Zahlen zählen nicht so sehr bei Don Jackson. Der Trainer schaut immer auf das ganze Spiel, die Anlage, die Umsetzung. Wie viele Vorlagen jemand gibt, wie oft er das Tor trifft – Nebensache. Wenn alle sich an die Vorgaben halten, wird schon irgendwer die Punkte machen. So einfach ist das beim EHC Eisbären.
Es lohnt sich dennoch, vor dem Start in das über maximal fünf Spiele gehende Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Kölner Haien am Sonntag mal genauer auf die Zahlen zu gucken. Dort haben sich im Play-off bei den Verteidigern Werte ergeben, die ungewöhnlich sind. „Ich kenne die Zahlen nicht genau, aber mir ist etwas aufgefallen“, sagt sogar Jackson. Seine drei deutschen Defensivspieler sind diejenigen, die viele Punkte markieren, die Offensive von hinten verstärken. Die drei nordamerikanischen Verteidiger Jim Sharrow, Ryan Caldwell und Mark Katic dagegen kommen zusammen gerade einmal auf zwei Vorlagen.
Enorme Veränderung
Das Ausmaß dieser Veränderung ist enorm. „Das gab es bei uns noch nie“, sagt Manager Peter John Lee. Immer waren die Rollen in der Defensive klar verteilt: Die Deutschen räumten vor dem eigenen Tor auf, die Ausländer orientierten sich nach vorn. Das schien auf ewig zementiert. Jetzt ist das Gegenteil eingetreten. „Es war immer unser Wunsch, dass es sich so entwickelt“, sagt Lee. Auf 20 Punkte (7 Tore, 13 Vorlagen) bringen es Constantin Braun, Jens Baxmann und Frank Hördler.
Schon komisch, findet Baxmann, dass der Unterschied jetzt so extrem ist. „Vom System her sind die Verteidiger gleichberechtigt“, sagt Baxmann. Früher war das mal anders, da füllten die Deutschen tatsächlich einen rein defensiv geprägten Part im System aus. Mit der Aufweichung dieser klaren Aufgaben änderte sich aber erst einmal wenig. „Wir hatten früher Leute an der Seite, die agiler nach vorn waren“, sagt Hördler. Er spricht von Deron Quint, Derrick Walser, Micki DuPont oder Richie Regehr. Allesamt Verteidiger, die sich in der Offensive fast wohler fühlten als vor dem eigenen Tor. „Da ist es normal, dass man mehr nach hinten aufpasst“, erzählt Hördler.
Neue Transfertaktik
Für diese Nordamerikaner gaben die Eisbären viel Geld aus, Manager Peter John Lee holte sie als Top-Spieler. Und als Lehrmeister. „An ihrer Seite sollten sich unsere deutschen Spieler entwickeln, wachsen und verbessern“, sagt Lee. Jetzt zeigt sich, dass das Konzept funktioniert hat. „Früher waren die Ausländer die Stars, jetzt sind es bei uns die Deutschen“, sagt Lee. Sie sind erwachsen geworden, Spieler wie Baxmann (28) und Hördler (28). Mit ihrer Reifung verschoben sich auch die Prioritäten. „Ich verpflichte jetzt anders“, so der Manager. Er sucht nicht mehr nach fertigen Spielern für die Top-Positionen in der Abwehr. Die haben nun die deutschen Akteure übernommen, „sie haben sich das verdient“, sagt Lee. Dafür holt er jüngere Ausländer, denen die Deutschen zeigen, wie man ein Sieger wird.
Für den Trainer ist diese Entwicklung logisch. „Sie sind gute Wettkämpfer“, sagt Jackson. Auch bei den ausländischen Verteidigern wundert sich niemand. „Diese Spieler sind genau dafür gemacht“, sagt Jim Sharrow, „sie führen diese Mannschaft, haben viel Erfahrung und spielen sehr gut.“ Nationalspieler sind sie außerdem. Die Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern würde der Manager dabei am liebsten weglassen. „Braun, Baxmann und Hördler sind einfach nur richtig gute Spieler“, sagt der Kanadier. Sie machen oft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus.
Zeichen, dass der Klub alles richtig gemacht hat
Ihre Rolle auf dem Eis findet auch abseits davon stetig ihren Ausdruck. Die drei gehören zu denen, die oft erklären müssen, warum es so oder so gelaufen ist. Bezüglich der aktuellen Zahlen und der Absicht, die einst verfolgt wurde, sagt Frank Hördler nun: „Das ist ein Zeichen, dass der Klub alles richtig gemacht hat.“ Obwohl die Saison oft holprig verlief, im Finale stehen die Berliner dennoch. „Das hat einen besonderen Stellenwert für mich“, sagt Hördler. Weil er und die anderen deutschen Spieler, auch im Angriff, nie eine solch exponierte Stellung in der Mannschaft innehatten.





