Eishockey

Wie Uwe Krupp die Kölner Haie wieder zu einem Siegerteam formte

Seit 2002 waren die Kölner Haie nicht mehr deutscher Eishockey-Meister. Mit Trainer Uwe Krupp nehmen sie einen neuen Anlauf und fordern in der Finalserie Titelverteidiger Eisbären Berlin heraus.

Foto: Gladys Chai von der Laage / pa/Gladys Chai

Poldi hatte Zeit, also kam er vorbei, der Fußballprinz, der schon längst gefühlter König ist in Köln. Keiner spiegelt das Emotionale dieser Stadt so herrlich offen wider wie Lukas Podolski, der „Kölsche Jung“, der nun bei einem anderen Ur-Kölner zu Besuch war. Podolski schaute den Haien und ihrem Trainer Uwe Krupp zu, als diese am Sonntag mit dem dritten Sieg im dritten Spiel der Vorschlussrunde das Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erreichten. Einen Poldi würde das auch als direkt Beteiligten zur Ekstase treiben. Uwe Krupp verführt das, trotz kölschen Blutes, nicht zu einem sentimentalen Ausbruch.

Krupp sieht keinen großen Unterschied

Krupp filtert. Er verleugnet seine Herkunft aus der Gegend, in der Köln am urtümlichtsen ist, nicht. Er will nur nicht, dass er sein Team Einflüssen aussetzt, die nicht allein darauf abzielen, Leistung zu erbringen. Das lässt den beruflichen Uwe Krupp bisweilen steif wirken, sachlich kühl, ja richtig unkölsch. Immerhin sagt er: „Für mich ist das einzigartig, als Kölner mit den Haien im Finale zu stehen.“

Wolfsburg, der Überraschungssieger des Viertelfinalduells mit dem Hauptrundengewinner Mannheim, konnte sich nie als echte Hürde aufbauen im Halbfinale. Jetzt treffen die Haie auf die Eisbären Berlin, den Titelverteidiger. „Ich sehe keinen so großen Unterschied zwischen den Mannschaften“, erzählt Uwe Krupp. Als er sein Amt bei den Haien annahm, lagen noch Welten zwischen beiden Teams.

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In seiner zweiten Saison arbeitet der 47 Jahre alte Trainer in seiner Heimatstadt. Die sentimentale Ebene schwang damals höchstens leicht im Hintergrund mit. Obwohl es sich wie eine Heimkehr anfühlte. Ganz oft. Krupp, der bei den Haien mit dem Eishockey anfing, sie mit zwei Meistertiteln als Spieler verließ und mit dem Stanley Cup aus der NHL wiederkam, musste nur durch die Trainingshalle gehen.

„Da laufen Leute rum, die waren schon da, als ich zehn Jahre alt war“, stellte er fest. Aber Krupp gehört nicht zu jenen Männern, die sich groß von Gefühlen leiten lassen. Rationale Erwägungen bestimmen sein Denken. Für den Posten entschied er sich, weil das Paket für ihn das beste war. Das war keine Schmeichelei.

Wiederaufbau einer Mannschaft als Anreiz

Denn die Zeiten waren andere als früher, als Krupp noch spielte. Zur Spitze gehörten die Haie nicht mehr, das war der große Unterschied. Auch vor Beginn dieser Saison änderte sich daran nichts: zwei Viertelfinalteilnahmen in vier Jahren, mehr war nicht drin. Dafür standen die Haie vor Krupp zweimal kurz vor der Insolvenz. „Wiederaufbau“ nannte Krupp seine Mission. Das reizte ihn.

Nun steht sie schon vor dem erfolgreichen Abschluss. „Die Haie haben geile Spieler, einfach eine geile Truppe! Da macht es Spaß zuzuschauen“, sagt Pavel Gross, Wolfsburgs Trainer, staunend. In der Hauptrunde waren sie als Zweiter so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das ging schnell. Aber Krupp kennt sich aus mit schwierigen Aufgaben. Als er im Dezember 2005 das Nationalteam übernahm, war es doch ähnlich. Alles am Boden, Abstieg. Krupp gelang es, seine Vorstellungen umzusetzen. Er bildete ein junges Team, das aus einer sicheren Abwehr dank läuferischer Stärke schnell nach vorn spielte und den Gegner schon mit seiner Leidenschaft beeindruckte. Ein Jahr nach Platz vier bei der Heim-WM 2010 übergab er das Amt, die Haie riefen um Hilfe.

Fehlendes Geld mit Leidenschaft ausgeglichen

Mit Messias-Faktor trat er den Posten an – und mit Demut. Er erklärte den Fangruppen in vielen Gesprächen, was sie erwarten durften. Das schnelle, moderne Spiel der Nationalmannschaft natürlich, hartes und ehrliches Eishockey. Aber mehr auch nicht. Dazu fehlte das Geld. Junge Spieler standen im Fokus. „Wir haben vor zwei Jahren einen Neuaufbau gestartet. Mit einer ehrgeizigen Mannschaft haben wir das Fundament gelegt.“ Dieser Kern bildet nun den Motor seines Teams, das mitgerissen ist von Krupp.

Er besitzt eine Aura, die Spieler animiert. Krupp schafft es, eine Mannschaft in eine leistungsfördernde Euphorie zu versetzen. Mit seinem ernsten Ausdruck kommt er wie ein moderner Feldherr daher, dem alle bedingungslos folgen, weil er grandios motivieren kann. Dennoch wären die Haie jetzt nicht an diesem Punkt, hätten sich die Prioritäten nicht verschoben. Nach dem verlorenen Viertelfinale im Vorjahr, Köln unterlag Berlin, wurde Krupp von den Geldgebern des Klubs gefragt, was verändert werden müsse. Daraufhin wurde der Etat um zehn Prozent erhöht auf ein Niveau, das an das der Berliner heranreicht. Mit dem Geld wurden viel stärkere Ausländer verpflichtet.

Um ihre drei Schweden beneidet die Haie die ganze Liga

Damit heben sich die Kölner nun von der Konkurrenz ab. Alle sieben Zugänge fügten sich perfekt ein, um die drei Schweden beneidet die ganze Liga die Haie. Als die NHL im Januar wieder anfing zu spielen und andere Klubs wichtige Spieler verloren, holte Krupp in Marco Sturm Deutschlands erfahrensten NHL-Profi zurück. Der punktet nun fleißig im Play-off. „Über diese Entwicklung sind wir natürlich glücklich“, sagt Krupp. Für das, was er in Köln geleistet hat, wurde er bereits zum Trainer des Jahres gewählt.

Seit 2002 warten die Haie auf den Titel. Jetzt würde er gut passen. Der grandiose Aufschwung, der Geburtstag. Seinen 40. feierte der Klub gerade. Mission XL lautet deshalb das Motto. XL steht für die römische Zahl 40. „Nichts würde mich mehr für meine Spieler und die Eishockeystadt Köln freuen, als eine Meisterschaft zu gewinnen“, sagt Krupp. Vielleicht würde er dann sogar seinen emotionalen Filter ausschalten und den Eis-Poldi geben.

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