Es kommt einer, der zurückkehrt: Jeff Tomlinson ist in den kommenden zwei Jahren Cheftrainer der Eisbären. Der 43-jährige Kanadier kennt und liebt Berlin. Im Jahre 2000 war er als Spieler zum Kultklub in den Wellblechpalast gekommen, als der vom Serien- und Rekordmeister noch Lichtjahre entfernt war. Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende trainierte er von 2004 bis 2007 den Eisbären-Nachwuchs und arbeitete in den kommenden drei Jahren als Assistenztrainer von Don Jackson.
Jetzt folgt er dem erfolgreichsten DEL-Trainer nach, den es nach Salzburg gezogen hat. Seit seinem Abschied aus Berlin war Tomlinson zwei Jahre Headcoach der DEG Metro Stars (2010-2012) und in der vergangenen Saison der Chef an der Bande der Ice Tigers in Nürnberg. Aber genau genommen ist der neue Bären-Dompteur zumindest als Coach ein Eigengewächs der Berliner.
Zu allererst wolle er sich bei Manager Peter Lohn Lee und den Eisbären „für das Vertrauen bedanken. Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe“, sagt Tomlinson am frühen Donnerstagmorgen in Savannah/Georgia am Telefon und mit einem Becher Kaffee in der Hand, nachdem schlechtes Wetter ihn und seine Kinder gezwungen hatten, auf dem Weg in den Urlaub nach Orlando/Florida einen Zwischenstopp einzulegen.
Immer Sympathie für die Eisbären gehabt
„Ich bin im Herzen immer ein Eisbär geblieben“, erklärt der Heimkehrer und gesteht, dass diese Grundfarbe auch hier und da bei seinen letzten Engagements durchschien und dass „das dann doch ein wenig peinlich war“.
Die Sorge ist er los. Jetzt kann Tomlinson das Bärenfell wieder nach außen kehren – und nicht nur er: „Auch meine Kinder haben sich gefreut, weil sie jetzt wieder alle Eisbären-Sachen tragen können, davon haben sie einen ganzen Haufen.“ Zudem sei „Berlin schon mal für zehn Jahre mein Zuhause gewesen“, und er habe sich auch immer zu Hause gefühlt, wenn er mit gegnerischen Mannschaften bei den Eisbären antrat, er werde sich sicherlich schnell einleben. Und dann verrät er: „Es war immer mein Ziel, als Headcoach zurückzukommen.“
Lee hatte mit zehn Kandidaten ausführliche Gespräche geführt, die „anderthalb oder zwei Stunden“ dauerten, jeweils zuvor hatte er Fragen- und Themenkataloge erstellt, danach „die Plus- und Minus-Punkte festgehalten“, erzählt der Manager. Für ihn sei dieser lange Findungsprozess sehr wichtig gewesen. Er habe ihm die Möglichkeit gegeben, mit vielen Leuten zu reden und Interessantes zu hören.
Das Ende einer langen Suche
Am Ende des Tages aber stand der Entschluss, „dass die Verpflichtung von Jeff Tomlinson eine gute Entscheidung für die Eisbären ist. Er hat jetzt seine Erfahrungen als Cheftrainer gemacht, positive und negative, und ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt zusammenzukommen und weiterzuführen, was wir bisher gemacht haben“.
Sein alter Assistent und neuer Cheftrainer hat Lee „aufgrund seiner Motivation und der detaillierten Analyse unseres Teams überzeugt. Er weiß genau, was er will, und welche Schritte unser Team gehen muss, um sich weiter zu verbessern. Er hatte das beste Konzept für die Weiterentwicklung der Eisbären.“
Was alles andere als ein Zufall ist, denn Tomlinson analysierte in Diensten der Nürnberger und Düsseldorfer permanent die Konkurrenz in der Liga, die Eisbären nahm er aber immer mit ganz besonderem Interesse etwas genauer unter die Lupe. „Da habe ich immer geschaut, wie die Jungs drauf sind. Denn einige von ihnen habe ich ja erwachsen werden sehen. Ein Laurin Braun beispielsweise hat bei mir im Keller gewohnt.“
Der neue Coach arbeitet viel mit den jungen Spielern
Ein anderer, André Rankel, kam 2003 als 18-Jähriger von den Young Capitals zu den Eisbären, heute ist er der Kapitän der Mannschaft, die in der DEL in neun Jahren siebenmal Meister wurde. „Jeff Tomlinson war ganz am Anfang meiner Karriere bei den Eisbären mein Trainer in der Oberliga und später unser Co-Trainer in der DEL“ sagt Rankel. „Jeff arbeitet sehr viel mit den Spielern. Vor allem arbeitet er auch viel mit den jungen Spielern und erwartet das auf dem Eis ebenfalls von den älteren im Team. Ich kenne ihn sehr gut, und er passt gut zur gesamten Eisbären-Philosophie.“
Weil er genau diese Philosophie mit geprägt hat, da sind sich alle einig, die den Aufschwung der Eisbären verfolgt haben. Die Zeiten, da Tomlinson sein erstes Oberliga-Spiel mit den Bären-Youngstern 0:11 verlieren durfte, sind aber schon lange vorbei. Jetzt geht es um Titel. Er weiß, dass die Fußstapfen, in die er tritt, „sehr groß sind. Pierre Pagé hat die Basis gelegt, Don Jackson das Konzept stabilisiert. Ich hoffe, wir können jetzt weiter darauf aufbauen.“
Er wolle mit den Eisbären weiter offensives Eishockey spielen, jeden einzelnen seiner Spieler in entscheidenden Kleinigkeiten verbessern. Zum Druck, unter dem er stehen wird, sagt Tomlinson: „Den größten Druck mache ich mir ohnehin immer selbst.“





