Viele werden sich an diese Worte erinnern – und sich im Nachhinein vielleicht fragen, wie Don Jackson sie damals meinte, was er mit ihnen bezwecken wollte. Es war der 21. April, gerade hatte er den EHC Eisbären mit einem 4:1 im vierten Spiel gegen die Kölner Haie zum fünften Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in seiner sechsjährigen Amtszeit geführt. Jackson, dessen Vertrag auslief, musste in viele Mikrofone sprechen und erzählte überall: „Ich bin ein Eisbär, bis sie mir sagen, dass ich keiner mehr bin. Es gibt keinen Grund, Berlin zu verlassen.“ Bei genauem Nachdenken fand der US-Amerikaner dann aber doch mindestens einen. Er wird nicht zurückkommen.

Diesen Entschluss fasste der 56-Jährige selbst, es waren nicht die Eisbären, die ihn zwangen, sich neu zu orientieren. „Wir wollten gern weiter mit ihm arbeiten, aber er hat sich seine Optionen überlegt und sich für etwas anderes entschieden“, sagt Manager Peter John Lee. Der war gerade in Sardinien im Urlaub, als Jackson ihn darüber informierte, dass er sich einen neuen Trainer für die Eisbären suchen muss. Lee klang aber nicht so, als wäre ihm der Urlaub gründlich vermiest worden. Seit seiner klaren Stellungnahme nach dem Finale blieb der Trainer in den Unterredungen mit dem Manager sonst doch eher vage. Bei den Berlinern stellte sich das Gefühl ein, dass Jackson andere Pläne verfolgt.

Unglaublich viel erreicht

Nach so langer Zeit in einem Klub ist das ein normaler Vorgang. Zumal Jackson unglaublich viel erreicht hat. Seit er 2007 zum EHC kam, avancierte er mit fünf Meisterschaften in nur sechs Jahren zum erfolgreichsten Trainer der DEL. Überdies führte der 56-jährige US-Amerikaner die Berliner 2010 zum Gewinn der European Trophy und 2008 zu einem Pokalerfolg. „Wer viel Erfolg hat, der hat auch viele Optionen“, erzählt Lee. Das Angebot der Berliner dürfte noch mal um einiges besser gewesen sein als bei Jacksons vorherigem Vertrag. „Wir haben versucht, alles zu machen“, so der Manager. Es hat nicht gereicht.

Jackson war immer ein Trainer, der zwiespältig beurteilt wurde. Für die einen entwickelte er zu wenige junge Spieler weiter, für die anderen war er wegen seiner meist sehr ruhigen Art nie der richtige für einen Klub in einer quirligen Stadt wie Berlin. Ihn selbst interessierte das alles absolut nicht. Jackson lebte in seiner eigenen Welt, völlig fixiert auf das Eishockey seiner Mannschaft und den Erfolg. Dabei traten schon mal Wissenslücken zutage über das, was außerhalb der Eisbären in seinem Sport so passiert. Aber auch das war nebensächlich. Jackson verstand es immer, seine Mannschaft im richtigen Augenblick auf den richtigen Kurs zu bringen. „Er kann auf vieles stolz sein. Er hat einen sehr großen Anteil am Erfolg des Klubs. Deshalb sehen wir das jetzt auch mit einem weinenden Auge“, sagt Lee.

Jacksons Pläne sind nicht bekannt

Gerüchte, dass Jackson gehen würde, gab es schon lange. Ein Engagement bei Red Bull stand im Raum, wo sein Freund und EHC-Vorgänger Pierre Pagé der Eishockey-Chef ist. Doch Pagé übernimmt den Trainerposten in München selbst, und als Zuarbeiter beim Ableger in Salzburg dürfte Jackson nicht zu haben sein. Vielmehr sinnierte der US-Amerikaner zuletzt darüber, wieder in der Heimat oder in Kanada zu arbeiten, um näher bei seiner Familie zu sein. „Er hat nicht erzählt, was er vorhat“, sagt Lee. In den nächsten Tagen sei vielleicht eine Auskunft zu erwarten.

Was die Eisbären und einen neuen Trainer angeht, dürfte das noch länger dauern. „Wir werden in aller Ruhe schauen, welcher Coach am besten zu den Eisbären passt“, sagt der Manager. Am Konzept werde sich nichts ändern, offensives Eishockey soll es weiterhin geben. Gedanken habe er sich schon gemacht, wer nach Berlin kommen könnte. Jeff Tomlinson, der frühere Co-Trainer, dürfte eine Option sein. Bewerber sollte es nach der Nachricht von Jacksons Abschied reichlich geben.