunden habe damals.“

Jetzt als Trainer und Manager tätig

An den Berlinern will er sich jetzt auch orientieren. Er beschäftigt sich viel damit, was Manager Lee so getan hat in den vergangenen Jahren. „Ich mag seine Mentalität und habe viel von ihm gelernt.“ Jackson ist nicht mehr nur Trainer, sondern auch Manager. Er will junge Spieler holen und aufbauen. Als Trainer in Berlin tat er sich damit nicht hervor. Als Manager hat sich seine Sichtweise offenbar weiterentwickelt.

Fortführen, was Jackson geleistet hat, will in Berlin nun Jeff Tomlinson. Den bildete Jackson mit zum Trainer aus, doch die Aufgabe ist riesengroß. Jackson sieht das gelassen. „Jeff wird das schon machen“, sagt er. In der European Trophy hatte Salzburg bislang mehr Glück als die Eisbären, einen Punkt hat Jackson die Nase vorn. Will Salzburg ins Finalturnier im Dezember, muss Jackson seinen alten Klub schlagen. Tomlinson hat es da einfacher, die Berliner sind als Gastgeber gesetzt.

Spieler freuen sich auf den alten Coach

Bei den Eisbären freuen sie sich auf das Wiedersehen. „Ich hoffe, dass er sich kurz mit uns unterhält. Wir mochten ihn alle“, sagt Verteidiger Frank Hördler. Auch die Fans werden dem ehemaligen Trainer noch einmal huldigen. Der will sich bedanken „für die schöne Anerkennung, die sie auf Youtube für mich hinterlassen haben“. Die schaut sich Don Jackson immer noch gern an.