Zum achten Mal in den vergangenen zehn Jahren greift der EHC Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach dem Titel. Am Sonntag müssen die Berliner zum ersten von maximal fünf Spielen bei den Kölner Haien antreten. Vor fünf Jahren gab es dieses Finale schon einmal, Florian Busch (28) entschied es mit seinem Tor. Marcel Stein sprach mit dem Stürmer über die Folgen, über Zweifel und Selbstvertrauen.

Berliner Morgenpost: Herr Busch, wie fühlt es sich an, nach einer Saison mit vielen Höhen und Tiefen wieder im Finale zu stehen?

Florian Busch: Sicher hätte man es nicht erwartet, dass wir so weit kommen. Aber wir haben es uns verdient. Wenn das Play-off losgeht, sind wir eigentlich immer da. Für mich ist das keine Überraschung.

Warum nicht?

Weil ich die ganze Saison über das Gefühl hatte, dass wir eine gute Mannschaft sind. Zwar haben wir einige Sachen nicht auf die Reihe bekommen, das hatte aber nichts mit unserem Können zu tun, sondern nur damit, wie wir damit umgehen. Wir haben defensiv nicht genug gearbeitet. Ich wusste, dass wir eine Top-Mannschaft sind und Meister werden können, wenn wir das in den Griff bekommen.

War der Weg bis hierher der schwierigste in den vergangenen Jahren?

Es war der komplizierteste und kurioseste. Unter der Saison waren wir wirklich nicht die Besten. Doch das Schöne ist, dass wir immer wieder einen Weg heraus finden aus schwierigen Phasen. Und das Gute am Play-off ist ohnehin: Die Hauptrunde mag furchtbar schlecht gewesen sein, aber du kannst du alles wettmachen. Jeder sagt dir dann, wie toll du bist.

Was ließ den Weg so schwierig werden?

Ich will uns nicht mit dem FC Bayern vergleichen, aber die haben auch Jahre, in denen sie sich schwer tun. Gegen so einen Gegner gehen die anderen Teams mit einem ganz anderen Willen und Ehrgeiz in ein Spiel. Wenn du gegen Real Madrid antrittst, willst du doch auch dem Ronaldo die Schuhe ausziehen. Deswegen ist es so schwer, weil du über Jahre hinweg der Gejagte bist. Das ist anstrengend. Die wissen teilweise jeden Schritt, den wir machen, und stellen sich unglaublich auf uns ein.

Gab es Momente des Zweifels?

Zweifel muss es auch geben. Sonst würde vielleicht der Ehrgeiz fehlen, nach Lösungen zu suchen. Zweifel sind wichtig, weil sie oft eine Form von Selbstkritik sind. Das hat nichts mit Jammern zu tun, man merkt nur, dass man etwas ändern muss. Das kenne ich auch, wenn wir Erster waren. Es gibt immer Stellen, an denen was zu reparieren ist oder an denen man kreativer sein muss. Mir gefällt das. Wenn immer alles gleich bliebe, wäre mir das zu langweilig. Genau wie immer Erster sein.

Dann konnte sich das alles nicht auf Ihr immer sehr frohes Gemüt niederschlagen.

So wie in dieser Saison haben wir nie Spiele verloren, das war Neuland. Ich bin aber schon zu lange dabei, als dass sich die Dinge in der Hauptrunde zu negativ auf mich auswirken. Du darfst nicht hektisch werden und unkontrolliert Entscheidungen treffen. Wichtig ist, dass wir untereinander Selbstkritik üben können. Dazu gehört ein gesundes Verhältnis in der Mannschaft. Das haben wir. Manche können mit Kritik nicht umgehen, aber dann bleibst du stehen – im Leben und im Sport.

Welchen Wert hat dieses Selbstverständnis eines Siegers, das sich die Eisbären über die Jahre erarbeitet haben?

Wir verfügen schon über Vorteile, weil wir mehr Play-off-Erfahrung haben. Das heißt aber nicht immer alles. Natürlich bringt es einem in manchen Situationen wahnsinnig viel, weil du es schon erlebt hast. Aber ich würde das nicht unbedingt mit den Titeln assoziieren.

Aber es beeindruckt, wenn Sie sich nach einem 0:4 im ersten Drittel des ersten Viertelfinales gegen Hamburg vor eine Kamera stellen und sagen, dass das egal ist.

Das hat mit viel Glauben und Vertrauen in die Mannschaft zu tun. Das war absolute Überzeugung.

Sie gewannen 6:5. Haben Sie in dieser Saison auch mal Druck gespürt, dass die Ziele nicht erreicht werden könnten?

Natürlich. Unsere Gesellschaft ist so angelegt, dass jeder der Beste sein will. Da ist ein Grunddruck vorhaben. Zwar kann nicht jeder der Erste sein, aber jeder versucht es. Werden Ziele nicht erreicht, weine ich aber nicht lange rum. Es geht auch dann weiter.

Sie und Ihre Kollegen aus dem 85er-Jahrgang haben die Mannschaft erstmals ohne die alten Helden so weit geführt. Erhält dieses Finale dadurch eine andere Wertigkeit?

Wir wissen das natürlich wertzuschätzen, aber wir denken nicht viel darüber nach und profilieren uns nicht darüber. Das zeichnet uns aus, diese Bodenständigkeit. Trotzdem braucht die Liga genau das: Deutsche Spieler, die Leistung bringen und dafür Respekt genießen.

Seitdem Sie die Eisbären 2008 in Köln zum Titel geschossen haben, werden Sie dort ausgepfiffen. Wie gehen Sie damit um?

Da habe ich es noch ganz gut, Sven Felski ist in jeder Halle außerhalb Berlins ausgepfiffen worden. Früher dachte ich noch: Was wollen die denn von dir? Aber das gehört dazu. Es ist mir lieber, sie pfeifen deshalb, als weil ich jemanden verletzt habe.

Dort wird aus einem anderen Grund gepfiffen. Die Zeitungen in Köln kündigen die Rückkehr des Problembären an, weil Sie damals kurz zuvor einen Dopingtest zunächst verweigert hatten.

Ich kann es nicht ändern, wenn so etwas geschrieben wird. Irgendwann müsste es aber auch mal gut sein. Natürlich bin ich verantwortungsbewusster geworden seitdem. Die Leute, die mich kennen, die wissen, wie ich bin.