Felle ist ein Fuchs. 20 Profijahre verbrachte Sven Felski beim EHC Eisbären, gewann in der Vorsaison in seinem 1000. Spiel für die Berliner den Titel. So einer weiß, wie er sich vorbereiten muss.
Als Experte des Fernsehsenders ServusTV war er am Sonntag für Interviews nach dem Spiel eingeteilt. Der frühere Stürmer rechnete mit der Meisterschaft und bei seinen Jungs in der Kabine mit Bierduschen. Deshalb brachte er sich vorausschauend Wechselsachen mit. Marcel Stein sprach mit dem 38-jährigen EHC-Urgestein.
Berliner Morgenpost: Herr Felski, da beenden Sie nach dem sechsten deutschen Meistertitel Ihre Karriere, und die Mannschaft gewinnt trotz alledem weiter. Was sagen Sie dazu?
Sven Felski: Das ist doch gut. Ich bin total stolz auf die Jungs. Es ist toll, dass der Pokal hier in Berlin bleibt. An die Partys kann man sich gewöhnen, weil das immer wieder viel Spaß macht.
Hand aufs Herz. Haben Sie wirklich an den Titel geglaubt nach dieser Saison?
Das einzige, was konstant war, war, dass die Eisbären unkonstant waren. Aber daran sieht man, dass die Hauptrunde nicht so bedeutsam ist. Worum es da geht, ist wirtschaftlich gesehen, ob du ein Heimspiel mehr oder weniger hast im Play-off. Letztlich musst du nur dafür sorgen, dass die Ausgangsposition nicht zu schlecht wird.
Warum hat es denn schon wieder geklappt mit dem Titel?
Weil die Mannschaft immer einen Weg findet, Serien zu gewinnen. Das spricht einfach dafür, dass jeder seine Rolle kennt und genau weiß, was zu tun ist. Jeder weiß auch, dass der andere für ihn da ist. Außerdem zeigt es, dass die Mannschaft trotz aller Titel ihren Hunger auf Erfolge nie verliert.
Welche Rolle spielte die Erfahrung der Mannschaft?
Ich denke, dass es ein wahnsinniges Plus ist, wenn du als Team über eine gewisse Zeit zusammenspielst. Da arbeitet niemand für sich, alle spielen sehr mannschaftsdienlich. Außerdem haben die Jungs über die Jahre alles verinnerlicht, was zum Gewinnen notwendig ist. Sie besitzen einfach die richtige Mentalität.
Wie bewerten Sie die Rolle Ihrer Nachfolger um André Rankel, die als deutsche Spieler nun die Führung der Mannschaft übernommen haben?
Es ist normal, dass es eine Weile braucht, bis sie diese neuen Positionen entsprechend ausfüllen können. Denn man will sich ja auch nicht großartig verändern für eine neue Aufgabe. Aber es läuft, weil alle als Gruppe die Führung übernehmen. Dass viele Spieler schon länger dabei sind und im Play-off ohnehin noch mehr das Mannschaftliche im Vordergrund steht, hilft ihnen zusätzlich.
Die Saison verlief sehr unterschiedlich. Erst kamen die NHL-Stars zu Besuch, dann gab es viele Neulinge im Team, die wenig überzeugten. Wie haben Sie das miterlebt?
Das war schon verrückt. Auf der einen Seite begeistern Claude Giroux und Daniel Briere wegen des Lockouts hier die Leute, auf der anderen Seite schlagen andere nicht so ein. Aber die Messlatte liegt natürlich hoch, wir hatten über Jahre die besten Ausländer in der Liga. Das zu halten, ist nicht einfach. Das Schöne daran ist, dass man sieht, dass die deutschen Spieler das Heft in die Hand genommen haben.
Wie hat Ihnen denn Ihre neue Perspektive als Experte gefallen?
Im Play-off kribbelte es schon noch, weil das einfach emotionaler ist. Aber es macht auch so Spaß. Ich kann über etwas erzählen, von dem ich was verstehe, und versuche, das Eishockey den Zuschauern näher zu bringen und zu erklären, was in so einer Mannschaft innendrin vorgeht.
Aber das ist nur ein Teil Ihres neuen Lebens. Sie haben ja auch angefangen zu studieren.
Das macht auch Spaß, ich muss mich zwar erst wieder daran gewöhnen, wie in der Schule zu lernen. Aber es geht, ich sehe gut durch.
Worum geht es genau?
Um angewandte Trainingswissenschaften. Da gehört auch Sportmanagement dazu. Das soll mir die wissenschaftliche Seite von dem, was ich die ganze Zeit gemacht habe, näher bringen. Ich mache das drei Jahre lang, danach habe ich einige Möglichkeiten und könnte auf jeder Ebene bei den Eisbären wieder einsteigen.




