DEL-Champion

Stilvoll starten die Berliner Eisbären in den Party-Marathon

Drei Tage lang feiern die Berliner ihren siebten Meistertitel in der DEL. Manager Peter John Lee will sich nebenbei darum kümmern, den Vertrag mit Trainer Don Jackson zu verlängern

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Es gibt Bereiche in der O2 World, in die selbst Leute mit relativ freiem Bewegungsradius sonst nicht hineingelangen. Auf dem Weg von der Kabine zum Ausgang befindet sich so ein Raum, stets verschlossen von einer dunklen Holztür – und dadurch immer ein bisschen geheimnisumwoben. Als Zigarrenzimmer des ganz großen Chefs wird es oft beschrieben, von Philip F. Anschütz, Besitzer der Arena und des EHC Eisbären.

Nach dem siebten Titel der Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) müssen sich einige Spieler gedacht haben, dass es an der Zeit wäre, den Raum mal zünftig zu nutzen. Kapitän André Rankel saß mit Pokal und dicker Zigarre drin, Torhüter Rob Zepp auch. Gediegen ist die Optik des Ortes: stilvolle Sofas, eine kleine Bar, warme Farben – sehr schön.

Gegen 22.30 Uhr hatte das seinen Reiz aber verloren. Außerdem wollten die Arena-Mitarbeiter aufräumen und nach Hause. Die Party hatte zeitgleich in Kabine und Zigarrenzimmer ja schon kurz nach dem Spiel gegen 17 Uhr begonnen.

Sie endete morgens gegen vier am Olivaer Platz, nicht wie sonst am Hackeschen Markt. So intensiv wie früher fühlte sich die Party der Eisbären allerdings nicht mehr an. Champagner und Bier flossen natürlich reichlich, aber sieben Titel in neun Jahren sorgen eben für eine gewisse Routine.

Trainer macht Schlafpause

Auch Trainer Don Jackson hielt lange durch. Zwischenzeitlich sah es nicht danach aus, so erschöpft war er. „Ich musste mich zu Hause erst für eine Stunde hinlegen“, sagte er, nachdem er sich gegen Mitternacht auf den Weg durch die halbe Stadt gemacht hatte, um von der Stimmung der Mannschaft nach dem Sieg im Finale über die Kölner Haie noch etwas aufzusaugen.

Er wollte dabei sein, nah an den Spielern, auf die er unglaublich stolz war. „Wir haben die Herausforderung angenommen und wieder gewonnen“, sagte Jackson. Und das, obwohl es so schwierig wie nie gewesen war.

Das richtige Rezept gefunden

Schwer beladen mit Problemen schlugen sich die Berliner durch die Saison. Lange schien Jackson dafür keine Lösung zu haben, weil der Austausch von Spielern zu groß und nicht adäquat ausgefallen war, weil ständig Verletzungen die Arbeit störten.

Letztlich aber brachte der 56-Jährige doch alles zusammen, fand das richtige Rezept, um alle Angriffe der Gegner abzuwehren. „Don war sehr fokussiert, sehr detailliert in seiner Arbeit“, sagt Manager Peter John Lee.

Die beiden werden in den nächsten Tagen und Wochen viel zu bereden haben. Jacksons Vertrag läuft mit dem Saisonende aus.

Jackson seit sechs Jahren in Berlin

Eigentlich hieß es bereits, er würde sich nach München absetzen, um sich dort Red Bull anzuschließen. Nach sechs Jahren in Berlin wäre das nicht außergewöhnlich. Jackson selbst hatte sich nie dazu geäußert, die Spekulationen erzürnten ihn.

Gleich nach dem Titelgewinn sagte er, dass er nicht die Absicht habe, die Eisbären zu verlassen. „Don hat immer hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Lee. Natürlich spiele Geld eine Rolle, sollten die Forderungen des Trainers nicht enorm steigen, dürfte aber kaum etwas gegen seinen Verbleib in Berlin sprechen.

Keiner so erfolgreich wie Jackson

Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Jackson gewann fünf Titel mit den Eisbären, nie war ein Trainer so erfolgreich in der DEL. Der US-Amerikaner genießt das Vertrauen der Spieler. „Er hat einen super Charakter, ich habe viel von ihm gelernt“, sagt Rankel, den Jackson zum Kapitän ernannte.

Verteidiger Jens Baxmann schätzt seinen Umgang mit der Mannschaft: „Er weiß genau, wie er uns anzupacken hat, wann er uns Freiraum geben kann und wann er die Zügel anziehen muss.“ Nach außen wirkt der Trainer manchmal etwas langweilig. Weil ihn nicht viel mehr als sein Beruf interessiert. Sein Leben ist in weiten Teilen auf das Eishockey ausgerichtet. Das macht einen guten Teil des Erfolges der Eisbären aus.

Drei der Neulinge gehen wieder

Der andere sind die Spieler. Mit denen hatten die Berliner in den vergangenen Jahren ebenfalls immer viel Glück. In dieser Saison waren die Neulinge allerdings nicht mehr so effektiv wie gewohnt.

Ganz große Veränderungen bleiben dennoch aus. Zwei der Neuen werden auch nächste Saison wieder für den EHC spielen, und zwar Verteidiger Mark Katic sowie Stürmer Matt Foy. Katic ist ein junger Spieler mit guten Anlagen, dessen Weiterbeschäftigung sich auszahlen kann. Einen unermüdlichen Kämpfer wie Foy kann die Mannschaft auch gut vertragen.

Casey Borer erster Zugang

Über die Zugänge Corey Locke, Ryan Caldwell und Jamie Arniel sagt der Manager: „Alles ist offen, wir müssen schauen.“ Eine Trennung ist sehr wahrscheinlich, obwohl alle im Play-off durchaus ihre Qualitäten einbringen konnten. Vor allem die Angreifer Locke und Arniel blieben sonst allerdings viel schuldig.

Bei Verteidiger Caldwell ist die Position bereits an Casey Borer vergeben, der aus Nürnberg nach Berlin kommen wird. Der 27-jährige US-Amerikaner war dort mit elf Toren und 18 Vorlagen viertbester Abwehrspieler der Liga.

Außerdem kehrt der nach Nürnberg ausgeliehene Angreifer Daniel Weiß nach Berlin zurück. Die Eisbären verlassen wird nach sechs Jahren Stürmer Tyson Mulock (Iserlohn).

Personelle Konstanz bleibt erhalten

Das Gesicht der Mannschaft wird also im Wesentlichen das gleiche bleiben. Ihre personelle Konstanz gehörte immer zum Titelplan der Eisbären, sie war ebenfalls Teil des Erfolges, der nun genüsslich ausgekostet wird. Empfang beim Hauptsponsor, ein Autokorso durch die Stadt, Empfang beim guten Bekannten im Roten Rathaus, beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.

Alles schön verteilt über drei Tage, damit es sich auch richtig lohnt. Es ist die Rückkehr zum gewohnten Party-Programm nach dem Abschweifen von Mitte nach Charlottenburg. Und der überraschenden Öffnung des „Chairmans Club“ natürlich. So heißt das nun nicht mehr geheimnisvolle kleine Zimmer hinter der edlen Holztür richtig. Ein paar Tage wird es noch nach Zigarren riechen.