Deutscher Meister

Berliner Eisbären bejubeln den dritten Titel in Folge

Mit 4:1 schlugen die Berliner die Kölner Haie im vierten Spiel der „Best of five“-Serie, in der es damit 3:1 stand. Damit wurden die Eisbären zum insgesamt siebten Mal Deutscher Meister.

Auf der Uhr war noch einiges an Restzeit, da steckten sie auf der Spielerbank schon die Köpfe zusammen. Andere schlugen die Fäuste aufeinander, weil klar war, dass sich am Ergebnis nichts mehr ändern würde. Auf den Tribünen der O2 World stieg die Lautstärke der Gesänge beständig an. Bis der Countdown für die letzten zehn Sekunden herunter gezählt wurde.

Dann war die siebte Meisterschaft des EHC Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) perfekt. Mit 4:1 (1:0, 2:1, 1:0) schlugen die Berliner am Sonntag die Kölner Haie im vierten Spiel der „Best of five“-Serie, in der es damit 3:1 stand. Wie üblich flogen mit der Schlusssirene die Ausrüstungsgegenstände der Spieler im hohen Bogen auf das Eis. Erstmals für den EHC zum dritten Mal in Folge.

„Das ist gerade so unwirklich, ich habe das noch gar nicht realisiert“, sagte Kapitän André Rankel. Da war er nicht nur schweißgebadet vom Spiel, sondern auch schon geduscht mit Champagner. Hinter ihm und seinen Teamkollegen lagen in diesem Moment emotional intensive Monate, in denen vieles nicht so leicht lief wie in den vergangenen Jahren. „Nach so einer Berg- und Talfahrt haben wir ein so geiles Play-off gespielt, ich bin so überwältigt“, sagte Verteidiger Frank Hördler.

Wertvollster Spieler wurde Constantin Braun

Rankel war der erste, der den Pokal in Händen halten durfte, er lief auch als Erster in die Fankurve, wo die Anhänger schon lange mit entblößten Oberkörpern standen. Seit 2005, als sie ihren ersten Titel gewannen, dominieren die Berliner, zum fünften Mal holten sie die Meisterschaft mit Trainer Don Jackson an der Bande. „Es gibt viele Gründe, stolz zu sein. Wir hatten so viele Probleme über die Saison, es gab viele Lücken zu füllen, aber jeder hat seine Rolle angenommen. Auch wenn es ihm vielleicht nicht immer gefallen hat“, so der US-Amerikaner.

Seine Amtszeit schien sich bereits dem Ende zuzuneigen, viel wurde spekuliert, ob er Angebote von anderen Klubs annehmen würde nach sechs Jahren in Berlin. Doch er scheint gewillt zu sein, im Klub zu bleiben. „Ich bin ein Eisbär, bis sie mir sagen, dass ich keiner mehr bin. Es gibt keinen Grund, Berlin zu verlassen“, so der Coach.

Um ihn herum wurde dabei gefeiert, die Spieler liefen im goldenen Konfettiregen hin und her, wahlweise mit Bier oder Champagner in der Hand. Mancher wirkte dabei gar nicht mehr so aufgeregt wie früher. Viele kennen das Feierritual eben schon sehr gut.

Über den Haien dagegen lag große Ernüchterung, sie waren angetreten, den Titelverteidiger zu stürzen. Letztlich aber hatten die Berliner mit ihnen weniger Probleme als mit den Hamburg Freezers im Viertelfinale. Krefeld im Halbfinale war nur Durchgangsstation. „Das ist ein unglaubliches Gefühl, wir haben zur rechten Zeit unser bestes Eishockey gespielt. So gewinnt man Titel“, sagte Stürmer Julian Talbot, der im Play-off der beste Punktesammler der Liga war.

Zum wertvollsten Spieler wurde er nicht gewählt, diese Ehre erhielt Constantin Braun. „Spieler wie er oder Jens Baxmann und Frank Hördler hatten ihr bestes Jahr“, lobte der Trainer nach dem zweiten Titelgewinn direkt in der O2 World. Ihre Leistungen machten es möglich, dass die Verluste von Führungsspielern in den Jahren zuvor kompensiert werden konnten. „Das macht diesen Titel auch ganz besonders“, so Hördler.

Führung durch Locke per Penalty

Angedeutet hatten sich die Feierlichkeiten an diesem Tag schon früh, denn die Eisbären gingen in Führung. Immer in der Serie gewann schließlich das Team, das das erste Tor erzielt hatte. Verantwortlich für das 1:0 war Corey Locke (9.). Der ist zuvor bei einem Alleingang von Nathan Robinson gefoult worden, den fälligen Penaltyschuss verwandelte der oft unglücklich agierende Locke sicher.

Doch der Kanadier steigerte sich im Play-off – wie fast alle Profis der Berliner. Im letzten Spiel der Serie zeigten die Eisbären viele Emotionen, kombinierten sehenswert und liefen unglaublich viel. Das war auch nötig, denn die Kölner ergaben sich nicht in ihr Schicksal. Sie setzten alles daran, dass die Heimmannschaft wie in den Finalpartien zuvor nicht gewinnt.

Nun beendeten die Berliner den Fluch. Weil sie die Konzentration nicht verloren, auch nicht nach dem Ausgleich durch Rok Ticar (25.). Die Eisbären ließen die kurze Drangphase der Kölner abprallen und schlugen durch Talbot (32.) erneut zu. Kurz darauf erzielte Travis Mulock nach Solo von Constantin Braun aus der eigenen Hälfte das 3:1 (35.). Auf den Rängen der Arena kochten die Gemüter hoch, die Stehplatzkurve schien akut vom Einsturz bedroht, weil die Fans pausenlos hüpften.

Sie beruhigten sich noch einmal, weil sie ja noch die Kraft für einen langen Partyabend brauchten. Dabei gingen vielen noch einmal die Bilder dieser Saison durch den Kopf, die mit den NHL-Stars Daniel Briere und Claude Giroux für ein paar Wochen etwas Außergewöhnliches bot wegen des Lockouts in Nordamerika. Zu diesen Bildern gehörten auch bittere Niederlagen, weil die Mannschaft lange benötigte, sich zu finden. Große Hoffnungen auf den Titel hegten nur die größten Optimisten. Aber ihre Zuversicht wurde nicht enttäuscht, weil die Eisbären über die Jahre so viel Siegessicherheit entwickelt haben, dass sie trotz aller Defizite ihren Meistertitel verteidigen konnten.

Sie ließen die Vorzüge der Haie verpuffen, als wäre das ganz selbstverständlich. So wie das 4:1 von Talbot (47.) im Überzahlspiel, dessen Effektivität die Eisbären viel verdanken. „Ich habe immer gewusst, was die Mannschaft drauf hat. Jetzt haben wir es allen bewiesen“, sagte André Rankel und entschwand zunächst zum Weiterfeiern in die Kabine. Später ging es dann nach Mitte in eine lange Nacht.